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Augsburg

Die IHK kommt nicht weiter


Anwohner wollen um den Alpini-Park kämpfen / Auch Pro Augsburg ist jetzt gegen den Neubau


„Wutbürger jetzt auch in Augsburg?“ steht auf dem Flugblatt, das Ursula Meier am Eingang der Industrie- und Handelskammer (IHK) verteilt. Zum zweiten Informationsabend zum geplanten IHK-Neubau am Theodor-Heuss-Platz kamen 150 Gäste, darunter Stadträte aller Fraktionen und Gegner des Projekts. In ihrem Bemühen, die Anwohner vom Nutzen des Gebäudes zu überzeugen, ist die IHK keinen Schritt weitergekommen.

  • Es ist nur ein kleines, hässliches Fleckchen Erde, doch der Alpini-Park ist den Anwohnern im Bismarckviertel offenbar so wichtig, dass sie sämtliche Angebote der IHK ins Leere laufen lassen und mit einem Bürgerbegehren drohen.
    Foto: Mareike Simon
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Fast jeder nimmt sich einen der Flyer, die Meier von der Bürgerinitiative (BI) „Freier Theodor-Heuss-Platz“ verteilt. Darin beruft sich die BI auf den Bürgerentscheid gegen einen Tunnel am Kö, bei dem der Bebauungsplan 500 befürwortet worden und somit gültiges Baurecht sei. Dieser sieht vor, dass der heruntergekommene Alpini-Park am Theodor-Heuss-Platz neu gestaltet werden soll.

Wie der Park künftig einmal aussehen könnte, zeigt eine Videoanimation der BI auf ihrer neuen Homepage www.freier-theodor-heuss-platz.de: Eine kleine Rasenfläche, umrahmt von Pflastersteinen, viele Sitzbänke, ein paar Bäume, die Schatten spenden, und ein Springbrunnen. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ als Hintergrundmusik überspielen dezent, dass das Plätschern des Wasserbeckens gegen den Verkehrslärm der Kreuzung ankämpft. Nicht zu sehen ist die Lärmschutzwand, die die Stadt zum Eserwall hin errichten will. Für dieses Idyll kämpfen die Menschen, die gekommen sind.

Die Stimmung im Saal ist anfangs gemäßigt. IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Saalfrank erklärt Sinn, Zweck und Aufgaben der Kammer und betont, der Standort am Theodor-Heuss-Platz sei „die einzige Alternative“, da es die „Synergieeffekte“ mit dem Hauptgebäude nur hier geben könne. Er spricht von einer „Aufwertung des Viertels“ und davon, dass die IHK den Neubau nicht wie ein Bauträger, sondern wie ein Bildungsträger angehen würde. Er zählt auf, was die IHK zu leisten bereit wäre: eine Tiefgarage, Gastronomie und die Öffnung des Parks auf dem IHK-Gelände für die Bevölkerung.

An diesem frühen Punkt kippt die Stimmung, das Publikum wird unruhig und äußert seinen Unmut. Eine ältere Anwohnerin ergreift das Wort: Mit Hamburger Akzent erklärt sie, warum den Bewohnern des Bismarckviertels der lauschige Platz so wichtig ist. Zum ersten Mal an diesem Abend ertönt Applaus.

Mit seiner dichten Bebauung und dem Straßenverkehr sei es „unverzichtbar“, dass das Viertel einen Platz zum Atmen erhalte. Ein weiterer Bau direkt an den siebenstöckigen Hochhäusern in der Singerstraße würde den Balkonen das Tageslicht rauben und die Wohnqualität senken. Zudem, so argumentiert die Frau weiter, sei der Alpini-Park ein sozialer Ort für Kinder und Treffpunkt für die älteren Bewohner. Bisher gebe es nur „unverbindliche Absichtserklärungen“ der IHK, den Park zu öffnen, aber nichts Konkretes.

Auch wenn Projektleiter Peter Lintner, bei der IHK zuständig für das Geschäftsfeld Standortpolitik, von einer „Win-Win-Situation“ spricht, den Volkszorn im Saal kann er nicht mehr bändigen. Er weist darauf hin, dass der IHK-Bau so gestaltet werden könne, dass die Sonne weiterhin auf die Balkone scheine. Dass das Gebäude die Wohnhäuser wie eine Schallschutzmauer vom Straßenlärm abschirme. Dass der IHK-Park mit seiner Lage und dem alten Baumbestand doch mehr Erholung böte als der Alpini-Park.

Allein, die Argumente erreichen die meisten Bürger nicht. Bei der anschließenden Diskussion geht es heiß her: Ein Anwohner schlägt vor, im Publikum abstimmen zu lassen, wer für den Erhalt des Alpini-Parks ist – es sind um die 90 Prozent. Jörg Westerhoff, einstiges Gründungsmitglied der Grünen, wirft der Stadt vor, sich bei der Standortsuche nicht ausreichend um die IHK gekümmert zu haben.

Da hilft es auch nichts, dass Baureferent Gerd Merkle das Vorgehen der IHK lobt, bereits mit der Machbarkeitsstudie die Anwohner in die Planung und Gestaltung miteinzubeziehen. Seine Worte fallen ins Leere. Anwohnerin Elsa Rettinger hat zum Abschluss einen Vorschlag an die IHK: „Es wäre schön, wenn Sie nun sagen würden: ,Wir bauen nicht'. Dann gehen wir alle glücklich und zufrieden nach Hause.“

In der Tat wird sich die IHK nun nach einer Alternative umsehen müssen. Pro Augsburg, das sich bisher für das Projekt ausgesprochen hat, fordert nun die Rückkehr zur ursprünglichen Planung am Theodor-Heuss-Platz.
13.09.2012 | 08:39 Uhr - von Annette Liebmann


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