Ärger mit den Biotonnen: Schwabmünchner startet Unterschriftenaktion

René Mayer aus Syrgenstein kam extra nach Schwabmünchen, um Josef Gegenfurter (links) und seine Unterschriftenaktion zu untertützen. Katrin Huber schaute sich in Schwabmünchen um, wo überall die Biotonnen defekt sind.
 
Auch in der Auenstraße mussten Biotonnen repariert werden.

Seit er erfuhr, mit welchen Problemen gerade die Besitzer der braunen Tonne im Menkinger Weg zu kämpfen haben, setzt sich der Schwabmünchner Josef Gegenfurtner dafür ein, dass defekte Biotonnen kostenlos ausgetauscht werden und - damit einer Überfüllung vorgebeugt wird – in den Sommermonaten wöchentlich geleert wird. Er hat eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, die solange fortgeführt wird, bis sie erfolgreich ist, auf jeden Fall bis ins Frühjahr 2018.

Laut dem Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs (AVA), Günther Prestele, soll es im Landkreis 65 000 Biotonnen geben, die 2013 und später aufgestellt wurden. Mit dem Biogas aus den Küchenabfällen könnten 3 900 Haushalte beheizt werden. Er rechnet in diesem Jahr mit 200 Schadensmeldungen, geht aber davon aus, dass viele die Beschädigung gar nicht melden und die Tonne notdürftig selber flicken.

Laut AVA kostet eine braune Tonne 60 Euro (40 Euro Material und 20 Euro für die Aufstellung). Kann der Bürger nicht nachweisen, dass er sachgemäß mit der Biotonne umgegangen ist beziehungsweise dass ein Material- oder Entleerungsfehler vorliege, hat er die Kosten zu tragen. Prestele beruft sich dabei auf den Paragraphen 13 a Absatz 4 der Abfallwirtschaftssatzung, der aber lediglich den pfleglichen Umgang mit der Tonne fordert und nicht einen eventuellen Ersatz regelt.
Gegenfurter hat einen ganzen Katalog an Gründen für die Schäden an den Tonnen gefunden: Da diese besonders im Winter und speziell in bestimmten Straßenzügen auftreten, vermutet er sogenannte „Montagsprodukte“, das heißt eine fehlerhafte Marge bei der Massenproduktion. Auch könnten die Tonnen fasch gelagert oder bei der Auslieferung unsachgemäß behandelt worden sein. Es könne auch das Material der 120-Kilogramm-Tonnen minderwertig und beim Entleeren zu grob mit den Tonnen umgegangen worden sein. Es sei verwunderlich, dass bei den Restmülltonnen des AVA praktisch keine Schäden auftreten.

Der AVA gehe von einer Überladung der braunen Tonnen aus. Dagegen spreche, dass so gut wie keine Schäden an den Rädern und deren Aufhängung gemeldet werden. Die Tonnen platzen grundsätzlich an der Vorderseite, der Riss beginnt seitlich an fast den gleichen Stellen und ist etwa siebzig Zentimeter lang. In der Schwabmünchner Wertachau treten neuerdings Schäden am Kamm (Einhängevorrichtung zum Entleeren der Tonnen) auf.
Prestele sieht als Lösung des Problems den kostenfreien Austausch der defekten Tonnen sieben Jahre nach Aufstellung, das wäre dann aber erst 2020. Für die wöchentliche Leerung an Stelle im Abstand von zwei Wochen sieht er keine Chance. Erstens habe er nicht genügend Kapazitäten für noch mehr Biomüll, zweitens müsste ein kürzerer Rhythmus auf alle Gebührenzahler umgelegt werden. Die Bürger sollten ein Mehr an Bioabfällen zur Grüngutannahmestelle bringen. Über Änderungen entscheiden würde ohnehin der Werkausschuss des Kreistages.

Mülltonnensammler informiert


Aufgrund eines Berichts im lokalen Fernsehen (a.tv) meldete sich der Mülltonnensammler und ehemalige Müllabfuhrmitarbeiter René Mayer aus Syrgenstein bei Gegenfurtner und schaute sich vor Ort die Tonnen an. Da er selbst zehn Jahre lang Tonnen geleert habe, vermute er einen Defekt oder eine falsche Einstellung bei der Schüttung an den Fahrzeugen. Reiße die Kammleiste, könne am Müllfahrzeug eine Feder gerissen sein. Eine Überladung kann er sich nicht vorstellen: 240 Liter Fassungsvermögen entsprechen 110 Kilogramm Gewicht. „Das werden Sie nicht schaffen“, meinte er.

Anwohner kamen zum Ortstermin dazu und erzählten, dass in Gennach schon Mülltonnen stehengelassen worden seien, weil sie zu schwer waren. Katrin Huber fand es merkwürdig, dass die Tonnen nur in bestimmten Gegenden brechen, wie Weberstraße, Herbststraße, Menkinger Weg, also im Westen Schwabmünchens. Im Breitlehen im Osten habe sie keine defekten Tonnen gesehen. Mayer stellte fest, dass vor Ort alle Tonnen in Neuruppin hergestellt und mit der Maschine mit der gleichen Nummer gefertigt worden seien.
Laut Mayer bestünde bei den Fahrzeugen die Möglichkeit, die Tonnen zu wiegen und die Werte auf einem Chip zu speichern. In Landsberg würden die Bioabfälle nach Gewicht abgerechnet. „Die kostenlose Biotonne ist Luxus“, meint Mayer. Er lebe nördlich von Augsburg. In den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries müsse für Biomüll bezahlt werden – für 120 Liter 3,90 Euro und für 240 Liter 7,80 Euro im Monat, dafür gäbe es eine wöchentliche Leerung vom 1. April bis 30. November. Wegen der Kapazitäten sehe er kein Problem: Er kenne Bauern, die eigene Kompostieranlagen betreiben und andere Firmen hätten noch Kapazitäten frei.

Gegenfurter will mit der Unterschriftenliste Druck aufbauen und die Kommunalpolitiker auf das Problem aufmerksam machen. Er sieht nicht ein, dass in verschiedenen Landkreisen der Ersatz der Biotonnen unterschiedlich gehandhabt wird. Außerdem plant er Mitte September mit betroffenen Anwohnern eine Informationsveranstaltung, zu der auf jeden Fall René Mayer eingeladen wird. Sollte jemand schon vorher sich in die Unterschriftenliste eintragen wollen, kann er bei Josef Gegenfurtner in der Frauenstraße 10 vorbeikommen. Er ist unter Telefon 08232 / 995476 zu erreichen.
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