Hospizbegleitung Schwabmünchen: 20 Jahre Zeit und Zuwendung

Blumen gab es bei der Jubiläumsfeier für die Leiterinnen der Hospizgruppe und die Festrednerin (von links) Edith Leichtle (für Hospizarbeit im Caritas-Gesamtvorstand), Hospiz-Gründerin Anneliese Winter, Stadtpfarrer Christoph Leutgäb, Leiterin Gabriele Spahr, Bürgermeister Lorenz Müller (Schwabmünchen), Hospiz-Fachreferentin Gabriele Luff vom Diözesancaritasverband, Antonie Forstner (von 2007 bis 2013 Hospiz-Leiterin) und Bürgermeister Rudolf Schneider aus Klosterlechfeld.
 
Der Frauenchor "SingGoldies" gratulierte der Hospizgruppe mit einem Benefizkonzert in der Christuskirche und sammelt mit dem gut besuchten Auftritt fast 800 Euro Spenden. Fotos: ac


Für Sterbende fehlte einfach die Zeit. Diese Erfahrung als Krankenschwester bewegte Anneliese Winter nach ihrer langjährigen Berufstätigkeit in der Pflege, 1996 die Gründung der Hospizgruppe St. Elisabeth zu initiieren. Zwanzig Jahre später schenken heute rund 45 Hospizbegleiter in Schwabmünchen und Umgebung Menschen am Lebensende Zeit und Zuwendung. Dieses Jubiläum wurde dieser Tage mit einem Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche und einem Festakt im benachbarten Gemeindehaus begangen.

Gabriele Spahr, als Palliativfachkraft hauptamtliche Koordinatorin und seit 2013 Leiterin der Hospizgruppe, zeigte dabei im Interview mit ihren Vorgängerinnen und langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen die Entwicklung in der hospizlich-palliativen Versorgung der vergangenen zwei Jahrzehnte auf. Bereits in den Anfangsjahren, berichtete Winter, seien die Hospizhelferinnen rund 1500 Stunden unentgeltlich und oft auch nachts in der Sterbebegleitung tätig gewesen. Von Anfang an gehörten Schulungen und regelmäßiger Austausch dazu, wusste Helga Reiner, die seit den Gründungstagen als Hospizbegleiterin aktiv ist. Ab dem zweiten Halbjahr 2007 stand mit Antonie Forstner erstmals eine angestellte Palliativfachkraft an der Spitze, baute die Hospizgruppe aus und band sie noch stärker ins örtliche Netzwerk aus Ärzten, Pflegediensten, Seniorenheimen und anderen Gesundheitseinrichtungen ein. Die Rahmenbedingungen hätten sich dabei gewandelt, der Dienst für die Schwerkranken und Sterbenden aber sei bis heute unverändert geblieben. Dieser Einsatz geschehe in einem herzlichen, guten Miteinander der Hospizbegleiter, machte Josefa Gabelsberger deutlich.

Anerkennung bekam die Hospizgruppe für ihre "wertvolle Arbeit und wichtige Aufgabe" von Erstem Bürgermeister Lorenz Müller, der in seinem sehr persönlich gehaltenen Grußwort den Dank der Stadt Schwabmünchen überbrachte und die politische Unterstützung zusagte. Namens des Trägers der Hospizgruppe wandte sich Caritas-Vorsitzender Andreas Claus an die ehrenamtlichen Mitarbeiter: "Ohne Ihre Zeit und Empathie, ohne Ihr 'Da-Sein' könnten Sterbende oft 'nur' gut versorgt, aber nicht ganzheitlich begleitet werden." Gabriele Luff, Fachreferentin für Hospiz und Palliative Care beim Diözesancaritasverband, wünschte in ihrer Festansprache der Hospizgruppe weiter "Kreativität, Spontanität und Menschenliebe".

Diakon Winfried Eichele, der zusammen mit Stadtpfarrer Christoph Leutgäb und seinem evangelischen Kollegen Pfarrer Martin Kögel dem ökumenischen Gottesdienst zum Hospiz-Jubiläum vorstand, verband in seiner Predigt den Dank "dass die Hospizbegleiter seit zwanzig Jahren die Herzen von Schwerkranken und ihren Angehörigen berühren" mit der Danksagung an Gott für die Begleitung des Dienstes.

Beim Imbiss vor dem anschließenden Benefizkonzert des Frauenchors "SingGoldies" hatten die rund sechzig Gäste aus der Hospizbewegung, von Sozial- und Gesundheitsdiensten und der Politik Gelegenheit an großen Stellwänden die Hospizarbeit in Text und Bild Revue passieren zu lassen.

Musikalisch hat der Schwabmünchner Frauenchor "SingGoldies" der Hospizgruppe St. Elisabeth zum 20. Geburtstag gratuliert: Unter Leitung von Ingrid Jürges gaben die mehr als 30 Sängerinnen in der Christuskirche zum Abschluss des Festtags ein gut besuchtes Benefizkonzert für die Hospizarbeit. Belohnt wurde der Auftritt mit Standing Ovations und knapp 800 Euro Spenden für die Begleitung von Menschen am Lebensende. Durch das Programm mit einem gelungenen Mix aus mitreißenden Gospeln ("Oh happy day"), unvergessenen Melodien ("Zauber der Nacht") und gefühlvollen Songs - Enyas "only time" - führte Altbürgermeister Elmar Pfandzelter mit nachdenklichen Texten und humorvollen Beiträgen.

Die Hospizgruppe steht Sterbenden und ihren Angehörigen mit psychosozialer Unterstützung zur Seite, teils in den letzten Lebenstagen, teils über Monate. Die ehrenamtlichen Helfer kommen - teils auch nachts - nach Hause, in Pflegeheime und ins Krankenhaus. Das Einsatzgebiet erstreckt sich von Klosterlechfeld über Schwabmünchen bis Fischach sowie von Großaitingen im Norden bis Gennach im Süden. 2015 wurden knapp 100 Betroffene begleitet oder in Palliativfragen beraten. Dazu laden die Pfarreiengemeinschaft Schwabmünchen und die Hospizgruppe monatlich zum offenen Trauertreff unter Leitung von Diakon Winfried Eichele und Uschi Baiter ins Pfarrzentrum ein. Die Hospizgruppe St. Elisabeth hat ein Büro in der Fuggerstraße 44 in Schwabmünchen und ist unter Telefon 08232/956 75 42 und 0171/470 87 54 erreichbar. (ac)
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 26.10.2016 | 19:48  
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