Nach Folter in einem Schwabmünchner Keller: Gericht verurteilt Tochter und Schwiegermutter des Ehebrechers

Im Oktober 2014 wurde eine junge Frau in Schwabmünchen entführt und im Keller eines Hauses gefoltert. Es handelte sich um die Geliebte eines Mannes, dessen Familie nicht einsehen wollte, dass er sich für die Neue entschieden hatte. Nun standen die Tochter des Ehebrechers und dessen Schwiegermutter vor Gericht. (Foto: justizia_© tom_u 123rf.de)

Anna K. (alle Namen geändert) wollte nicht akzeptieren, dass ihr Mann sie wegen einer anderen Frau verlassen hatte. Zusammen mit weiteren Familienmitgliedern machte sie sich auf, um die Geliebte ihres Ehegatten zur Rede zu stellen und ihr eine Abreibung zu verpassen: Am 18. Oktober 2014 zerrten sie die junge Frau in ein Auto, um sie im Keller eines Schwabmünchner Hauses zu bedrohen und zu foltern. Passanten hatten allerdings alles beobachtet und riefen die Polizei, die das Opfer befreite. Die Frau des untreuen Ehemannes ist inzwischen rechtskräftig verurteilt, genauso ein Bruder des Mannes und zwei andere Frauen.

In der Verhandlung am Donnerstag ging es um die 19-jährige Tochter des Paars, Sofie K., - und um die Mutter der betrogenen Ehefrau. Letztere, 55 Jahre alt, musste sich wegen Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung verantworten, die 19-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Beide Frauen seien "Randfiguren", erklärte Richterin Ortrun Jelinek. Die 55-Jährige fuhr an jenem Tag im Oktober 2014 den BMW, in den die Täter das Opfer hinein gezogen hatten. Sofie K., damals gerade einmal 17 Jahre alt und die Jüngste der Truppe, war im Gegensatz zu ihrer 55-jährigen Großmutter dabei, als die Familienmitglieder die junge Frau als Hure beschimpften, sie traten und mit Aluminiumstangen prügelten, sie mit heißem Wasser übergossen und ihr eine neun Zentimeter lange Schnittverletzung im Gesicht zufügten, um das Opfer als Ehebrecherin zu kennzeichnen.

Sollte die 55-Jährige ein Geständnis ablegen, werde sie mit einer Geldstrafe davonkommen. Darauf verständigten sich die Prozessbeteiligten am Donnerstag. Der 19-Jährigen stellten sie ein "Zuchtmittel", etwa eine Verwarnung oder Jugendarrest, in Aussicht, falls sie gestehe.

Die Angeklagten legten über ihre Verteidiger das Geständnis ab: Laut Verteidiger Wolfgang Bendler fuhr die 55-Jährige das Auto auf Bitten ihrer Tochter. Dabei sei seiner Mandantin bewusst gewesen, dass das Opfer eine Abreibung erhalten sollte. Nachdem die Frau ihren Fahrdienst absolviert hatte, sei sie wieder nach Hause gefahren.

"Aus dem Ruder gelaufen"


Verteidiger Christian Fröba erläuterte, dass sich Sofie K. "mitreißen" ließ, dass sie geschubst, getreten und geschlagen habe, jedoch nicht mit einer Aluminiumstange. Seine Mandantin habe sich verraten gefühlt. Dennoch, irgendwann habe sie geschrien, die Frau loszulassen - nur habe niemand auf sie gehört. Das Mädchen habe dann den Keller verlassen und sei zu ihren Geschwistern gelaufen. "Aus ihrer Sicht ist alles völlig aus dem Ruder gelaufen", sagte Fröba. "Das ganze tut ihr unheimlich leid." Nachdem ihre Mutter in Untersuchungshaft gekommen war, musste sich Sofie K. um den Haushalt, den kleinen Bruder und die Schwester kümmern. Ihre Ausbildungsstelle in einem Autohaus der Familie hatte sie bereits zuvor verloren, als ihr Vater mit der neuen Frau untergetaucht war und das Autohaus sich selbst überlassen hatte. Inzwischen lebt die Familie in Ulm. Sofie K. plant, ihre Ausbildung im nächsten Jahr fortzusetzen. Die Mutter muss noch zwei Jahre Haft absitzen.

Staatsanwältin Alexandra Körner forderte für die 55-Jährige eine Geldstrafe von 6000 Euro, für die 19-Jährige eine Verwarnung in Form von 96 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Für die 19-Jährige spreche, dass sie mit ihrem Geständnis dem Opfer eine Aussage erspart habe, dass sie am Tattag selbst gemerkt habe, dass etwas falsch laufe, dass sie die anderen aufgefordert habe aufzuhören, und dass sie am nächsten Tag das Opfer im Krankenhaus besucht habe. Das Jugendschöffengericht verurteilte die 55-Jährige schließlich zu einer Geldstrafe von 4800 Euro, Sofie K. wurde verwarnt. "96 Stunden in vier Monaten müssen gehen", fand Jelinek, die dem Vorschlag der Staatsanwältin Körner folgte. Für Richterin Jelinek war klar, dass Sofie K. nicht gewusst hat, was an jenem Tag passieren würde, dass sie "da hineingeraten" sei.
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