Überschaubares Jubiläum in Bobingen Siedlung
Die Bewohner der Siedlung zeigten, was ihnen ihre Siedlung bedeutet. In die Feier platzte die Nachricht, dass dort Mitte August ein Supermarkt eröffnet.
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Überschaubares Jubiläum in der Siedlung
Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Erster Bürgermeister Bernd Müller (von links), Staatssekretär Franz Pschierer (dahinter) und Siedlervorstand Friedrich Kraus (rechts) umrankten die Siedler-Jubilare Annemarie Hosemann, Günter Knöchel, Günther Fischer, Karl Haas und Theodor Schäfer, die seit den Gründertagen in der Siedlung wohnen.Foto: Lutz Neumann
"Die Förderung der Gemeinschaft, die Verbundenheit mit Grund und Boden und die Nachbarschaftshilfe waren die Kennzeichen des Siedlungsgedanken", erinnerte Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer, der im Ehrenamt Vorsitzender des Bezirksverbandes Schwaben im Verband Wohneigentum ist.
Die Gesellschaft habe sich geändert und die „alte Nachbarschaftshilfe ist leider weg in unseren Städten. Hier in der Siedlung gibt es noch Verbundenheit, anders als in den Wohngettos. Erst wenn es einem schlecht geht, merkt man, wer einem hilft, der gute Freund oder der Nachbar“, führte Pschierer aus. Wie sich die Siedlung wirtschaftlich entwickle, bestimmen die Bürger mit den Füßen mit, betonte Pschierer mit beispielhaftem Blick auf den Erfolg des künftigen Lebensmitteleinzelhändlers im Wertachzentrum. Dass die Siedlung eine starke Gemeinschaft ist, hatte Siedlervorstand Friedrich Kraus schon mit seiner Begrüßung deutlich gemacht. „Sehr geehrte Siedlerfrauen und sehr geehrte Siedlermänner“, hatte er die Festgäste aus dem Stadtteil begrüßt. Der Siedlerverein hatte den Festabend organisiert, den zahlreichen Gruppen aus der Siedlung tatkräftig unterstützten.
Musikalisch bot das Kammerorchester Bobingen unter der Leitung von Ludwig Schmalhofer mit zwei Ouvertüren, eine von Händel, eine von Telemann und einer Zugabe, den klangvollen Rahmen. Weit mehr als 300 Bürger und geladene Gäste kamen, um mit den Siedlern zu feiern. Eilig stellten die Organisatoren vom Siedlungsverein weitere Stühle in der Turnhalle der Grundschule auf.
Erster Bürgermeister Bernd Müller nannte die Siedlung eine Erfolgsgeschichte. Menschen hätten ihr Schicksal in die Hand genommen und hier den Mittelpunkt ihres Lebens gefunden. Maßgeblichen Anteil an der Siedlung habe die Landwirtsfamilie Schlecht, die sich entschuldigen ließ. „Hier waren Wiesen, Feld und Acker. Hier wurden Lebensbiographien geschrieben“, meinte Müller und ergänzte zu jüngster Unruhe in der Siedlung: „Wir dürfen uns diesen Lebensraum nicht kaputt reden und kaputt schreiben lassen.“
So sei Mitte August die Eröffnung eines neuen Supermarktes geplant. Das Leben pulsiere weiter in der Siedlung. Müller mahnte: „Bitte kaufen Sie in der Siedlung ein. Sie entscheiden mit den Füßen.“ Der Supermarkt ergänzt das Angebot eines Bäckers und eines Metzgers. Er selbst habe zwei Jahre in der Siedlung gelebt, erinnerte sich Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert gerne an seine „Musikerzeit“ in der Siedlung. Er blickte auch in die Anfangsjahre der Siedlung: „die schwierige Zeit des Nationalsozialismus'“.
Doch wollte er dort nicht verharren, erinnerte an den dringend benötigten Wohnraumbedarf, der sich auch in der landwirtschaftlichen Siedlungsbewegung der Lechfeldheide, der Lebensformbewegung im Augsburger Thelottviertel oder der Gartenstadtbewegung im Spickel widerspiegele. Sich ein eigenes Heim zu schaffen, die gemeinschaftliche Arbeit, Hilfe und Gemeinschaft, Heimat und Geselligkeit, Menschen jeden Alters mit und ohne Handikap, auch die Vereine, sie alle seien Kennzeichen des Lebens in der Siedlung. Reichert erinnerte und dankte, dass sich der Stadtrat wiederholt für kleinteilige Einheiten in der Siedlung zum Wohle der Bürger ausgesprochen habe.
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