Augsburg
"Tür an Tür" mit Flüchtlingen: Verein besteht seit 20 Jahren
Seit 20 Jahren fördert der Verein „Tür an Tür“ die Flüchtlingsintegration mit unterschiedlichen Ergebnissen
1992: Die Zahl der Flüchtlinge und Zuwanderer erreicht ein nie dagewesenes Maximum. Mehr als 430 000 Migranten suchen Asyl in Deutschland. Die Umstände, unter denen diese Menschen in Deutschland leben, sind oft katastrophal. Um diesen Bedingungen entgegenzuwirken, gründet sich in Augsburg der Verein „Tür an Tür“. Am Wochenende feierte er sein 20-jähriges Bestehen.
Anfang der 90er Jahre strömten in Folge der Jugoslawienkriege mehr und mehr Flüchtlinge nach Deutschland. Aus dem eigenen Land vertrieben, suchten sie Schutz im sicheren Deutschland. Wenig bis gar keine Sprachkenntnisse und das Gefühl der Heimatlosigkeit gestalteten eine Integration schwierig. Der wachsende „Import von Armut“ hatte einen drastischen Anstieg der Kriminalitätsrate und der Staatskosten für Unterkünfte zur Folge. Die Gesellschaft reagierte zunehmend empfindlicher auf Asylsuchende. München erwägte gar ein Ausländerverbot auf dem Oktoberfest.
Um dieser Problematik entgegenzuwirken gründete sich 1992 in Augsburg der Verein „Tür an Tür“. Dessen Mitglieder beabsichtigten in dieser prekären gesellschaftlichen Situation, positive Impulse für Flüchtlinge zu setzen. Ziel war und ist eine Veränderung des gesellschaftlichen Klimas und der gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Durch den ebenfalls 1992 verabschiedeten „Asylkompromiss“, der das individuelle Grundrecht auf Asyl erheblich einschränkte, relativierte sich der Zustrom aus dem Ausland.
Flüchtlinge gibt es jedoch nach wie vor. Heute kommen sie aus Krisengebieten wie dem Irak oder Afghanistan, sprechen weiterhin wenig bis gar kein Deutsch, leben unter katastrophalen Bedingungen und haben schlechte Chancen auf Arbeit.
Im Kampf um Anerkennung und Integration gibt „Tür an Tür“ hilfreiche Unterstützung. Mit konkreten Projekten, kostenlosen Deutschkursen und Beratungen zur Anerkennung von im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen fördert der Verein seit 20 Jahren Integration und gegenseitiges Verständnis.
An der Ausgestaltung des Anerkennungsgesetzes durch die Bundesregierung hat „Tür an Tür“ maßgeblich mitgewirkt, um die mitgebrachten Qualifikationen von Flüchtlingen aber auch von bereits in Deutschland lebenden Migranten zu nutzen und für den Arbeitsmarkt anzuerkennen.
Seit 2008 gibt es das Integrationsprojekt „Beratung und Arbeitsmarktvermittlung für Flüchtlinge (BAFV)“. In Zusammenarbeit mit anderen Trägern der Integrationsarbeit liegt der Fokus auf der Feststellung und Förderung von Kompetenz und Sprache mit dem Ziel, Personen der Zielgruppe in Arbeit zu vermitteln und in Arbeit zu halten.
Die Resonanz auf die Angebote bezeichnet Vorstandsmitglied Matthias Schopf-Emrich allgemein als sehr positiv. 400 Anmeldungen gebe es jedes Jahr allein für die Sprachkurse. jeder beruflich integrierte Flüchtling ist ein Erfolg für die Mitarbeiter von „Tür an Tür“. Stolz erzählt Schopf-Emrich von einer alleinerziehenden Mutter aus einem der Flüchtlingsheime, deren Tochter dieses Jahr ihr Abitur gemacht hat. „Viele lernen sich anzupassen, einige jedoch fühlen sich nie heimisch und werden auffällig. Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf die Rahmenbedingungen des Flüchtlingsdaseins. Der engagierten Abiturientin stehen zwei Suizidversuche aus der vergangenen Woche gegenüber“, betont Schopf-Emrich.
Doch trotz mancher Misserfolge möchte „Tür an Tür“ auch in Zukunft in den Bereichen berufliche Anerkennung und soziale Integration von Flüchtlingen Impulse setzen. Zudem ist es dem Verein ein großes Anliegen, die Unterkunftssituation zu verbessern, damit sich auch der letzte Flüchtling heimisch fühlt.
24.06.2012 | 13:31 Uhr - von Dominik Wellenhofer
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