Tafel wird dankbar angenommen

Franz Kellermann sucht mit einer Kundin die Waren im Ausgaberaum der Schwabmüncner Tafel aus.
 
Ein Blick in den Ausgaberaum der Schwabmünchner Tafel zeigt die Vielfalt im Angebot.
 
Im Hof des Caritas-Centrums St. Martin in Schwabmünchen findet die Essensausgabe der Tafel statt.
Schwabmünchen: Caritaszentrum St. Martin | Es ist Freitag, kurz vor 17 Uhr. Im Caritaszentrum St. Martin in der Ferdinand-Wagner-Straße treffen immer mehr Leute ein und reihen sich in die Schlange, die sich vor der Schwabmünchner Tafel gebildet hat. Alte Leute mit Geh-Wagen, Asylantinnen mit vielen kleinen Kindern, fremdländisch aussehende Männer, Frauen mit Kopftuch, junge Männer mit Kinderwagen, Großeltern mit Enkel treffen ein oder warten vor der Türe hinten im Hof. Jeder hat einen Euro und seine gelbe Berechtigungskarte mitgebracht und wartet gespannt, wann die Türe geöffnet wird. Pünktlich um 17 Uhr treten eine Frau und ein weiterer freiwilliger Helfer in den Eingang und verteilen laminierte Kärtchen mit Nummern, nachdem sie die gelben Karten geprüft und den Euro entgegengenommen haben. Einige Karten sind abgelaufen, Lebensmittel erhalten die jungen Frauen heute trotzdem.

Kinder und gebrechliche Menschen haben Vortritt

Egal welche Nummer sie haben: Mütter mit Kindern bis zwei Jahren haben Vortritt. Immer zwei Familien werden eingelassen und füllen ihre mitgebrachten Einkaufstaschen. Gebrechliche Menschen werden ebenfalls vorgelassen, wenn sie sich an der Türe melden. Danach fängt ein Mitarbeiter an, die Nummern ab 1 aufzurufen. Die Zahlenkärtchen waren nicht sortiert, so kann schon mal die Nummer 15 zu den ersten gehören, die eintreten darf. Alle Kärtchen, auch die der Mütter mit kleinen Kindern, werden gesammelt, um die Zahl der Hilfesuchenden festzustellen. Fünf Minuten nach 17 Uhr verlässt die erste Seniorin vollgepackt mit ihrem Geh-Wagen den kleinen Raum.
Heute sind die Regale reichlich bestückt. Es gibt viel Gebäck und reichlich Brot. Ein Schwabmünchner Supermarkt hat eine große Milchlieferung spendiert. Fleisch und Wurst, Obst und Gemüse, Milchprodukte und Süßigkeiten werden von den fünf Mitarbeitern der Tafel in die Tüten gepackt. Sie fragen nach, was gebraucht wird und legen verschiedene Produkte wieder zurück für die anderen Hilfesuchenden.

Fünf freiwillige Helfer pro Einsatz

Die freiwilligen Helfer sind heute Franz Kellermann aus Mickhausen, der seit sieben Jahren dabei ist, Oliver Czernik aus Hurlach und Johanna Herzog aus Klimmach (seit 2008 dabei). Ilie Nistor aus Rumänien, der in Großaitingen wohnt, hilft seit zwei Jahren mit und Martina Spiegel, die jüngste der Truppe, ist heute zum zweiten Mal da. „Dreißig bis sechzig Familien kommen pro Tag, Alleinstehende eher selten“, meint Kellermann. Die Leitung der Tafel liege bei Peter Wyss aus Großaitingen, der seit 2008 dabei ist. Sollte noch jemand für einen Einsatz gebraucht werden, starte Christina Glöckle einen Rundruf. Sowohl für die Bestückung der Tafel und für die Essensausgabe als auch für die Fahrten mit dem eigenen weißen Kleinbus zu den Spendern müssten Leute organisiert werden. Laut Wyss wird es ab Oktober bei der Tafel ein neues Angebot geben: gehbehinderten Kunden die Waren auf Antrag mit Privatautos in die Wohnung gebracht; das noch zu lösende Problem ist die ununterbrochene Kühlkette vom Supermarkt zum Empfänger.

