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Augsburg

Wenn Gott obdachlos wird


Thema beim „Aschermittwoch der Künstler“: Die „Umnutzung sakraler Räume als Chance“

Chronischer Priestermangel und eine sinkende Anzahl von Gläubigen: Die katholische Kirche steht vor einschneidenden Veränderungen.

  • Wenn Gott obdachlos wird Wenn Gott obdachlos wird
    Nach der Säkularisation diente die Dominikanerkirche einige Jahre als Salpeterlager. Heute ist in dem prachtvollen Gebäude das Römische Museum untergebracht.
    Foto: Annette Liebmann
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Wohin diese führen können, skizzierte beim gestrigen „Aschermittwoch der Künstler“ der Kölner Architekt Paul Böhm. Er sprach über die „Umnutzung sakraler Räume als Chance“.

Was den deutschen Diözesen bevorstehen könnte, ist in England und den Niederlanden gang und gäbe – ein Thema, das die Deutsche Bischofskonferenz schon im Jahr 2003 beschäftigte. Einst prachtvolle Kirchen dienen heute als Restaurant, Café, Bibliothek, als Designstudio, Hotel und Bank. Nicht alle Gotteshäuser finden eine angemessene neue Verwendung: So endeten einige als Rumpelkammer, Schlachthof, Discothek und Factory Outlet – der größte Umbruch in der Kirche seit der Säkularisation hat in Deutschland gerade erst begonnen.

Böhm kennt sich aus mit der Umnutzung von Sakralbauten. In Nordrhein-Westfalen musste die katholische Kirche in den vergangenen Jahren einige Immobilien aufgeben. Schon 2005 sah sich das Ruhrbistum gezwungen, über den Erhalt von 120 Gotteshäusern nachzudenken. Es ist ein Thema, das nicht nur die Katholiken betrifft: Die evangelische Kirche hat ähnliche Probleme.

In Berlin baute Böhm eine Kirche zum Sterbehospiz um, unter seiner Anleitung wird St. Maximilian in Trier heute als Kirche, Konzertsaal und Sporthalle genutzt. Wichtig ist ihm, dass das Gebäude seinen Geist behält, dass die erhabene Architektur nicht zerstört wird. Und wichtig ist ihm vor allem eines: „Diese Räume zum funktionalen Mittelpunkt unserer Gemeinde zu machen und andere gesellschaftliche Gruppen zu integrieren.“

Denn eine Kirche ist nicht irgendein Gebäude. Nach wie vor bildet es den Mittelpunkt eines Dorfes oder eines Stadtteils. Durch die zentrale Lage identifizieren sich die Menschen mit dem Haus – und müssen deshalb in dessen Umwidmung miteinbezogen werden, betont Böhm. Deshalb sei die Nutzung sakraler Räume eine Chance: „Die Chance, wenn wir ihr einen öffentlichen Aspekt geben.“

Auch in Augsburg steht eine Kirche, die in ihrer ehemaligen Funktion fast schon in Vergessenheit geraten ist. Die Dominikanerkirche, die zum Kloster St. Magdalena gehörte, wurde nach der Säkularisation 1806 einige Jahre als Salpeterlager benutzt. Heute ist in ihr das Römische Museum untergebracht – eine ehrwürdige Nutzung für den spätgotischen Bau.

Aber es geht auch andersherum: Am Ende seines etwas verworrenen Vortrags erzählt Böhm von einer Kapelle in Italien, die auf Initiative eines deutschen Architekten mit Hilfe von Jugendlichen von einem Stall wieder zum Gotteshaus wurde. „Dieses Bild hat mir zu denken gegeben“, sagte Bischof Konrad Zdarsa. Entscheidend sei für ihn, „dass die Jugendlichen erkannt haben, diesen Raum wieder als das zu nutzen, wofür er gedacht war“.

Der Augsburger Bischof betonte, dass es sehr wohl einen Unterschied gebe zwischen der Situation in Nordrhein-Westfalen und der Kirche in Bayerisch-Schwaben. Dennoch sind es für ihn nicht die Gebäude, die erhalten werden müssen, sondern der Glaube, „die Herzen neu aufzubauen, auf eine neue Art Gott zu loben für das Geschenk des Glaubens“.

22.02.2012 | 16:45 Uhr - von Annette Liebmann

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