Auch die Schiris klagen über immer weniger Respekt

Werner Schafnitzel (links) wurde zum neuen Ehrenmitglied ernannt, Benjamin Senger zum Schiedsrichter des Jahres 2017.
 
Festgäste und Jubilare des Ehrungstages 2018 in der Neusässer Stadthalle: (von links) der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter und jetzige Repräsentant des FC Ingolstadt, Werner Roß, Kreisvorsitzende Carola Haertel, Herbert Bentele, Helmut Bestle, Adalbert Rauer, Hermann Scheufele (alle 50-jährige Mitgliedschaft), Laudator Martin Meyer und Obmann Thomas Färber.
Neusäß: Stadthalle | Ein neuer „Schiedsrichter des Jahres“ (siehe eigener Bericht), drei neue Ehrenmitglieder und fünf Unparteiische, die jeweils seit 50 Jahren aktiv sind: Der traditionelle Ehrungstag der Fußball-Schiedsrichter-Vereinigung Augsburg war an Höhepunkten reich gespickt. Dazu zählte auch die Rede des ehemaligen jüngsten Bundesliga-Schiedsrichters Werner Roß aus Ingolstadt. Der heutige Repräsentant des Zweitligisten FC Ingolstadt verteilte viel Lob an seine Augsburger Kollegen. „Ich habe noch keine Gruppe mit so einem Niveau erlebt“, sagte der 73-Jährige beim Ehrungstag in der Stadthalle Neusäß.

Roß hatte aber auch Nachdenkliches im Gepäck. Viele Menschen in der heutigen Ich-Gesellschaft hätten verlernt, miteinander zu sprechen. So würden Missverständnisse entstehen, Respekt gehe verloren. Zur Situation innerhalb der Augsburger Gruppe sagte der Sportfunktionär, dass es zwar vergleichsweise wenig Spitzen-Schiedsrichter gibt, die „Schiri-Familie“ aber intakt sei. „Die Pyramide ist oben sehr hoch und schmal“, stellte Roß fest. Da sei es schwer für einzelne Gruppen und Bezirke, ihre Leute bis in den Profibereich nach oben zu bringen. Der höchstqualifizierte Unparteiische im Raum Augsburg ist Luka Beretic (TSV Friedberg), der in der Regionalliga pfeift. In vielen Bereichen der Ausbildung von jungen Talenten und im Lehrwesen arbeite das Team um Obmann Thomas Färber vorbildhaft, betonte der Festredner.

Färber verwies auf die immense Aufgabe, das ganze Jahr über Unparteiische zu den Spielen zu schicken. „Wir haben etwa 7600 persönliche, namentliche Ansetzungen in diesem Zeitraum. Wir müssen deutlich machen, dass Schiedsrichter nicht auf den Bäumen wachsen“, sagte der Vorsitzende. Es liege an den Vereinen selbst zu entscheiden, ob und wie viele ihrer Spiele durch geprüfte Referees geleitet werden. Dazu müssten sie geeignete Kandidaten zum Neulingskurs entsenden. Die nächste Gelegenheit besteht am 5. März, wenn beim FC Hochzoll ein Infoabend dazu stattfindet. Färber setzt auf den Dialog mit den Vereinen.

Nicht nur Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste stellen einen stetig abnehmenden Respekt in der Gesellschaft fest, auch die Schiedsrichter tun es. „Manche haben jegliches Maß und Ziel verloren. Wir müssen gemeinsam diesen Auswüchsen entgegentreten und klar machen, dass solche Leute in unserer Fußballfamilie unerwünscht sind“, so Färber. Gemeinsam sei man stark. Er wünsche sich, „dass wir uns 2018 des gegenseitigen Respekts wieder bewusst werden. Ihr seid die wichtigsten Botschafter auf diesem Weg“, sprach der Obmann die Geehrten direkt an.

Zu neuen Ehrenmitgliedern wurden Werner Schafnitzel (TSV Ellgau), Wolfgang Surrer (FC Hochzoll) und Alexander Yehouessi (DJK Hochzoll) ernannt.

Diese und die weiteren Ehrungen nahmen Festredner Werner Roß, die Kreisvorsitzende Carola Haertel, das Mitglied des Bezirks-Schiedsrichter-Ausschusses (BSA) Schwaben, Paul Birkmeir, sowie Obmann Thomas Färber mit seinem Stellvertreter Christian Heinisch vor. Die Laudationes auf die Jubilare mit 30-jähriger Zugehörigkeit hielt Landeslehrwart Manfred Kranzfelder, die für 40 Jahre Ehrenobmann Martin Meyer.

Unter den Festgästen waren auch Kreisehrenamtsbeauftragter Till Hofmann, der neue GSO von Ostschwaben, Anton Großhauser, Harald Förg (Gruppe Neuburg) sowie Christian Erdle (Gruppe Ammersee). Neben dem Träger der Karl-Riegg-Medaille Nr. 2, Artur Alt, waren auch alle Ehrenobleute der Gruppe mit ihren Frauen gekommen: Hermann Güller mit Marianne, Wilfried Ostrowski mit Sandra und Martin Meyer und Uschi. Besonders begrüßt wurden „die vielleicht wichtigsten Personen“ (Färber): die Ehe- und Lebenspartner der Schiedsrichter. „Sie sind die Rosen unserer Gesellschaft“, sagte Werner Roß unter dem Applaus der Festgäste.
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