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Augsburg

Krone und Freiheit für Bayern


Die Königstreuen Augsburg streben die Unabhängigkeit des Freistaats von Berlin an

Ist die Monarchie eigentlich nicht die bessere Staatsform? Immerhin gibt es innerhalb der Europäischen Union sieben gekrönte Häupter, die entweder Begeisterungstürme bei ihrem Volk hervorrufen oder für Skandale sorgen. Auch in Bayern gäbe es noch Thronprätendenten – und im Verein der Königstreuen Augsburg und Freunden König Ludwigs II. von Bayern überzeugte Anhänger. Wie wäre es also mit einem souveränen, bayerischen Königreich?

  • Dieses Grabmal errichtete König Ludwig II. seiner Kinderfrau Sybille Meilhaus und wird heute von den Königstreuen gepflegt. Meilhaus hatte für ein paar Jahre in Augsburg gelebt.
    Foto: Saskia Kerschbaum
  • Krone und Freiheit für Bayern Krone und Freiheit für Bayern
    Die Fahne der Königstreuen wird nur bei besonderen Gelegenheiten, wie hier bei der Gedenkmesse auf Schloss Berg, verwendet. Charly Held (rechts) ist der erste Vorstand der Königstreuen.
    Foto: privat
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„Ich glaube schon, dass die Monarchie in den Köpfen der Bayern sehr präsent ist“, bekräftigt Charly Kaspar Held. Er ist der erste Vorstand und Gründungsmitglied der Königstreuen Augsburgs, die sich 1980 im Thorbräu gründeten. Dieser Gründung war ein Aufruf von Georg Lohmeier vorangegangen, bekennender Monarchist und Mitautor der Fernsehserie „Königlich-Bayerisches Amtsgericht“. Und Lohmeier stieß auf Resonanz: In den folgenden Jahren gründeten sich mehr als 30 König-Ludwig-Vereine, wie jener in Augsburg, der heute 100 Mitglieder hat.

Der Zeitpunkt war gerade für Augsburger Königstreuen relativ günstig: Die Stadt feierte ihr 2000-jähriges Jubiläum und der Verein beteiligte sich öffentlichkeitswirksam an dem beeindruckenden Festzug auf der Maximiliansstraße. Es gab nur einen kleinen Wermutstropfen: Die Fahne der Königstreuen, die damals 8000 Mark gekostet hatte, war noch nicht geweiht und musste deshalb zusammengerollt im Umzug mitgetragen werden.

„Wir versuchen, die Monarchie und die mit ihr verbundene Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, erklät Held das Ziel der Königstreuen. Dazu gehöre die Pflege der bayerischen Sprache, typischer Bräuche und die Beschäftigung mit den Wittelsbachern.

Ein besonderer Schwerpunkt des Vereins liegt auf König Ludwig II., dem wohl populärsten, weil umstrittensten und rätselhaftesten aller bayerischen Könige. Durch seine Schlösser und seinen Tod wurde er gar zum Mythos. Held vertritt die These, dass Ludwig nicht im Starnberger See ertrank, sondern von Soldaten im Auftrag des Kabinetts erschossen wurde. „Sein Mantel mit den Einschusslöchern liegt noch heute im Nymphenburger Schloss und wird nicht freigegeben“, sagt Held, der auch eine Theorie zur Geisteskrankheit Ludwigs hat. „Meiner Meinung nach war Wagner daran schuld. Seine Musik hat den König schwermütig gemacht.“

Den Kontakt zum Komponisten Richard Wagner stellte Ludwigs Kinderfrau Sybille Meilhaus her, die eine Zeit lang in der Schaezlerstraße in Augsburg wohnte. Sie war von 1846 bis 1854 die Erzieherin des jungen Prinzen, bis sie August Ludwig, den Freiherrn von Leonrod kennenlernte und heiratete. Sie blieb Ludwig noch lange Zeit verbunden, der ihr auf dem Hermannsfriedhof ein marmornes Grabmal errichtete. Dass ihr Grab heute noch existiert, ist auch ein Verdienst der Königstreuen, die es restaurierten und seit 1986 pflegen.

Außerdem fährt der Verein jedes Jahr am 13. Juli zum Totengedenken an Ludwig auf das Schloss Berg und unternimmt auch sonst viel: Neben den Patriotentreffen in Gammelsdorf besuchen sie – natürlich in Tracht – die Volksfeste der Umgebung oder für das Königshaus relevante Gebäude wie Herrenchiemsee und die Wasserburg.

Doch was ist mit der politischen Ausrichtung? Ist ein Königreich Bayern jenseits romantisierender, patriotisch verklärter Träumerei überhaupt möglich? „Wir sind politisch neutral, also keinesfalls mit einer Partei gleichzusetzen“, betont Held. „Außerdem ist unser wichtigstes Anliegen ein freies, souveränes Bayern, losgelöst von Berlin. Und das ist durchaus möglich. Wir haben bereits einen Volksentscheid angestrengt, für den wir 28 000 Unterschriften brauchen.“

Dass Bayern ein Königreich wird, ist also nur zweitrangig, für Held – aber die natürliche Lösung. Thronfolger wäre dann möglicherweise Ludwigs II. Namensvetter und Ur-Urenkel Prinz Ludwig von Bayern, der seinen Stammsitz auf Schloss Kaltenberg hat. „Gleichzeitig könnte man die Gelegenheit nutzen und die Zahl der Abgeordneten reduzieren. Mir würden auch 100 Politiker im Landtag genügen“, sagt Held.

Die Augsburger Königstreuen treffen sich jeden Dienstag um 18 Uhr im Charly Bräu am Oberhauser Bahnhof. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.charlyheld.com.
06.08.2012 | 12:12 Uhr - von Saskia Kerschbaum


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