Viele Pannen, wenige Unfälle
Beim ADAC herrscht Ausnahmezustand, aber Unfälle verzeichnen Polizei und Rettungsdienste nur wenige.
Schon am Wochenende befreiten die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren die Singold vom Eis. Am Montag reichten normale Bagger nicht mehr aus: Mit Hilfe von Tauchern sprengte das THW an 20 Stellen gleichzeitig das aufgestaute Eis. Bei einer zweiten Sprengung wurden Äste beseitigt. Erst dann konnte das Wasser weiterfließen bis zur Wertach.
Probleme gab es auch bei einem Wehr in der Innenstadt: An einem kleinen Kraftwerk in der Pfladergasse hatte das Eis die Kanalwände so verengt, dass große Eisschollen den Kanal versperrt hätten. Mit speziellen Eisstangen schlugen die Helfer das festgefrorene Eis von den Betonwänden ab.
Es ist eine Besonderheit von Augsburg, dass die kleinen Kanäle die gesamte Stadt durchziehen. Wegen der Kälte müssen sie nun vom Tiefbauamt ständig kontrolliert werden, ebenso wie Bäche und Flüsse. „Je langsamer das Wasser läuft, desto größer ist die Gefahr, dass es zufriert“, weiß Friedhelm Bechtel, Sprecher der Berufsfeuerwehr.
Für Polizei und Rettungsdienste gibt es trotz Kälte nicht mehr Arbeit als sonst: Polizeisprecher Siegfried Hartmann berichtet von einigen Glatteisunfällen, Günter Gsottberger von der Arbeitsgemeinschaft Augsburger Hilfsorganisationen von einigen Unfällen mit Glatteis, „aber das ist noch nicht gravierend“.
Ausnahmezustand hingegen herrscht beim ADAC. Im Notrufcenter in Landsberg, wo deutschlandweit die Einsätze koordiniert werden, steht das Telefon nicht mehr still. „Wir haben im Durchschnitt 9000 Anrufe pro Viertelstunde“, erzählt Sprecherin Maxi Hartung. Statt der üblichen 1100 bedienen nun 1500 Mitarbeiter die Pannenhotline, wo täglich bis zu 27 133 Menschen Hilfe suchen, weil ihr Auto nicht anspringt, die Batterie zu schwach oder der Diesel gefroren ist. Zu Augsburg hat Hartung keine Zahlen, doch in Süddeutschland musste der ADAC vergangenen Freitag rund 6200 Mal ausrücken. „Ein Toptag“, sagt sie, „das sind 173 Prozent mehr als normal“.
Im Zoo müssen Löwe, Tiger und Mandrill drinnen bleiben – nicht etwa, weil ihnen zu kalt wäre, sondern weil die Wassergräben, die die Gehege voneinander trennen, zugefroren sind. Gute Nachrichten gibt es von der Stadtverwaltung: Im Verwaltungsgebäude II läuft seit Montagabend die Heizung wieder. Probleme gibt es an ganz anderer Stelle: Auf den Augsburger Friedhöfen müssen die Gräber nun mit dem Bohrhammer gegraben werden, erst nach einer etwa 25 Zentimeter dicken gefrorenen Schicht kann der Bagger ran. „Das dauert wesentlich länger“, sagt Helmut Riedl, Abteilungsleiter für das Friedhofswesen.
Und schließlich muss die Stadt auch für jene sorgen, die kein Dach über dem Kopf haben und deshalb der Kälte besonders ausgesetzt sind: die Obdachlosen. In den Unterkünften wurden die Aufnahmemöglichkeiten erweitert, eine hat sogar rund um die Uhr geöffnet. Ordnungsreferent Volker Ullrich appelliert an die Bürger, Obdachlose auf Übernachtungsmöglichkeiten hinzuweisen und sofort zu melden. In den vergangenen Tagen haben viele Menschen warme Kleidung, Decken und Schlafsäcke gespendet.
Doch auch wenn der Stadt kein Wohnungsloser bekannt ist, der bei minus 20 Grad auf der Straße schläft, so weiß Knut Bliesener vom Katholischen Verband für soziale Dienste (SKM) noch von „einer Handvoll“ Menschen, wie er schätzt, die in selbstgebauten Lagern durch den Winter kommen wollen. Die Mitarbeiter des SKM würden sie öfter besuchen. Mit ihnen zu reden sei zwecklos. „Die kennen die Risiken und wollen das so.“










