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Unterthürheim

Unterthürheim im Visier der Medien


Genug Prävention und intakte Vereine

„Wir konnten noch nie feststellen, dass einer unserer jungen Feuerwehrkameraden sich ideologisch rechts orientiert.“, sagt Max Müller, erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Unterthürheim. Er und andere Bürger wehren sich gegen die Vorwürfe, Unterthürheim sei eine Nazihochburg.

  • Hier sollten Lehrer und Eltern genauer hinsehen: Hier sollten Lehrer und Eltern genauer hinsehen:
    Kleidungsstücke der Marke "Consdaple" sind in der rechten Szene beliebt. Wird über dem Shirt eine Jacke halboffen getragen, dann ist nur noch der Schriftzug "NSDAP" zu sehen.
    Foto: screenshot
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„Eigentlich bräuchte ich mal wieder einen Tag zum Arbeiten“, erzählt Jürgen Mayershofer. Der Unterthürheimer ist momentan ein gefragter Mann in der Medienlandschaft. Als einer der wenigen hatte er von Anfang an den Mut, zu dem, was in Unterthürheim einer dunkelhäutigen Mutter angetan wurden, klar Stellung zu beziehen. Wie berichtet hatten 15 Jugendliche das Haus einer dunkelhäutigen Frau mit Eiern beworfen und Naziparolen skandiert. Aus Angst zog die Frau im November von Unterthürheim weg. „Rechtsradikale Gewalt darf nicht kleingeredet werden“, sagt Mayershofer mit Blick auf die Stellungnahme des Bürgermeisters von Buttenwiesen Norbert Beutmüller. Dieser hatte sich in seinem Gespräch über die „fehlende Zivilcourage“ bei den meisten Bürgern beklagt. Eine Eigenschaft die Mayershofer ganz sicher nicht fehlt. „Jeder Schritt zurück ist falsch, wenn es um dieses Thema geht“, meint er, und ist inzwischen auch bei den Fernsehjournalisten gefragter Interviewpartner.

Während also in der beschaulichen Ortschaft Unterthürheim noch „ohnmächtige Fassungslosigkeit“ über das Geschehene herrscht, nahmen wir uns in Gesprächen mit Vereinsvertretern und Fachleuten der bisher geleisteten Arbeit in diesem Bereich an.

„Rechtsradikale Tendenzen können erkannt werden“, meint Benedikt Wagner. Er ist Schulpsychologe an der Ulrich-von-Thürheim-Volksschule in Buttenwiesen. „Vorfälle seien ihm bisweilen keine bekannt.“ Dennoch habe man im letzten Jahr im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung Lehrkräfte in einem Seminar an der Mittelschule Lauingen über das Themenfeld „Jugend & Rechtsextremismus“ informiert und sensibilisiert.

Fachmann für diesen Aufgabenbereich ist Wolf-Dieter Schuster von der Schulberatung Schwaben. Auch er setzt auf Prävention. Der Regionalbeauftragte für Demokratie und Toleranz vermittelt in seinen Seminaren und Workshops, Tendenzen zu erkennen und achtsam mit bestimmten Symbolen und Dresscodes umzugehen. „Nicht nur die Zahlen 88 und 18 sind in der Szene beliebte Zeichen, bei denen Lehrer genauer hinsehen sollten“, so Schuster. Auch bestimmte Kleidungsmarken wie beispielsweise die Marke „Consdaple“ sollten hinterfragt werden. „Wird beispielsweise über einem Pullover der Marke Consdaple eine Jacke offen getragen, bleiben ganz schnell nur noch die mittleren Buchstaben NSDAP übrig“.

Doch das äußere Erscheinungsbild von rechtsgerichteten Jugendlichen habe sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt, so der Regionalbeauftragte. Während sich früher Jugendliche hauptsächlich über modische Details wie Springerstiefel definiert haben, spielten heute Musik und Internet die tragende Säule der Außendarstellung.

In den Vereinen rund um Unterhürheim wird Jugendarbeit groß geschrieben. „Wir konnten noch nie feststellen, dass einer unserer jungen Feuerwehrkameraden sich ideologisch rechts orientiert“, berichtet Max Müller, erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Unterthürheim. Der Zusammenhalt sei groß zwischen den elf Mitgliedern der Jugendfeuerwehr. Müller wehrt sich – wie auch andere Vereine – gegen die Pauschalurteile, Unterthürheim sei eine Nazihochburg. „Es sind Einzelfälle“, betont auch Beutmüller. Auch beim TSV Unterthürheim kann man sich nicht an „auffällige Mitglieder“ erinnern. Es scheint, dass die Beteiligten der Aktion – wie berichtet hatten rund 15 Jugendliche vor dem Haus der dunkelhäutigen Frau Naziparolen skandiert– nicht vereinsaktiv sind. „Im Verein kennt man sich“, sagten alle Gesprächspartner und selbst Jürgen Mayershofer, der selber in einem Verein ist, hält die Vereinskultur für so gefestigt, dass derartige „Quertreiber“ dort nicht Fuß fassen könnten. Er selbst wird in den nächsten Tagen sicherlich noch nicht allzu schnell zu einem ruhigen Arbeiten kommen, denn die Nachfragen der Medien, die eine lückenlose Aufklärung fordern, reißen nicht ab.

04.02.2012 | 13:26 Uhr - von Florian Winkler-Ohm

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