Von Kelten und Alemannen
Die Toten in den Hockergräbern blickten vor 7000 Jahren bereits nach Osten. Neben ein paar Alltagsscherben gibt es lediglich Siedlungsfunde im Norden Wehringens.
„Das in Wehringen vor einigen Jahren entdeckte Wagengrab, lässt auf eine regional sehr hochgestellte Persönlichkeit schließen. Nach etlichen Bomben- und Blindgängerfunden im neuen Industriegebiet im Norden der Kommune wird derzeit wieder nach „archäologischen Mosaiksteinchen“ gegraben. Die ersten zwölf Bauplätze sind längst verkauft jetzt denken die Gemeinderäte schon über die Osterweiterung des Industriegebietes von rund 2,2 Hektar um weitere sechs Hektar nach.Zwei von drei Anfragen für den ersten Teil des neuen Industriegebietes kamen aus Wehringen, jetzt haben wir erneut 32 Anfragen“, berichtete Erster Bürgermeister Manfred Nerlinger. Auch könnte auf einem großen Areal ein Logistiklager entstehen. Doch zuvor muss die Kommune noch viel Geld in die Hand nehmen. Schon bisher kosteten die archäologischen Grabungen rund 300 000 Euro. „Wir wissen, dass die Kelten die fruchtbaren Boden auf dem Hochfeld genutzt haben und nahe am Wasser der Singold leben wollten. Sie haben sich an der Terrassenkante angesiedelt, damit ihnen Hochwasser nichts anhaben konnte“, berichtete Nerlinger. Damit erklären sich auch die vielen keltischen Funde, die sich über das ganze Gebiet von Wehringen ziehen, im Norden bis über die Grenze hinaus. Die Römer hätten die gute Lage ebenso genutzt, wie danach die Alemannen, die auf den fruchtbaren Lößböden ihre Felder bestellten. Seitens der Archäologie, ist klar, dass es sich im Raum Wehringen um eine große keltische Siedlung gehandelt haben muss, erklärte Hanns Dietrich vom Landesamt für Denkmalpflege. Diese wird bis auf die Zeit vor 7000 Jahren, also 5000 vor unserer Zeitrechnung datiert. An diese Besiedelung erinnern immer wieder gefundene Grabstellen. Die Menschen liegen in gehockter Stellung meist auf der rechten Seite und haben ihren Blick nach Osten gerichtet. Diese Art der Bestattung haben sie wohl von ihren Vorfahren übernommen. Die Gräber befinden sich relativ nah unter der Humusschicht. Deshalb seien viele dieser Gräber durch die maschinelle landwirtschaftliche Bearbeitung längst zerstört.
Die Ansiedelung aus der Jungsteinzeit wurde möglicherweise für eine längere Zeit wieder aufgegeben und war dann bis etwa um 700 nach unserer Zeitrechnung alemannisch besiedelt. An die Römer erinnern in dem neuen Industriegebiet lediglich einige Überreste des Straßendammes der sogenannten Allgäustraße, die von Augsburg nach Kempten führte. Neben der aufgeschütteten Straße seien noch Straßengräben zu finden und darin ab und zu ein paar Scherben oder neben der Straße noch nicht definierte kleinere Steinanordnungen. Eine größere römische Ansiedlung war bereits nördlich des jetzigen Grabungsgebietes entdeckt und dokumentiert worden. Doch, wenngleich die Grabungen keine Sensationsfunde zu Tage fördern, so fügen sich doch die einzelnen Puzzlesteine aneinander, die helfen, die Geschichte von Wehringen zu erhellen.
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