Kulturrat ist dem Kulturreferenten eine Nasenlänge voraus
Noch vor der Gründung eines Kulturbeirats hat die freie Szene ein eigenes Gremium
„Gewünscht ist keine Intendanz der Popkultur, sondern Mitsprache“, erläutert Bommas, Geschäftsführer der Kulturpark West GmbH. Weiterhin äußerten die knapp 70 Befragten, die Popkultur solle nicht mit der Kreativwirtschaft vermischt werden, und die freigewordenen Gelder sollten direkt in die Szene fließen statt in die Stadtverwaltung.
Eine Antwort, wie die Arbeit des Popkulturbeauftragten ersetzt werden könnte, liefert der Kupa West zusammen mit der Künstlergruppe 38/40 und dem Musikerverein Kuki – mit der Einrichtung einer von ihnen finanzierten „Popkulturarbeiterin“. Eine weitere Antwort auf die Wünsche der Kulturschaffenden ist der Kulturrat.
Er ist zwar kein politisches Gremium wie der von Grab vorgesehene Beirat, doch „er könnte so effektiv werden, dass die Stadt bei großen Entscheidungen nicht an ihm vorbei kommt“, glaubt Bommas. Denn unter den knapp 50 Gründungsmitgliedern sind bekannte Festivalleiter, Veranstalter und Künstler ebenso wie Vertreter städtischer Einrichtungen. „Wir werden uns bemühen, zwei bis drei Vertreter des Kulturrats in den Beirat zu bringen“, erklärt Bommas. Ziel ist es, den nicht institutionalisierten Kultureinrichtungen und der freien Szene Gehör zu verschaffen, sich einzumischen und mitzugestalten.
Der Kulturbeirat hingegen soll die gesamte Kulturlandschaft vertreten – vom Theater über den Berufsverband Bildender Künstler bis hin zu den Hochschulen und Kirchen. Grab schlägt vor, der Beirat solle sich aus mindestens 19 stimmberechtigten Personen zusammensetzen, wobei der Kulturreferent ständiges Mitglied sein soll. Das ist bei anderen Beiräten nicht der Fall – zwar werden die jeweils zuständigen Referenten informiert und erhalten Rederecht, haben aber in der Regel kein Stimmrecht.
Hinzu kommen beratende Mitglieder wie Vertreter der Stadtratsfraktionen, des Kulturamts und Sponsoren. Zwar will Grab schon in der Sitzung am Montag über das neue Gremium abstimmen lassen, doch seine Arbeit aufnehmen soll der Beirat erst zum 1. Januar 2014. Für die konstituierende Amtszeit vom 1. Juli 2012 bis 31. Dezember 2013 will Grab dem Kulturausschuss Vorschläge für die Mitglieder des Beirats unterbreiten. Das letzte Wort soll der Ausschuss haben, der die Mitglieder bestätigt.
Kommentar
Mehr als ein Warnschuss
Von Annette Liebmann
Der Kulturrat ist weit mehr als ein Warnschuss an den Referenten Peter Grab: Die Menschen, die ihn gegründet haben, wollen mehr Mitsprache. Das heißt auch, dass sie sich nicht länger vertreten fühlen (oder noch nie vertreten gefühlt haben) von den Regierungsparteien und vom Referenten selbst. Nun rächen sich das Biennale-Konzept und andere Entscheidungen, die im „Basta“-Verfahren durchgewunken wurden und werden. Da hilft es auch nichts, wenn Grab betont, schon 2009 für die Schaffung eines Kulturbeirats und mehr Bürgerbeteiligung plädiert zu haben: Entstanden ist eine tiefe Kluft in der Kulturszene – und der Kulturrat ist die Antwort auf eine Politik, die an denen, für die sei eigentlich sein sollte, völlig vorbei geht.
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