IHK träumt von Bildungshaus
Viele der Anwohner sind strikt gegen einen weiteren Bau im Bismarckviertel.
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IHK träumt von Bildungshaus
Hier kann sich die IHK Schwaben ihr neues Bildungs- und Prüfungszentrum vorstellen: Als Eingang zum Bismarckviertel und architektonisch ansprechend gestalteter Gegenpol zum Stadttheater am anderen Ende der Achse Konrad-Adenauer-Allee und Fuggerstraße.Foto: Mareike Simon
Mit rund 100 Zuhörern war der Fugger-Saal der IHK nicht annähernd gefüllt. Wegen der Urlaubszeit waren wohl viele Anwohner der Einladung zum Informationsabend nicht gefolgt. Doch auch die anwesenden Hundert reichten vollkommen aus, eine Atmosphäre der unverhohlenen Aggression zu erzeugen: Als Peter Lintner, bei der IHK Schwaben zuständig für das Geschäftsfeld Standortpolitik, die Machbarkeitsstudie zum Bauvorhaben mit an die Wand projizierten Plänen erläuterte, brach die schäumende Wut aus einem Zuhörer heraus. Der Mann sprang auf, schrie wütend, Lintner solle gefälligst einen Laserpointer verwenden, so etwas könne man doch von einer IHK erwarten.
Lintner, sichtlich baff, weil er bereits einen Laserpointer verwendete, nahm einen anderen Pointer und machte ruhig weiter – doch die Marschrichtung schien vorgegeben: Die IHK ist böse und versucht die Anwohner aufs Glatteis zu führen.
Dabei spielte IHK-Geschäftsführer Peter Saalfrank von Beginn an mit offenen Karten: „Wir werden die Idee nur verfolgen, wenn wir auf die entsprechende Resonanz bei Politik und den Nachbarn stoßen.“
Die Idee, das ist der Neubau eines Bildungs- und Prüfungszentrums am Theodor-Heuss-Platz auf einer bislang unbebauten Freifläche, die als Parkanlage genützt wird. Das Zentrum benötigt die Kammer, da die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr ausreichen – jährlich verzeichnet die IHK 8000 Prüfungsteilnehmer. Zum Gebäude würde auch eine Quartiersgarage gehören, um die IHK-Schüler und -Prüflinge, die mit dem Auto anreisen, schon vor dem Wohnviertel abzufangen.
Die IHK hat zu dem Projekt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und mit dem Ergebnis die Fraktionen des Augsburger Stadtrats abgeklappert. Nach dem Besuch bei den Politikern, „haben wir zumindest das Gefühl, dass unsere Idee gut ist“, schätzte Saalfrank die Lage ein. Einzig die Freien Wähler sind in eine offene Opposition gegangen und bekämpfen das Vorhaben inbrünstig, allen voran der stellvertretende Vorsitzende der Augsburger Freien Wähler Volker Schafitel, der unter anderem Bäume des Altstadtgrüngürtels gefährdet sieht.
Dieser Inbrunst hatten sich auch einige der Zuhörer angeschlossen, was ihnen das Zuhören allerdings erschwerte. Saalfrank stellte von Anfang an klar, dass die IHK entweder am Theodor-Heuss-Platz neu bauen oder aber Gebäude, die sich bereits im Eigentum der IHK befinden, renovieren und modernisieren werde. „Eine weitere Neubau-Alternative gibt es nicht.“ Trotz dieser Klarstellung wurden die Zuhörer nicht müde, Alternativen vorzustellen.
So geriet das gute Geschäft mehr und mehr in den Hintergrund, das die IHK den Nachbarn anzubieten hatte: Als Ausgleich für die wegfallenden Parkanlagen wolle die Kammer ihren bisher nicht öffentlich zugänglichen Garten öffnen. „Eventuell könnte man eine Art Industrieweg anlegen“, sinnierte Saalfrank über eine Gestaltungsmöglichkeit.
Letztlich als einzig ernst zu nehmendes Argument gegen das Projekt bleibt die verbaute Aussicht aus den Wohnblöcken hinter einem gedachten Prüfungszentrum. Zwar sind nur drei bis fünf Stockwerke vorgesehen und durch einen entsprechenden Abstand soll auch der unverstellte Lichteinfall gewährleistet bleiben. Trotzdem: Wo vorher freie Sicht auf Tramgleise und B300 war, stünde dann ein Gebäude, und mag es noch so ästhetisch sein. Hier wird die IHK auf erbittertsten Widerstand treffen und wenig Möglichkeiten haben, um die Bedenken zu zerstreuen.
Fraglich ist, ob sich die IHK überhaupt auf eine Auseinandersetzung einlassen würde. „Das ist ein Angebot an Sie“, verdeutlichte Saalfrank. „Wir werden das Projekt nicht weiterverfolgen gegen den Widerstand der Politik und den Widerstand der Anwohner.“
Für den 11. September hat die IHK zu einem weiteren Infoabend eingeladen.
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