Schwabmünchen wird zur Festival-Stadt

Typisch für das Singoldsand-Festival: Sonnenschein, ein entspanntes Publikum und Seifenblasen über den Besuchern wie hier beim Auftritt des Schwabmünchner Künstlers Oliver Gottwald.
 
Es waren die kleinen Details, wie die vielen Aschenbecher an den Bäumen, die das Festival so liebenswert erscheinen ließen.
Es ist die besondere Stimmung beim Singoldsand-Festival, die so viele Besucher aus nah und fern - an den beiden Tagen waren es fast 8 000 - nach Schwabmünchen zieht. Seit Wochen war derSamstagausverkauft, und am Freitag gab es bald auch keine Karten mehr. Doch nicht nur das strahlend schöne Wetter und die drei Bühnen, auf denen musiziert wurde, waren ausschlaggebend, um sich rechtzeitig Karten zu sichern. Es ist das Flair, das von den jugendlichen Organisatoren heraufbeschworen wird – jedes Jahr neu und jedes Jahr besser.
Nachmittags war die Hitze fast unerträglich. Der Lead-Sänger der Gruppe „King The Fu“ aus Augsburg meinte, seine Gitarre sei heiß wie Lava. Die Musiker bekamen Wasser und ein blaues Handtuch mit auf die Bühne. Für Erfrischung sorgten die zahlreichen Stände für Getränke, die größtenteils von Vereinen unterhalten wurden. Auch an den Eco-Toiletten gab es kein Gedränge. Hände waschen konnte man nur im Bach – gewöhnungsbedürftig. Zu essen gab es von Kässpatzen über Gegrilltes auch veganes Essen wie Thai-Curry. Eine Spezialität: Vinschgerl mit Schichtfleisch, Soße und Sauerkraut!

Dekorateure und Besucher zeigten Einfallsreichtum

Beim Bummel durch das Gelände konnten die Besucher immer wieder Neues entdecken, das mit Künstlern der Ulrichs-Werkstätten und vielen Unterstützern und quirligen Helferinnen und Helfern in monatelanger „Fitzelarbeit“ entstanden ist und aufgebaut wurde. Da steht eine Telefonzelle, die eingerichtet wurde wie ein altes Wohnzimmer mit Telefon. Es hängt eine Kugel in den Bäumen, die wegen der vielen CDs glitzert. Ein Storchennest mit zwei großen Schwarzstörchen dient als Bier-Verkaufsstand. Überall gab es Bücherecken, dazu Sofas (auch mal ein Sattel) und selbst gezimmerte Bänke zum Sitzen, Kugeln, die sich bewegten oder farbenfroh glitzerten. Eine Spielkonsole und mehrere Kicker waren aufgestellt, mit Holzbuchstaben konnten Wörter gebildet werden. Lichtspiele und Wasserspiele, Ruheoasen, ein künstlicher Blumengarten, ein Pult aus Elektronikteilen, das an eine Spielzeugeisenbahn erinnerte, es gab ständig etwas zu entdecken. Genialität bewiesen die Jugendlichen bei der Dekoration der See-Bühne. Abfall, eine alte Orgel, Waschmaschinen, Spielautomaten und vieles mehr war zusammengebastelt und neben der Bühne drapiert worden. Blaue Wasserbälle tauchten überall auf dem Gelände auf und wurden auch mal von den Musiker von der Bühne gekickt.
Einfallsreichtum zeigten aber auch die Besucher: da spazierte ein Mann im Kilt, zwei andere hatten einen aufgeblasenen Mops dabei – einer als rosa Einhorn verkleidet, einer mit einer Tafel „tausche Tafel gegen Bier“, eine junge Frau trug Häuptlingsfedern. Jugendliche stürzten sich in den Bach vor der Seebühne und schwammen oder sie wateten darin herum oder tanzten im Wasser. Vor der Bühne tanzten riesige Seifenblasen.

Musik auf drei Bühnen

Neu war in diese Jahr, dass die Strandbühne im südlichen Bereich aufgestellt und nach Norden ausgerichtet war. Die Seebühne lag wie in den Vorjahren im Westen, hinter der Geyerburg im Osten lud ein schattiger Biergarten mit Bänken und Tischen zum gemütlichen Verweilen ein. Die Musiker spielten hier auf der Bühne im Norden, die Blasmusik stellte sich im Osten auf. Die Auftritte waren zeitverschoben geplant, der Sound-Check auf der anderen Bühne störte allerdings das laufende Konzert. Die meisten Probleme hatte die Gruppe „Blechbombe“: sie musste mit gemütlicher Blasmusik gegen Hip-Hop auf der Seebühne und elektronische Trommelschläge auf der Strandbühne antreten. Interessant: die Zusammenstellung verschiedener Musikrichtungen auf einem Platz. Gesungen wurde deutsch, irisch, englisch oder Mundart. Und immer wieder die Frage „Geht’s euch gut?“ Die Musikgruppen stammten aus Augsburg, Berlin, Köln, den Niederlanden, der Schweiz, Spanien und Neuseeland. Aber auch einheimische Musiker aus Schwabmünchen und Umgebung traten auf. Große Kostüm-Shows wurden geboten oder den Besuchern gezeigt, wie Hip-Hop getanzt wird. Immer wieder versicherten die Gruppen, dass sie gerne zum Singoldsand-Festival kommen.
Es war ein Fest für Junge und Junggebliebene, für Menschen mit und ohne Behinderung. Und es steckt unendlich viel ehrenamtliche Arbeit in der Vorbereitung, der Organisation und dem Aufräumen danach. Schwabmünchen kann stolz sein auf sein ganz spezielles Festival-Erlebnis.
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