Trassengegner: "Jetzt erst recht"

Die Stimmung der Trassengegnern ist nach wie vor betrübt. Foto: Heider

Keine Entspannung: Dass die umstrittene Stromtrasse nicht mehr durch Schwaben verlaufen soll, ist für die Bürgerinitiative kein Grund zur Freude. Im Gegenteil.

Plötzlich war die Stromtrasse weg aus Schwaben. Die Koalitionsspitzen um Kanzlerin Angela Merkel, Horst Seehofer und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel verständigten sich darauf, dass die geplante Südost-Trasse aus Sachsen-Anhalt nun am Netzknoten Isar bei Landshut enden soll. Die Bürgerinitiativen in der Region werten dies jedoch nicht als Erfolg.

Das Ergebnis sei nach dem Prinzip "Stromtrassen Ja, aber nicht vor unserer Haustüre" beschlossen worden, kritisiert Anita Dieminger aus Ellgau. Sie ist Mitbegründerin der Bürgerinitiative Megatrasse-VG-Nordendorf und für sie geht es um "weitaus mehr, als nur um hässlich Leitungen".

Trassengegner: Von Seehofer "verraten und verkauft"

Ursprünglich sollte die "Süd-Ost-Passage" von Sachsen-Anhalt nach Meitingen führen. In vielen Kommunen entlang der Route formierte sich Widerstand. Später wurden die Pläne angepasst: Gundremmingen wurde zum Endpunkt. Auch dagegen wehrten sich die Bürger.

Die Pläne sind nun Geschichte Die neuen Start- und Endpunkte stehen, offen bleibt zunächst der konkrete Trassenverlauf. Auch sollen teure Erdkabel verlegt werden, um den Widerstand zu reduzieren. Doch Entspannung ist vonseiten der Bürgerinitiativen nicht in Sicht: "Wir sind für eine bürgerfreundliche Energiewende und stehen in keinster Weise hinter den verkündeten Entscheidungen von Frau Merkel, Herrn Gabriel und Herrn Seehofer", schreibt Anita Dieminger in einer Pressemitteilung. Die Bürgerinitiative fühle sich von Seehofer "verraten und verkauft". Wirtschaftsministerin Ilse Aigner wirft Dieminger vor "die Grundrechenarten nicht zu beherrschen", denn zwei minus X sei das Ergebnis des Energiedialogs mit den Bürgern gewesen. X bedeute nun also null, da ja doch beide Trassen gebaut werden sollen - nur eben woanders.

"Werden diese Trassen wirklich zur Versorgungssicherheit gebraucht oder sind sie nur Teil eines europäischen Lobbyismuskonzepts, um Kohlestrom und Atomstrom aus Tschechien, Ungarn, Russland, Türkei und England durchleiten zu können?", fragt Dieminger. Ihr eigens Fazit: Das alles sei "ein großer Rückschritt in Sachen Energiepolitik und Klimaschutz".

Dieminger fordert von der Politik "ein wirklich bürgerfreundliches, dezentrales Versorgungskonzept mit einem sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohleindustrie". Nur dann sei gewährleistet, dass die Energiewende eine Erfolgsgeschichte werde. Und sie droht an: "Solange werden die Bürgerinitiativen keine Ruhe geben - jetzt erst recht."
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