Einheimische gehen günstiger baden: Rechtsstreit um Vergünstigungen betrifft auch Neusässer Titania

Neusässer Bürger dürfen auch weiterhin zu verbilligten Eintrittspreisen baden gehen. Foto:
Ist es rechtens, Einheimische hinsichtlich des Eintrittspreises in eine Therme besser zu stellen als auswärtige Badegäste? Ausgelöst wurde diese Diskussion vor einigen Jahren durch einen Österreicher, der nicht einsehen wollte, dass er bei seinem Besuch in der Watzmann-Therme in Berchtesgaden 2,50 Euro mehr Eintritt zahlen musste als ortsansässige Bürger. Daraufhin zog der auswärtige Badegast mit seinem Anliegen direkt bis vors Bundesverfassungsgericht - und bekam Recht.

Nach jahrelanger Urteilsfindung entschieden die obersten Richter im sogenannten "Watzmann-Urteil", dass eine solche Preisgestaltung gegen den Gleichheitssatz des Grundgesetzes verstoße. Kommunen könnten zwar ihre Einwohner bevorzugen, dies aber nur dann, wenn sie dafür gute Gründe vorbringen könnten. Diese Vorgänge haben auch Auswirkungen auf Neusäß: Vermehrt kam es zuletzt zu Nachfragen in der Titania-Therme und bei Bürgermeister Richard Greiner - denn jeder, der seinen ersten Wohnsitz in Neusäß hat, darf mit der Wohlfühlkarte, die jährlich für sieben Euro verlängert werden kann, einen Rabatt von 50 Prozent auf alle Standardtarife in Anspruch nehmen. Ausgenommen ist der Familientarif.

Die Stadt hat, um auf Nummer sicher zu gehen, einen Rechtsanwalt beauftragt. Dieser sollte klären, inwieweit das Urteil auf Neusäß übertragbar sei. Jetzt ist klar: Der besondere Rabatt für Einheimische kann weiterhin gelten. Nach Aussage des zu Rate gezogenen Juristen ist das "Watzmann-Urteil" nicht auf das Titania-Bad anwendbar. "Die Bäder sind nicht zu vergleichen", erklärte Bürgermeister Greiner.

Bei der Watzmann-Therme handle es sich in ihrer Funktion um eine Touristeneinrichtung im Grenzgebiet. Dafür gelten andere Maßgaben. Die Titania-Therme wurde dagegen aus völlig anderen Gründen gebaut. Das Erlebnis- und Freizeitbad sollte vor allen Dingen das alte und marode Schwimmbad der Eichenwaldschule ersetzen und eine leistungsfähige und wettkampftaugliche Schwimmhalle bieten. Wenn also schon eine neue Schwimmhalle geplant war, warum nicht mit Erlebnisbereich und Saunalandschaft?

Zudem sollte das Bad für die Stadt Neusäß und ihre acht Ortsteile eine soziale Funktion erfüllen und zum gesellschaftlichen Mittelpunkt werden. "Gedacht war die Halle als Hotspot, um sich zu treffen und die Zahlen belegen, dass dies auch so angenommen wird. Über 40 Prozent derer, die eine Vergünstigung haben, sind Neusässer", sagt Greiner. Dies zeige die Bedeutung der Einrichtung für Neusäß. Zudem sei die Titania-Therme ausschließlich aus Steuermitteln bezahlt worden. Es gab keinerlei Fördermittel für den Bau.

Und auch Nicht-Neusässer erhalten mit der sogenannten "Silberkarte" Vergünstigungen, die mit der Wohlfühlkarte vergleichbar seien. Ende August hatten 2732 Neusässer eine Wohlfühlkarte, 3868 auswärtige Badegäste besitzen eine Klubkarte. (Jutta Kaiser-Wiatrek)
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