Wer darf vergünstigt ins Neusässer Bad?

Beliebt für Sport und Freizeit ist das Freizeit- und Erlebnisbad Titania in Neusäß nicht nur bei den Einheimischen. Die Neusässer allerdings haben den Vorteil mittels einer Wohlfühlkarte für Eintritt in Bad und Sauna nur die Hälfte bezahlen zu müssen. Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek


Ein Urlauber aus Österreich hatte sich in der Berchtesgadener Therme benachteiligt gefühlt, weil die Bewohner des Ortes einen verbilligten Eintritt erhalten und er nicht. Er zog bis vors Bundesverfassungsgericht. Dieses entschied zu seinen Gunsten, weil diese Preisgestaltung gegen den Gleichheitssatz des Grundgesetzes verstieße.

Auch das Erlebnis- und Freizeitbad Titania in Neusäß bietet Vorzugstarife für die Bürger der Stadt an. Noch habe sich seines Wissens kein Gast deswegen beschwert, hinsichtlich des Urteils gäbe es wohl inzwischen aber hin und wieder Nachfragen an der Kasse, erklärte der Erste Bürgermeister der Stadt Neusäß, Richard Greiner. Neusässer Bürger können nach Vorlage ihres Ausweises und damit dem Nachweis dass sie in der Stadt ihren ersten Wohnsitz haben, eine sogenannte Wohlfühlkarte zum Preis von sieben Euro beantragen und zahlen damit für alle Leistungen nur die Hälfte. Für den Familientarif gilt diese Karte nicht. Das gleiche Angebot gibt es aber auch für Externe. Der auswärtige Badegast kann, um ebenfalls diese Vergünstigung in Anspruch zu nehmen, die so genannte Silberkarte zum Preis von 98 Euro erwerben. Zwei Stunden Sauna kosten damit statt 22 Euro 11 Euro.

"Das Titania hat 365 Tage im Jahr geöffnet, schon mit nur zehn Besuchen hat sich die Karte für den Besucher rentiert", so Greiner. Des Weiteren bietet das Bad weitere Vorteilsangebote wie beispielsweise einen Studententarif oder einen Tarif für Badegäste ab 50 Jahren.

Tatsache ist, dass das Bad 2001 komplett mit den Steuermitteln der Stadt Neusäß und ohne jeglichen Zuschuss erbaut worden war. Das Bad ist auf 35 Jahre angelegt. 15 Jahre sind inzwischen vergangen. Somit ist klar, dass es in den nächsten 20 Jahren ständiger weiterer Sanierungen bedürfen wird. Alle notwendigen Modernisierungs- und Umbauarbeiten gehen aber ebenfalls allein zu Lasten der Stadt. Die Stadt will mit den Eintrittsgeldern weiter so verfahren will wie bisher. "Die Fragestellung, ob Einheimische nicht begünstigt werden dürfen, ist noch klärungsbedürftig", so Greiner.

Das Urteil hat auch deutlich gemacht, dass solche Vergünstigungen nicht generell unzulässig sind. So hat das Gericht schon verdeutlicht, dass es in einem gewissen Umfang Spielräume gibt, wo Vergünstigungen für Einheimische bestehen dürfen. "Vergünstigungen müssen demnach gut begründet sein beispielsweise mit einer lokalen Besonderheit oder etwa hinsichtlich des Naturfreibads in Fischach, das den besonderen kommunalen Zusammenhalt fördert oder als Ausgleich für besondere Belastungen", erklärte Greiner.

Als damals das Schwimmbad der Grundschule am Eichenwald sanierungsbedürftig war, standen sehr hohe Sanierungskosten im Raum. Zudem war das Bad für einen groß angelegten Badebetrieb nicht geeignet und auch die Wettkampftauglichkeit war mit einem 20-Meter-Becken nicht gewährleistet. Das äußerst erfolgreiche Schwimmteam Neusäß bestritt aber bereits damals überregionale Wettkämpfe. Das Sportbecken im Titania verfügt nun über die für Schwimmwettkämpfe notwendige 25 Meter. Betrachtet man das Vereinswesen der Stadt, die kommunale Sportförderung subsummiert unter dem Begriff "kommunaler Zusammenhalt", wäre das ein Gedanke, der hier geprüft werden könnte.

"Das ist eine schwierige Diskussion, wir müssen uns überlegen, wie wir damit umgehen", lässt Greiner eine endgültige Entscheidung noch offen (Jutta Kaiser-Wiatrek )
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