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Augsburg-Land

Lechfeldschlacht wird lebendig


Im Königsbrunner Rathausfoyer wird das Diorama der Auseinandersetzung von 955 eröffnet

In Königsbrunn soll offenbar das deutsch-ungarische Begegnungszentrum entstehen. Ein Element der gemeinsamen Geschichte ist die Schlacht auf dem Lechfeld mit den drei bedeutenden Tagen, dem 8., 9. und 10. August 955.

  • Lechfeldschlacht wird lebendig Lechfeldschlacht wird lebendig
    Im Rathausfoyer in Königsbrunn ist ab der kommenden Woche ein 26 Quadratmeter großes Diorama der Lechfeldschlacht zu bestaunen. Darauf wird mit rund 7500 Zinnsoldaten ein Tag in dem Kriegsgeschehen nachgebildet.
    Foto: Gabriel Farning
Bild von

Anlässlich der historischen Woche der katholischen Akademie in Bayern werden in einer Exkursion das Deckenfresko in der Kirche St. Ulrich und im Rathaus das neu eingerichtete Diorama besucht.
Kaum ist das Rathausfoyer erweitert, ist hier für rund ein Jahr ein Teilbereich durch das Diorama der Lechfeldschlacht belegt. Auf 6,20 Metern Breite und in 4,20 Metern Tiefe ist ein Tag aus der bekannten Ungarnschlacht auf dem Lechfeld dargestellt, wie Truppen zu Fuß und zu Pferd den Lech durchqueren. Imposant sind die rund 7500 Zinnfiguren mit ihrem Lager in die filigran modellierte Landschaft gestellt.

Seit Anfang des Monats wurde der Einbau im Rathausfoyer vorangetrieben. Gut eine Woche brauchten die Elektriker, um die LED-Scheinwerfer so zu installieren und zu justieren, dass sie die entsprechenden Teile des Dioramas passend ausleuchten können. Acht Scheinwerfer mit ultrahellen LEDs mit einer Leistung von jeweils 18 mal drei Watt und das bei sehr geringer Wärmeentwicklung leuchten das Diorama aus. Mittels Mischpult sind Farbmischungen möglich, die auch elektronisch gesteuert zu Szenenwechseln beitragen können.

Vor 1100 Jahren, im Jahr 912 wurde Otto als Sohn des Sachsenherzogs Heinrich I. geboren. Der wurde kurz darauf König des Ostfrankenreiches. Heinrich wurde von den Franken und Sachsen gewählt und wusste geschickt die ihn ursprünglich ablehnenden Schwaben und Bayern an sich und damit das ostfränkische Königreich zu binden. Ottos Krönung im August 936 wurde von Widukind von Corvey entgegen den Tatsachen als sehr harmonisch beschrieben.

Wie schon die Jahre zuvor waren im August 955 die Magyaren unter Führung ihrer Anführer Bulcsú, der höchster Richter und oberster Kriegsherr der Magyaren war, Fürst Lehel und dem Heerführer Sur ins Frankenreich gezogen, um dort Beute zu machen. Sie nutzten dazu die Schwäche im Reich von König Otto I. aus. Sogar Ottos Sohn Liudolf kämpfte gegen seinen eigenen Vater. Liudolf hatte den Magyaren noch in 954 einen großartigen Empfang in Worms bereitet und sie mit wertvollen Geschenken überhäuft.

Bischof Ulrich hat der Belagerung der kleinen Bischofsstadt Augsburg, mit seinerzeit wohl kaum mehr als 10 000 Bürgern, stand gehalten, bis anrückende Truppen von Otto I. die angreifenden Magyaren auf dem Lechfeld besiegten. Wieder war es Widukind von Corvey, der Otto I. als Herrscher von Gottes Gnaden beschrieb und ihn in der Schlacht zum uneingeschränkten Sieger stilisierte.

Nach dieser Schlacht kam es zu keiner Erhebung mehr gegen Otto I. Otto begründete die Reichskirche, die zu einer Trägerin der Königsherrschaft wurde. Die Magyaren wurden nach dieser historischen Niederlage in ihrem Reichsgebiet sesshaft. Später nahmen sie auch das Christentum als ihre Religion an. 962 wurde Otto I. in Rom von Papst Johannes XII zum Kaiser gekrönt.

Die historische Person Otto I. ist für die katholische Akademie in Bayern Grund für eine wissenschaftliche historische Woche. Neben zahlreichen Vorträgen in München wird die Gesellschaft die Grablege von Bischof Ulrich in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg besichtigen und danach das Deckenfresko von Ferdinand Wagner in der Kirche von St. Ulrich in Königsbrunn besuchen. Im Anschluss werden die Teilnehmer die Gelegenheit nutzen und das Diorama im Rathausfoyer als erste Gruppe besichtigen.

Eingedenk der Tragödie von 955 mit zahllosen Toten auf dem blutgetränkten Lechfeldboden bleibt den Nachfahren der Magyaren und der Franken, dass sie miteinander ins Gespräch kommen wollen und über ihre Geschichte, die eine gemeinsame Geschichte ist, zu reden. So aufgebaute, persönliche Verbindungen sollen schließlich helfen, Trennendes zu überwinden.

20.02.2012 | 07:53 Uhr - von Gabriel Farning/ab

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