Starke Partner für die Kultur
OB Kurt Gribl erklärt sich zu Kulturrat, Biennale-Konzept und Sponsoring
Als Kulturreferent Peter Grab (Pro Augsburg) zum ersten Mal mit seinem Biennale-Konzept die Mitglieder des Kulturausschusses überraschte, war die Skepsis selbst beim Koalitionspartner CSU groß. Nun hat die Stadtratsmehrheit doch dafür gestimmt.
Es sei kein reines Sparkonzept, das beschlossen wurde, betont OB Gribl. „Das ist es zwar auch. Wir haben beschränkte Mittel und die müssen so verteilt werden, dass man damit vernünftig arbeiten kann.“ Per Gießkannenprinzip ließen sich viele Veranstaltungen und Einrichtungen bedienen, allerdings mit der Folge, dass „diese in der Wertigkeit zurücktreten“.
Die Konzeption müsse aber vor allem dazu dienen, das kulturelle Profil zu schärfen. „Die Stadt muss erkennbar werden lassen, wofür sie steht“, fordert Gribl.
Nun steht der Profilschärfe die Vielzahl der unterschiedlichen Veranstaltungen entgegen. Festivals und Veranstaltungsreihen gehen in einander über. Schlimmer noch: Gribl ist überzeugt, „dass sich Veranstaltungsformate wechselseitig kannibalisieren“. Der Beschluss soll nun die Veranstaltungsvielfalt in Richtung Profilschärfe trimmen. Frieden, Brecht und Mozart – diese Säulen sollen in der Kulturpolitik klar herausgearbeitet und zu „Leuchttürmen“ werden. Andere Veranstaltungen müssen kürzer treten, was die städtische Unterstützung anbetrifft – oder eben in einen Biennale-Rhythmus wechseln. Gribl empfindet diese Lösung als die bessere gegenüber einer reinen, formalen Kürzung.
Der OB räumt auch mit dem Gerücht auf, dass die Zustimmung der CSU zu dem neuen Festival-Konzept mit der Drohung, die Koalition platzen zu lassen, erpresst worden sei. „Die Zustimmung ist erfolgt, weil es gelungen ist, das reine Einsparkonzept auch mit einer inhaltlichen Konzeption zu hinterlegen.“
Deshalb sieht er die Gründung des Kulturrats nicht als Antwort auf den Beschluss des neuen Konzepts. „Ich halte die Gründung nicht für problematisch oder gar mit einer Anti-Tendenz versehen gegenüber der Arbeit, die in der Stadt geleistet wird“, erklärt OB Gribl. Der Kulturrat sei nach seiner Auffassung mehr ein Sprachrohr, das sich Kulturschaffende gegeben haben, um Lobbyarbeit zu machen. In der zusätzlichen Gründung eines Kulturbeirats sieht Gribl keinen Widerspruch. Er hält ein sinnvolles Miteinander statt eines Nebeneinanders für möglich.
Die Sorge, dass kleinere Veranstaltungen, die nicht in die Profilschwerpunkte fallen, teilt Gribl nicht. Im Gegenteil habe er überhaupt nichts dagegen, wenn die unterschiedlichen Kulturformate und -sparten in einen Wettstreit treten. Letztlich auch um Sponsorengelder.
Trotzdem: „Kultur wird keine reine Sponsoringveranstaltung“, versichert Gribl. Kultur bleibe in der kommunalen Verantwortung verankert – und im kommunalen Haushalt. Allerdings müsse erreicht werden, dass die Teilnahme und die Unterstützung der Wirtschaft für die Kultur besser institutionalisiert werde. Voraussetzung seien starke Unternehmen, die sich um die eigene Profilbildung kümmern und „nicht vom Kindergarten bis zum Sportverein alles ein bisschen unterstützen“.
Bestes Beispiel dafür, wie es gemacht wird, ist laut Gribl das Unternehmen MAN Turbo Diesel, das sich zum festen Sponsoring-Partner der Augsburger Philharmoniker erklärt hat. Solche Kooperationen wünscht sich Gribl häufiger für Augsburg. Für die Kulturschaffenden ergebe sich daraus Planungssicherheit, das Unternehmen wiederum könne als Sponsor den Sympathieträger Kultur für Marketingzwecke einsetzen. „Das ist legitim“, sagt Gribl. In Augsburg sei das ausbaufähig, „da sehe ich noch Entwicklungsmöglichkeiten“. Unternehmen gibt es ja einige.
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