Braucht Neusäß eine Straßenbahn?

Sinnvoll für Bürger der Stadt Neusäß könnte möglicherweise die Verlängerung der geplanten neuen Straßenbahnlinie 5 bis zum Bezirkskrankenhaus sein. Momentan wenden die Straßenbahnen der Linie 2 am Park & Ride-Platz Stadtbergen. Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek


Die ursprüngliche Planung war, mit der neuen Linie 5 auf dem schnellsten Weg vom Augsburger Hauptbahnhof zum Zentralklinikum zu gelangen. Könnte diese Straßenbahnlinie aber nicht auch für Neusässer Bürger interessant werden?

Noch ist die Wendeschleife um den ehemaligen Hubschrauberplatz im Gespräch. Inzwischen sieht man aber auch die Möglichkeit, den im Zuge der Mobilitätsdrehscheibe neu geplanten Trassenverlauf durch die Ackermannstraße bis zum Park&Ride-Platz West und von dort zu einer Wendeschleife am Bezirkskrankenhaus zu führen. Damit könnte die neue Linie 5 auch für die Bewohner der Neusässer Wohngebiete nördlich der Westheimer Straße, für die Stadtteile Steppach und Westheim eine Alternative sein, um schnell nach Augsburg rein zu kommen. Auch für das Gewerbegebiet Pichlerstraße, sowie Nutzern der AVV Buslinie 503/510 könnte dort durch eine Anbindung an eine Tram-Haltestelle eine attraktive Möglichkeit geschaffen werden. Zusätzliches Fahrgastpotential könnte sich in naher Zukunft auch durch neue Wohngebiete, die in unmittelbarer Nähe derzeit in Neusäß entstehen, ergeben.

"Die Linie 5, so sie kommt, wäre eine interessante Verbesserung des Nahverkehrsangebots für Neusäß, besonders auch für Steppach und Westheim", erklärte Bürgermeister Richard Greiner. Er sieht aber verkehrstechnische Probleme für die neue Trasse an der Kreuzung Bürgermeister-Ackermann-Straße/B 17. An der Kreuzung Bürgermeister-Ackermann-Straße/Hagenmähder Straße gibt es bereits jetzt schon zu Stoßzeiten Stauprobleme. Die Folge davon könnte, vor allem während des Berufsverkehrs, ein vermehrter Schleichverkehr durch die Nachbargemeinden sein.

Fraglich ist auch, ob für die verlängerte Linie 5 ein Durchkommen zwischen dem Klinikum, dem Parkgelände, dem Anbau West sowie Sportanlage und Bezirkskrankenhaus Richtung Westheimer Straße möglich ist.

Neu ist der Vorschlag die Straßenbahnlinie 2 bis zum Titania-Bad nach Neusäß zu verlängern. Neben einer wohl erheblichen Kostenbeteiligung der Stadt Neusäß, sieht Greiner auch hier Nachteile der Streckenführung. Zum einen müsste die Straßenbahn in der Hauptstraße im Verkehr "mitschwimmen", da ein eigenes Gleisbett nicht zu verwirklichen sei, womit die Fahrtzeit auch nicht verkürzt würde. Zum anderen seien durch die beim Titania geplante Wendeschleife weitere hohe Kosten zu erwarten. Ein großes Manko wäre zudem, dass die gut funktionierenden Busverkehre an diesem Endpunkt gebrochen werden müssten. "Wir haben momentan eine super Busverbindung der Linie 500/501 von Aystetten aus, die auch noch den Ortsteil Ottmarshausen mit 2000 Einwohnern bestens an Neusäß und Augsburg anbindet. Würde die Brechung am Titania umgesetzt, würde diese direkte Verbindung nach Neusäß-Mitte beispielsweise für Senioren zum Besuch eines Arztes oder für Schüler, die zum Unterricht ins Schulzentrum wollen, wegfallen. Zudem sieht es Greiner durchaus fragwürdig, wenn Neusässer Jugendliche, für deren Sicherheit mittels Nachtbussen von der Stadt viel getan wird, dann plötzlich nach einer Fahrt mit der Straßenbahn mitten in der Nacht hinter dem Titania im Niemandsland landen würden.

Skeptisch zeigte sich der Neusässer Bürgermeister auch hinsichtlich einer zu erwartenden Fahrtzeit von bis zu 40 Minuten, um nach Augsburg zu gelangen. "Das kann man keinem Bürger erklären, wenn er nicht auf Sightseeing-Tour ist, sondern als Berufspendler". Insbesondere da Augsburg von den beiden Bahnhöfen Westheim beziehungsweise Neusäß in wenigen Minuten zu erreichen ist, zweifelt er daran, ob eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 2 Sinn mache. "Die Bahnlinie ist unsere Straßenbahn", so Greiner.

Hinsichtlich einer finanziellen Beteiligung an einer Machbarkeitsstudie erklärte der Bürgermeister, dass diese nur dann Sinn habe, wenn eine Variante untersucht würde, die auch tatsächlich erkennbare Verbesserungen für die Bürger in Neusäß böte. (Jutta Kaiser-Wiatrek )
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