Einwanderungsgesetz gefordert

An die Lesung mit Emitis Pohl schloss sich eine rege Diskussion an.

Großes Interesse fand die Lesung „Deutsch sein für Anfänger – Integration ist meine Pflicht“ mit Emitis Pohl, die der Verein Solidarität Eine Welt zusammen mit dem Weltladen Schwabmünchen organisiert hatte. Rund siebzig Gäste kamen ins Pfarrzentrum Schwabmünchen und beteiligten sich nach der Lesung rege an der Diskussion.

Emitis Pohl, Inhaberin einer Marketing-Agentur in Köln, floh mit dreizehn Jahren aus dem Iran in die Bundesrepublik. Die Referentin erzählte von ihrer schönen Kindheit als einziges Kind begüterter Eltern, von ihrer autoritären Lehrerin, die sie beeinflusst und beeindruckt habe und von den immer schwieriger werdenden Verhältnissen im Iran. Anders als Asylsuchende in Deutschland sei sie mit dem Flugzeug nach Hamburg gereist und habe bei ihrer Oma gewohnt. Mit den deutschen Behörden hätte sie große Kämpfe ausgefochten, denn sie wollte Deutsch lernen, sie wollte aufs Gymnasium. Und immer wieder sei von ihr verlangt worden, einen Asylantrag zu stellen. Erst als Pohl geheiratet habe, durfte sie ihren Aufenthaltsort und ihr Studienfach frei wählen.
Anlass zu ihrem Buch „Deutsch sein für Anfänger“ sei die Sylvester-Nacht in Köln 2015 gewesen, die sie mit ihrer Familie miterlebt habe. Pohl wandte sich gegen eine Pauschalverurteilung der Asylanten. „Sie brauchen Menschen, die mit ihnen Geduld haben“, meinte sie und forderte, die Leute, die aus einer anderen Kultur kämen, behutsam an die deutschen Verhältnisse heranzuführen. Aber bei kleinen und großen Straftaten habe die Polizei nicht wegzuschauen, die müsse handeln. Wer die Deutschen nur ausnutzen wolle, müsse gehen. Wer nicht arbeiten dürfe oder wolle, weil er ohnehin Geld bekäme, laufe Gefahr, vor Langeweile straffällig zu werden.
Pohl verstehe nicht, dass die Flüchtlinge in Deutschland nicht gezwungen würden, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Sie verlangte ein Einwanderungs- und ein Asylgesetz, wie es in Kanada bestehe. „Das Gastrecht wird schamlos missbraucht!“ meinte sie. Pohl selbst habe jedenfalls noch nie Hilfe vom Staat angenommen, nicht einmal Kindergeld.
Während der Diskussion kam immer wieder zur Sprache, dass integrationswillige Asylanten, teils mit Ausbildungsplatz und guten Deutschkenntnissen, von den Behörden schikaniert würden und dass Arbeitgeber ein enormer Aufwand an Bürokratie erwarte, wenn sie Asylanten einstellen wollen. „Das wäre der Stoff für ein neues Buch“, meinte sie. Denn wer integrationswillig sei, werde in Deutschland nicht belohnt, die anderen nicht bestraft. Die Politik müsse endlich handeln, nicht nur reden.
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