Intelligenz im Stromnetz

Die Lechwerke arbeiten in der Schwabmünchner Siedlung Wertachau an einem einmaligen Projekt: Hier entsteht ein intelligentes Stromnetz, das den Verbrauch an die Einspeisung anpassen soll.

Der Begriff "Energiewende" ist in aller Munde. Im Rahmen dieses Wechsels zu erneuerbaren Energien fördert das EEG (Erneuerbare Energieen-Gesetz) alternative Wege der Stromerzeugung, wie zum Beispiel Photovoltaik-anlagen auf Hausdächern. Diese Solarzellen sind auf vielen Hausdächern zu sehen. Damit stellt sich für die Betreiber der Stromnetze die Frage, wie diese Energie am besten vor Ort genutzt werden kann. Denn die Sonne scheint nicht immer dann, wenn der Strom gebraucht wird. Deshalb muss der Strom oft abtransportiert werden.

Zu diesem Problem haben sich die Lechwerke (LEW) Gedanken gemacht und in der Wertachau in Schwabmünchen im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt gestartet. Unter dem Titel „Smart Operator“ beteiligen sich rund 115 Haushalte am Ausbau eines intelligenten Stromnetzes. Ziel des Projektes sei es, den Verbrauch und die Erzeugung der Energie vor Ort in Einklang zu bringen, erklärt Ingo Butters, Pressesprecher der LEW. Dazu ist das Vorhaben in zwei Phasen unterteilt. Im ersten Schritt hat die LEW die teilnehmenden Haushalte an ein neues Glasfasernetz angeschlossen. „Damit haben die Teilnehmer einen Internetanschluss, der nur mit den Innenstädten von Berlin oder München vergleichbar ist“, sagt Butters. Das ist aber nur ein Nebeneffekt, denn in erster Linie müssen Stromzähler, Photovoltaikanlagen und später die Haushaltsgeräte über dieses Netz miteinander kommunizieren. Momentan werden die Stromzähler in den Häusern durch intelligente Stromzähler ersetzt, denn auch diese müssen über das Netz ihre Daten austauschen. Es gibt sogar erste intelligente Haushaltsgeräte, wie zum Beispiel eine Spühlmaschine, die an ein solches intelligentes Stromnetz angeschlossen werden kann.

Die zentrale Steuerung des intelligenten Stromnetzes übernimmt in diesem System der „Smart Operator“; er ist quasi das Gehirn. Hier werden alle Daten über den Stromverbrauch und -erzeugung gesammelt und verarbeitet. Außerdem verfügt er über die Wetterdaten, die in die Berechnungen einfließen. „Wenn beispielsweise für den nächsten Tag schönes Wetter vorhergesagt wird, sendet der ,Smart Operator’ die Information ,sonniger Tag’ in die Häuser und nach diesem Schema sollen die Geräte im Haushalt ihren Verbrauch richten“, erklärt Butters das Prinzip.

Das bedeutet aber nicht, dass bei bedecktem Himmel die Heizung nicht mehr läuft oder das heiße Wasser ausbleibt. Butters spricht davon „die Verbrauchslasten zu verschieben, ohne dass die Teilnehmer auf Komfort verzichten müssen“. Denn eine Photovoltaik-Anlage kann nur Strom erzeugen, wenn die Sonne scheint. Die Verbrauchsspitzen im Haus sind aber morgens und abends. Im idealen Fall muss mit dem „Smart Operator“ der erzeugte Strom nicht mehr abtransportiert werden, sondern wird vor Ort verbraucht. Dafür ist auch geplant, Batteriespeicher in den Haushalten und zentral als Puffer einzurichten.

Dieses einmalige Projekt in der Region soll bis Ende 2014 Daten liefern, die die LEW in die Weiterentwicklung des Stromnetzes aufnehmen will.
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