Das Beispiel "Neusäß 24"

Diese Flüchtlinge sind zwischen 16 und 21 Jahre alt und besuchen derzeit die Beruflichen Schulen in Neusäß. Die jungen Flüchtlinge sind wissbegierig und hochmotiviert. Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek


Alle Asylbewerber und Flüchtlinge, die die altersgemäße Voraussetzung erfüllen und eine Aufenthaltserlaubnis haben, sind in Bayern schulpflichtig - so sagt es Artikel 35 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes. Die meisten Flüchtlinge, etwa zwei Drittel, besuchen Berufsschulen, ein

Im Beruflichen Schulzentrum Neusäß sollen im kommenden Schuljahr Flüchtlinge in 24 Klassen unterrichtet werden. "Neusäß 24" ist im Kultusministerium schon ein Schlagwort", erklärt der Schulleiter der Beruflichen Schulen, Jürgen Wunderlich. Das Berufliche Schulzentrum gilt in Bayern als Beispielschule für die Unterrichtung von Flüchtlingen. Dabei stellt die Integration Schulleiter und Lehrer bezüglich Sprachförderung, Einführung in Kultur- und Lebenswelt sowie der Einführung in das Berufs- und Arbeitsleben vor große Herausforderungen.

"Die Flüchtlinge selbst bereiten wenig Ärger und sind sehr freundlich und wissbegierig", erklärt der Schulleiter. Dennoch bezeichnet er die derzeitige Situation an der Schule als die größte schulische Herausforderung, die er in seiner Zeit als Schulleiter bisher zu stemmen hatte.

Als Schulleiter habe er zunächst dafür zu sorgen, so erklärt er, dass sachliche und personelle Ressourcen ausreichend zur Verfügung stehen. Er sieht nicht, dass es leichter werde. "Wir sollen alle Berufsschulpflichtigen beschulen, dies geht aber nur, wenn sie gemeldet sind, doch dies läuft noch nicht so richtig rund und ist auch hinsichtlich des Datenschutzes schwierig", erklärt er die Probleme um die Datenpflege der 16- bis 21-jährigen Schüler.

Insbesondere der Ortswechsel der Unterbringung der unbegleiteten Flüchtlinge führe zu einer großen Fluktuation im gesamten schulischen System, da die 18-jährigen aus der Unterkunft für unbegleitete Flüchtlinge in eine Gemeinschaftsunterkunft verlegt werden.

Weniger Probleme dagegen gibt es bei der Einstellung von Lehrern. "Bewerbungen gibt es genügend, allerdings verfügen sie meist über keine berufliche Ausbildung. Daraus könnte folgen, dass der fachliche Unterricht nicht mehr in vollem Umfang abgedeckt werden kann", fürchtet Wunderlich. Derzeit wirken am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Neusäß 150 hauptamtliche Lehrkräfte für den regulären Unterricht, zusätzlich zehn Lehrkräfte, sieben Sozialpädagogen verschiedener Bildungsträger zusammen, um die berufsschulpflichtigen Flüchtlinge auszubilden. Ferner konnten Lehrkräfte gewonnen werden, die eine Lehrbefähigung für Deutsch als Zweitsprache besitzen und insgesamt 14 Lehrkräfte aus den eigenen Reihen, um die restlichen Unterrichtsstunden abzudecken. (Jutta Kaiser-Wiatrek )
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