Augsburger Urlaubsstrecke diente ursprünglich dem Militär
Zwischen Göggingen und Inningen steht eines der letzten original erhaltenen Hinweise auf eine Verbindungsstraße zwischen der römischen Provinz Raetien und Rom.
Drei Straßen führten von Süden hin zur Hauptstadt Raetiens. Das war das ehemalige Augusta Vindelicorum, heute Augsburg. Die zeitlich gesehen dritte und letzte Verbindungsstraße, die Via Raetia, ist die heute wohl am meisten befahrenste, sie führte über den Brenner. Auch in diesen Tagen waren wieder tausende von Urlaubern aus der Region über den Brenner nach Italien in den Urlaub gefahren oder wieder Heim gekommen. Auch die älteste der drei Strecken, die Via Claudia Augusta, ist bekannt. Sie verlief von Süden kommend über die Alpen nach Füssen, weiter über Epfach und Königsbrunn nach Haunstetten und weiter entlang der heutigen Haunstetter Straße bis zum Hügel der neuzeitlichen Altstadt bei St. Ulrich und Afra und wahrscheinlich weiter bis in das Heerlager auf dem Gebiet des heutigen Oberhausen. Die Straßen wurden von den Römern angelegt, um die Truppen innerhalb des Reiches schnell bewegen und auch versorgen zu können.
Spannend ist die Geschichte der Allgäustraße, von der dieser Meilenstein Zeugnis abgibt. Den Begriff prägte Gerold Walser in einem 1983 von ihm herausgegebenen Buch mit dem Titel „Die römischen Straßen und Meilensteine in Raetien“. Der römische Name dieser römischen Verbindungsstraße hat sich nicht erhalten. Aber nicht von ungefähr gibt es noch heute in Göggingen die Allgäuer Straße. Entlang dieser Straße sind aus der Neuzeit zahlreiche Ziegeleien bekannt, die die Lehmgruben ausgebeutet haben. Schon die Römer wussten mit Ton und Lehm Baumaterialien und Haushaltsgefäße herzustellen.
Die Straße verband die wichtigen römischen Städte der römischen Provinz Augsburg, Kempten und Chur. In Bregenz teilte sie sich in die Strecke nach Chur in die heutige Schweiz und führte in einer zweiten Strecke entlang der Nordseite des Bodensees nach Westen und dann entlang des Rheins nach Norden nach Mainz und Trier. Sie soll mit rund 9,5 Metern eine vergleichsweise breite Straße gewesen sein. Angelegt war sie in „Bogenbauweise“, also in einem leichten Boden, von der Straßenmitte her abfallend in die beiden Straßengräben. Das hatte insbesondere bei Regen den großen Vorteil, dass das Wasser ablaufen konnte und nicht auf der Straße in Pfützen stehen blieb. Diese Bauweise hat sich im Grundsatz bis heute erhalten. Heutige Fahrbahnen haben ein ein- oder zweiseitiges Gefälle, an deren Ende das ablaufende Wasser entweder in die Rinnsteine läuft oder über die Straßengräben versickert.
Die Entfernung wurde entlang der Römerstraße in MP gemessen, das waren quasi „gegangene Meilen“, lateinisch „,mille passus“ oder „mille passuum“. Das waren jeweils 1000 Doppelschritte, was etwa 1,5 Kilometern entspricht. Der Meilenstein, eigentlich eine Distanzsäule, diente nicht nur der Streckenmessung, sondern war zugleich ein Zeichen für die Herrschaft eines Kaisers.
Gab es damals weder Fernsehen noch Plakate, so eigneten sich die Meilensteine hervorragend um die Namen römischer Regenten dauerhaft und weit ins Land zu tragen. Auf dem Meilenstein an der Lindauer Straßen sind keine Gravuren mehr zu erkennen. Der Stein steht auf einem kleinen Sockel und trägt fast schon unscheinbar den Hinweis auf die vorbeiführende Straße.
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