Fahrgäste im Scherbenregen
Noch ist unklar, wie es zu dem Straßenbahnunfall kommen konnte
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Glück im Unglück hatten die Fahrgäste dieser Tram: Beim Zusammenprall flogen nicht nur Glassplitter, sondern auch einige Metallteile umher. Bei einem Frontalzusammenstoß wäre die Straßenbahn zudem vermutlich entgleist. Foto: Berufsfeuerwehr Augsburg -
Der Lastwagen hat die Tram auf einer Länge von 30 Metern gestreift, bis auf zwei Fensterscheiben sidn alle zerbrochen.Foto: Berufsfeuerwehr Augsburg
Zum Zeitpunkt des Unfalls war die Tram der Linie 13 nicht voll, aber doch gut besetzt. Rund 100 Fahrgäste, die meisten von ihnen Studenten, waren auf dem Weg in Richtung Stadtmitte, als plötzlich auf freier Strecke ein Lastwagen das Fahrzeug streifte. Offensichtlich hatte der 30-jährige Fahrer des Lkw, der ebenfalls stadteinwärts fuhr, die parallel fahrende Bahn übersehen. Gleich nachdem er nach rechts abgebogen war, bremste er ab, konnte aber nicht mehr rechtzeitig zurücksetzen.
Der 41-jährige Straßenbahnfahrer hat sich nach Angaben der Stadtwerke vorbildlich verhalten: „Er hat erst die Notbremsung eingeleitet und dann sofort die Türen geöffnet, um eine Panik zu vermeiden. Danach hat er die Erstversorgung übernommen, obwohl er selbst unter Schock stand“, schildert Stadtwerke-Sprecherin Stephanie Lernen. Szenarien wie diese würden immer wieder geübt, damit die Fahrer umsichtig reagierten. Der 41-Jährige hatte wohl alles richtig gemacht; das beweist auch eine Videoaufnahme.
Beim Zusammenstoß hat der Lastwagen die linke Seite der Tram auf 30 Metern Länge komplett aufgeschlitzt, alle Fenster bis auf zwei wurden zertrümmert. „Das muss einen Riesenkrach gemacht haben“, glaubt Friedhelm Bechtel, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr, die mit 45 Mann vor Ort war. Dennoch verliefen auch die Rettungsarbeiten hervorragend: „Die Fahrgäste haben besonnen reagiert“, lobt Bechtel. „Sie haben die Straßenbahn verlassen, sich hingesetzt und gewartet, bis die Rettungskräfte eintrafen und sich um sie kümmerten.“ Panik sei nicht aufgekommen.
Durch die umherfliegenden Glassplitter erlitten die Fahrgäste Schnittverletzungen und Schürfwunden. Zwar sind die Straßenbahnen mit Sicherheitsglas, nicht aber mit Verbundsicherheitsglas ausgestattet. Das hat auch seinen Grund: „Die Fenster dienen auch als Notausstieg“, erklärt Lernen. Würde das Glas nicht splittern, gäbe es im Notfall kein Entkommen aus der Straßenbahn.
So aber zerbrach das Glas in viele kleine, abgerundete Splitter, die buchstäblich auf die Insassen herabregneten. „Allein die Wucht, mit der die Splitter umherfliegen, macht eine Menge aus“, erklärt Lernen.
Es hätte schlimmer kommen können. Von den Fenstern lösten sich auch Metallteile, die Menschen hätten treffen können. „Ein Glück, dass der Zusammenstoß nicht frontal passiert ist“, sagt Polizeisprecher Manfred Gottschalk, „sonst wäre die Tram entgleist“. Auch die Rettungsarbeiten verliefen koordiniert. Die Verletzten wurden nach der Schwere der Verwundungen behandelt, viele von ihnen gleich auf dem neben der Unfallstelle liegenden Parkplatz eines Discounters.
Wie viele Verletzte es tatsächlich gab, ist noch unklar. Gut möglich ist, dass sich im Nachhinein noch einige melden. Die Feuerwehr spricht von 71 Verletzten, von denen vier schwer, 15 mittelschwer und 52 leicht verletzt sind. 22 seien in die umliegenden Kliniken gebracht worden. Der Polizei sind 48 Verletzte bekannt, von denen elf ins Krankenhaus eingeliefert wurden.
Bislang weist vieles darauf hin, dass der Lastwagenfahrer den Unfall verursacht hat. Doch es wird noch eine Weile dauern, bis der Gutachter seine Untersuchungen abgeschlossen hat. Eine zentrale Rolle spielt die Ampelanlage – denn einer der beiden Fahrer hat ein Rotlicht überfahren.
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