35. Flugtag für Menschen mit Behinderung

Hundert Menschen mit Behinderung wollten mit den Fliegern mitfliegen, die Feuerwehr stand bereit.
 
Das Organisations-Team des Flugtags: Hartwig Uhl, Vorsitzender des LSV, Simone Falkenstein (OBA BRK), Thomas Haugg (Kreisgeschäftsführer BRK) und die amtierende Box-Weltmeisterin Tina Schüßler (v.li.)
Mit Blick zum Himmel fragten sich viele Besucher des 35. Flugtags für behinderte Menschen in Schwabegg, wie lange das Wetter wohl noch hält. Das Bayerische Rote Kreuz, Kreisverband Augsburg Land, und der Luftsportverein Schwabmünchen (LSV) hatten den Tag wie in den Jahren zuvor organisiert und hofften, die circa 60 Flüge vor dem großen Regen absolvieren zu können. Viele Helfer und ein attraktives Rahmenprogramm machten den Tag für alle Besucher zu einem unterhaltsamen Erlebnis.
Hundert Personen mit Handicap hatten sich bei der Offenen Behindertenarbeit (OBA) des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) angemeldet, ihre ärztliche Bescheinigung für Flugtauglichkeit mitgebracht und die Erlaubnis fürs Fliegen erhalten. Sie hatten für ihren ersten Flug 18 Euro bezahlt einschließlich des Essensgutscheins in Höhe von 5 Euro, der zweite beziehungsweise ein unangemeldeter Flug würde 30 Euro kosten. Hartwig Uhl, Vorsitzender des LSV, erklärte, dass die 13 Euro pro fünfzehnminütigem Flug die Kosten bei Weitem nicht decken würden. Die Veranstaltung könne ohne die Spenden der Kreissparkasse Augsburg und des Lions Clubs Schwabmünchen-Lechfeld-Buchloe nicht stattfinden. Heute seien 3 Cessnas und eine DO 27 im Einsatz, weil sie sich durch ihre Tür- und Sitzkonstruktion besonders für das Einsteigen behinderter Menschen eignen würden. Ausschließlich Piloten mit nachgewiesener Erfahrung dürften die Maschinen fliegen. Berufspiloten aus Fürstenfeldbruck und Landsberg unterstützen das Team des LSV. Der vereinseigene Flieger, die Gustav 109, könne nur einen Gast befördern und werde deshalb heute nur für Rundflüge von Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden genutzt. Der Rekord in den letzten Jahren sei bei 164 Passagieren an einem Flugtag gewesen. Einmal – vor zwei Jahren – habe es nur ein Flugplatzfest gegeben: Aufgrund der neuen Interpretation einer europäischen Regelung war es dem LSV nicht erlaubt, Passagiere mitzunehmen, da dies als gewerbliche Nutzung angesehen wurde. Sonst wäre dieses Jahr der 36. Flugtag gewesen.
Zwei Ehrengäste hatte das Organisationsteam eingeladen: Tina Schüßler, die amtierende Weltmeisterin im Kickboxen, erzählte von ihrem Schlaganfall und den fatalen Folgen. Von einer Minute auf die andere konnte sie nicht mehr sprechen und war halbseitig gelähmt. Trotzdem habe sie so viel erreicht. „Ich will für kranke Menschen da sein und sie motivieren!“ Das versicherte sie und stellte sich für Autogramme und ein Erinnerungsfoto zur Verfügung. Als Andenken an den Tag durfte sie kleine Boxhandschuhe mit nachhause nehmen. Als zweiter Ehrengast war Jumbo Schreiner, Moderator bei den Fernsehsendern Pro 7 und Galileo eingeladen. An Prominenz waren eingetroffen Landrat Martin Sailer, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Paul Steidle, Vorsitzender des Kreisverbands des BRK Augsburg Land, die Vorsitzende des Lions Clubs Schwabmünchen-Lechfeld-Buchloe Susanne Bergmann und der Sekretär des Lions Clubs Peter Frankenberger sowie Zweiter Bürgermeister Hans Nebauer und Dritte Bürgermeisterin Christa Couvoisier.

Unterhaltsames Rahmenprogramm

Das Rahmenprogramm konnte sich sehen lassen: Während der Wartezeit auf den Flug hatten alle Besucher die Möglichkeit, kostenlos mit einem Oldtimer mitzufahren. Der Morgan Club Deutschland, Sektion Bayern, stellte fünf Fahrzeuge zur Verfügung, sogar alte Lederkappen konnten benutzt werden. Die strahlenden Gesichter von behinderten Menschen, aber auch von kleineren und größeren Jungs, wenn sie aus dem Auto ausstiegen, entschädigten die Besitzer für die teils lange Anfahrt mit ihren wertvollen Fahrzeugen. Günter Geiger, einer der Eigentümer, erzählte vom Beginn der Aktion. Als er zum Flugtag mit seinem Oldtimer gekommen sei, hätten ihn Besucher gebeten, mal mitfahren zu dürfen. Seither gehöre die Fahrt mit den Morgans zum Beiprogramm des Flugtags.
Ein weiterer Anziehungspunkt waren die Einsatzmaschinen der Motorradstreife des BRK, die gleich neben den Automobilen standen. In der Mittagspause, wenn keine großen Flieger unterwegs waren, hatten die Flugzeuge des Modellsportvereins Schwabmünchen ihren Auftritt. Der Vorsitzende des Vereins, Matias Rajkay, stellte die Flieger vor und erklärte die Handhabung. Die Steuerung sei gar nicht so einfach, da seitenverkehrt gesteuert werden müsse. Beim Flugtag sei der Verein schon über 25 Jahre dabei, versicherten er und seine Vereinskollegen. Zwanzig Modelle waren auf der Wiese ausgestellt, sieben davon auch geflogen.
Die Jugend der Freiwilligen Feuerwehr war mit ihren Einsatzfahrzeugen vor Ort. Die Musikkapelle Schwabegg unter der Leitung von Norbert Maier sorgte für Stimmung, Am Grill des BRK wurde leckeres Essen ausgegeben und Mitglieder des LSV versorgten die Besucher mit Kaffe und selbst gebackenen Kuchen.
Die Hauptvorbereitung des Flugtags hatte Simone Falkenstein von der OBA des BRK. „Viele behinderte Menschen fiebern das ganze Jahr auf den Flugtag hin. Bereits nach ihrem Flug fragen sie, ob sie sich gleich wieder anmelden könnten“, meinte sie. In der Woche vor dem Flugtag laufe das Telefon heiß, weil so mancher Teilnehmer noch eine wichtige Frage hätte. ES mache Freude, die Begeisterung zu sehen, aber ab morgen werde sie sich erstmal ein paar Tage frei nehmen und ausspannen, denn nach dem Flugtag sei vor dem Flugtag.
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