Augsburg
Mit 101 fährt sie noch Bus
Die Rentnerin Anna Lang erhält ein lebenslanges Gratisabo der Stadtwerke
Mit 101 Jahren und fast drei Monaten ist Anna Lang aus Lechhausen eine der ältesten Bürgerinnen Augsburgs. Trotz ihres hohen Alters wohnt sie alleine, versorgt sich selbst und ist jede Woche mehrmals mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Deshalb schenkten ihr die Stadtwerke nun ein lebenslanges Gratisabo.
Auf ein Auto umzusteigen kam für sie nie in Frage. Zuerst nur aufgrund der hohen Preise, aber inzwischen freut sie sich auch über die freundlichen Menschen, die sie unterwegs trifft: „Gerade junge Menschen sind sehr nett zu mir“, lobt sie die Augsburger Jugend.
Als Langs Tochter die Stadt auf ihre außergewöhnliche Mutter aufmerksam machte, wusste in der Stadtverwaltung erst einmal keiner, was zu tun war. Doch nachdem sie das Büro des Oberbürgermeisters kontaktierte, ging alles sehr schnell: OB Gribl und Stadtwerke-Chef Norbert Walther überreichten Lang gestern einen Gratisfahrschein, mit dem die Rentnerin bis an ihr Lebensende durch die Stadt kurven kann.
Es ist schon 91 Jahre her, dass Anna Lang zum ersten Mal die öffentlichen Verkehrsmittel in Augsburg benutzte. Zu dieser Zeit war Tramfahren noch Luxus: Die fünf Pfennige, die eine Fahrt in die Stadt kostete, brachten Eltern für Kinder selten auf. „Man musste sehr viel laufen“, erinnert sich die Rentnerin.
Laufen muss sie jetzt nur noch um die Baustellen in der Innenstadt. Das stört sie aber nicht wirklich. Seit ihrer Jugend hat sie sowieso viele Veränderungen des Verkehrsnetzes in Augsburg miterlebt: An den „Pilz“, der 1914 am Königsplatz errichtet wurde, erinnert sie sich noch gut. Schlecht findet sie den Kö-Umbau aber nicht. Nur gemütlicher war es früher, so sagt sie. „Jetzt ist alles so hektisch, trotz der Schönheit“.
Wohin sie die neugewonnene Mobilität bringen soll, weiß sie noch nicht genau. Nur, dass sie endlich einmal mit der Tramlinie 6 fahren will, das steht für sie fest. Denn mit der war Lang noch nie unterwegs. Gerne würde sie auch den Abschluss der Bauarbeiten für die Mobilitätsdrehscheibe noch miterleben – dann wäre die Seniorin sagenhafte 108 Jahre alt.
02.08.2012 | 08:01 Uhr - von Mareike Simon
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