Abenteuer auf zwei Rädern

2009 fuhr Doris Wiedemann durch die Everglades in Florida. Foto: Archiv Doris Wiedemann

Sechs Monate lang düste sie allein mit ihrem Motorrad durch Australien. Sie fuhr durch Afrika, die Ostküste bis Tansania entlang und weiter bis nach Kapstadt, dann nach Osten, nach Wladiwostok, Korea und Japan. Doris Wiedemann aus Schwabmühlhausen gehört zu den Powerfrauen der Motorradwelt. Nun ist sie für den Preis „Bike Woman of the Year 2015“ nominiert.

Seit 25 Jahren ist Doris Wiedemann mit dem Motorrad unterwegs, meist allein. Mit 18 Jahren wechselte sie vom Fahrrad auf’s Motorrad. Mit 23 Jahren ging es in die Welt hinaus: Fünf Monate lang fuhr sie durch die Vereinigten Staaten von Amerika mit einer Honda Shadow 700. Sechs Jahre später ging es nach Australien, ein Jahr darauf quer durch Afrika.

„Die Welt ist viel besser, als man meint“, sagt Wiedemann. Überall gebe es freundliche und gastfreundliche Menschen, die das beste Bett räumen, um einen Fremden darin schlafen zu lassen – oder Lasterfahrer, die einem das Essen bezahlen, einfach so, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. „Ich passe natürlich auch auf und gehe nicht im Minirock in die Kneipe“, fügt sie hinzu.
Immer hat sie ein Zelt auf ihren Reisen dabei und Geld für Pensionen oder Gasthöfe. „In China zum Beispiel ist es so dicht besiedelt. Da kann man höchstens im Maisfeld zelten.“

Freunde ermutigten Wiedemann nach ihrer Afrikareise, bei einer Zeitung anzurufen, um von ihrem Hobby zu erzählen. Die Zeitschrift „Motorrad“ zeigte Interesse, lud Wiedemann zum Interview ein. „Es gab Überlegungen, ob ich meine Reisen selbst aufschreiben soll“, erinnert sich Wiedemann.

Heute arbeitet die Diplom-Volkswirtin als Journalistin, sie schreibt für Motorradzeitschriften, verfasst Bücher über ihre Reisen und Begegnungen, hält Vorträge. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Nicht zum Hauptberuf. Ein Kriterium, das der Jury der „Motorradfrau des Jahres“ nicht gefallen könnte.
Zum ersten Mal ernennen das Internetportal „fembike“ und die Fachzeitschrift „bike und business“ die deutschsprachige „Bike Woman of the Year“. Zehn Bewerberinnen sind nominiert – eine davon ist Doris Wiedemann. Sie bewarb sich, nachdem Bekannte sie auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht hatten.
Etwa 60 Frauen forderten die Bewerbungsunterlagen an – sie alle verdienen ihr Geld mit oder auf dem Motorrad. 20 bewarben sich. Dazu mussten sie ein Video einreichen, in dem sie zeigten, wo sie sich außerhalb ihres Berufs engagieren, wie sie ihren Weg gegangen sind und in Zukunft weiter gehen wollen.
Frauke Tietz, die Gründerin und Herausgeberin des Internetportals www.fembike.de, gehört zur Jury – und zu den Bewunderern der Schwabmühlhausenerin: „Sie ermutigt Frauen, ihre Komfortzone zu verlassen und sich zu trauen, den eigenen Weg zu gehen“. Und für Stephan Maderner, Chefredakteur von „bike und business“, ist Wiedemanns Nominierung klar: „Die Journalistin erzählt in spannenden Reiseberichten, atemberaubenden Bildern und fesselnden Vorträgen von ihren Erlebnissen“.

Die Preisverleihung ist ein Höhepunkt der Fachtagung „bike und business“ am 26. November in Würzburg. Drei der nominierten Kandidatinnen werden bei der Fachtagung dabei sein. „Natürlich möchte ich gerne gewinnen“, sagt Wiedemann. „Aber für mich ist das Reisen, das Schreiben noch viel zu viel Hobby und ich weiß nicht, wie viel Wert die Jury auf diesen Aspekt legt.“ Doch egal, für wen sich die Jury entscheiden wird. Am 28. Dezember geht es für Wiedemann nach Kamerun. „Da freue ich mich wahnsinnig drauf.“ (nh)
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