Augsburg
Künstler mahnen mit Ausstellung zum Frieden
Ausstellung „Zu viel Panzer, zu wenig Hirn“ präsentiert 50 Jahre künstlerische Friedensideen
Als Teil des Programms rund um das Augsburger Friedensfest am 8. August hat ab sofort die Ausstellung „Zu viel Panzer, zu wenig Hirn: Kunst für den Frieden – Positionen aus 6 Jahrzehnten“ eröffnet. In der Toskanischen Säulenhalle des Zeughauses können Besucher verschiedene grafische Zeugnisse von Friedensbewegungen seit den 1950er Jahren sowie interaktive Installationen erleben.
Die erste Attraktion sticht schon vor dem Betreten des Ausstellungsorts ins Auge: Nach einer Idee der Kuratoren Stefan Hartmann von der Uni Augsburg und Timo Köster, Leiter des Projektbüros für Frieden und Interkultur der Stadt Augsburg, haben die Veranstalter auf das Schwert des Erzengels Michael, der über dem Eingang zum Zeughaus thront, eine Friedenstaube aufgespießt. Im Gegensatz zu dieser blutigen Szene, stehen im Inneren der Ausstellungshalle Friedensbewegungen und deren künstlerische Ausdrucksformen im Mittelpunkt.
In der Säulenhalle fällt der Blick des Besuchers zunächst auf eine Reihe von Zeichnungen und Plakate, die in kühlen Farben Kriegsszenen in all ihrem Schrecken zeigen.
Ein wenig weiter präsentiert die Ausstellung grafische Zeugnisse der deutschen Friedensbewegung der 1980er Jahre. Auf der einen Seite hängen Plakate aus, die, wie Eva-Maria Teebken vom Organisationsteam erklärt, damals das leisteten, „was heute über Facebook abgewickelt wird: Die Verabredung zum Protest“. Auch Buttons und Sticker, mit denen sich Mitglieder der Friedensbewegung schmückten, kann der Besucher hier betrachten.
Auf der anderen Seite fallen vor allem einige Plakate auf, die die Mahnung zum Frieden auf völlig andere Weise angehen: Der Künstler Klaus Staeck schafft unter anderem durch Kombination eines Fotos von Vertretern der Rüstungsindustrie und des satirischen Schriftzugs „Alle reden vom Frieden – Wir nicht“ einen ironischen Blickwinkel auf die Missstände der Kriegsgesellschaft in der BRD.
Ganz hinten im Raum bilden zwei Installationen den Abschluss der Ausstellung. Zunächst bringt Harun Farockis Video-Installation „Ernste Spiele III: Immersion“ dem Besucher die Virtualisierung des Krieges näher. Ende und Hauptattraktion der Ausstellung ist das „Post Global Warming Survival Kit“ des bulgarischen Künstlers Petko Dourmana, eine interaktive Simulation der Welt nach einem Atomkrieg: Die Gäste werden in einen vollständig dunklen Raum gebracht, in dem sie sich nur mit Nachtsichtgeräten, die am Eingang zur Verfügung gestellt werden, bewegen können. Mit dieser Sehhilfe können sie eine nur schemenhaft erkennbare Urlaubskulisse erkunden, umgeben von Basstönen, die die Orientierung weiter erschweren. Eindrucksvoll vermittelt der Künstler so eine Situation von völliger Desorientierung und Entfremdung von der Umwelt, wie sie nach einem Nuklearkrieg bestehen würde.
So fügt sich der letzte Punkt der Ausstellung stimmungsvoll in die Gesamtaussage der Ausstellung mit ein, da der Besucher die Auswirkungen eines Atomkriegs, vor dem die Plakate der Friedensbewegung warnen, selbst erlebt. Das Kennenlernen der verschiedenen Friedensbewegungen, die in der Säulenhalle vertreten sind, ist das Hauptziel der Ausstellung, so Teebken. „Was man von hier mitnimmt, muss aber jeder selbst entscheiden.“
Info: Wer die Ausstellung selbst erleben will, kann dies noch bis zum 31. August von Mittwoch bis Samstag von 13 bis 19 Uhr tun. Der Eintritt ist frei.
08.08.2012 | 08:05 Uhr - von Mareike Simon
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