Informationen zur Schwabmünchner Tafel

Die Schwabmünchner Tafel - und mit ihr die Lechfelder Tafel - sammeln Lebensmittel, die überzählig sind, kleine Mängel aufweisen oder kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel holen diese – qualitativ einwandfreien – Waren bei örtlichen Supermärkten, Bäckereien und anderen Einzelhändlern ab und geben sie an Mitbürger aus, deren Einkünfte nicht ausreichen, um den täglichen Lebensbedarf zu decken. Die Tafel schafft damit einen Ausgleich zwischen dem Überfluss an Lebensmitteln auf der einen und der wirtschaftliche Not auf der anderen Seite. Die Tafel in Schwabmünchen und auf dem Lechfeld ist eingebunden in die Arbeit der Caritas. Ihr Dienst ist Ausdruck praktischer Nächstenliebe. Als Teil der großen Tafelbewegung ist sie Mitglied im Bundesverband Deutsche Tafel e.V., befolgt die Tafelgrundsätze und kooperiert mit den anderen Tafeln in der Region, insbesondere der Augsburger Tafel.

Die erste ihrer Art im Landkreis

Die Schwabmünchner Tafel wurde im Oktober 2001 ins Leben gerufen und war die erste ihrer Art im Landkreis Augsburg. 2009 konnte eine neu errichtete Ausgabestelle am Caritaszentrum St. Martin in Schwabmünchen eingerichtet werden. Seit 2010 können die Teams in Schwabmünchen und auf dem Lechfeld die Lebensmittel mit einem neuen Kühlfahrzeug transportieren (siehe Internetauftritt der Schwabmünchner Tafel).

Berechtigte erhalten eine gelbe Karte

Die gespendeten Lebensmittel werden an Mitbürger mit geringem Einkommen verteilt, also zum Beispiel an Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose, Senioren mit einer niedrigen Rente, kinderreiche Familien, Asylbewerber oder Aussiedler. Die gelben Berechtigungkarten werden Montag bis Donnerstag von 8.00 bis 17.00 Uhr und am Freitag von 8.00 bis 15.00 Uhr in der Sozialstation Schwabmünchen in der Museumstraße 20 ausgestellt. Dazu sind ein aktueller Einkommensnachweis und der Personalausweis mitzubringen.
In Schwabmünchen findet die Ausgabe der Lebensmittel dienstags um 18.00 Uhr und freitags um 17.00 Uhr im Hof des Caritaszentrums St. Martin in der Ferdinand-Wagner-Straße 6 (neben der Pfarrkirche St. Michael) statt, in Untermeitingen jeweils mittwochs um 17.30 Uhr im Pfarrhaus (Pfarrer-Bißle-Weg 1) neben der katholischen Kirche St. Stephan. Für jeden Einkauf wird ein Betrag von 1€ erhoben.

Spender und Mitarbeiter gesucht

Die Mitarbeiter sind pro Einsatz etwa drei (nur Ausgabe) bis sechs Stunden (abholen und ausgeben) beschäftigt. Jeder Helfer entscheidet selbst, wie häufig er sich einbringen möchte. Alle arbeiten ehrenamtlich und sind selbstverständlich bei ihrem Einsatz ausreichend versichert.
Um ihre Sachkosten, zum Beispiel für das Transportfahrzeug, zu decken, bittet die Tafel auch um Geldspenden. Wer dauerhaft helfen will, kann dies am besten durch eine Mitgliedschaft im Caritasverband Schwabmünchen und Umgebung e.V. tun. Spendenbescheinigungen werden gerne ausgestellt. Die IBAN bei der Kreissparkasse Augsburg für die Tafel Schwabmünchen lautet: DE87 72050101 0030124879.
Auf der Internetseite sind viele Firmen aufgelistet, die die Tafel regelmäßig mit Lebensmitteln versorgen. Nach vorheriger telefonischer Absprache ist auch die gelegentliche Abgabe von Waren möglich; in diesem Fall wird um eine Anlieferung gebeten. Mit Ausnahme von Backwaren sowie Obst und Gemüse können nur verpackte Lebensmittel angenommen werden.
Interessente an einer ehrenamtlichen Mitarbeit erhalten unverbindlich nähere Informationen bei: Peter Wyss, Telefon: 08203 457 (Schwabmünchen) oder Judith Aldinger, Telefon: 08232 73823 (Lechfeld).
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