Untermeitingens Pläne sorgen für Unfrieden: Anwohner fürchten hohe Kosten bei Erschließung der Nebenerwerbssiedlung im Ortsteil Lagerlechfeld

Erich Schlehuber beim Betrachten der umstrittenen Pläne.
 
Hier, mitten durch die Gärten, soll eine neue Stichstraße verlaufen.
 
Die Anlieger müssen, sofern die Straße kommt, nicht nur auf ein paar Qaudaratmeter Fläche verzichten, auch eine Vielzahl Bäume muss weichen.

Untermeitingen Seit Jahrzehnten besteht die sogenannte Nebenerwerbssiedlung in Untermeitinger Ortsteil Lagerlechfeld. In der Nachkriegszeit wurden zwischen dem Bundeswehrareal und der B17 große Grundstücke vergeben, damit die Menschen dort auf ihrem Land auch Landwirtschaft im kleinen Rahmen betreiben können. Diese Zeiten sind mittlerweile vorbei, nun will die Gemeinde dort einen Bebauungsplan samt neuer Straßen erstellen. Dabei stellt sie sogar den Begriff der Enteignung in den Raum.

Seit den 1990erJahren wurden die rund 1800 Quadratmeter großen Grundstück in der Nebenerwerbssiedlung mit weiteren Häusern bebaut. Die jeweiligen Baugenehmigungen wurden im Einzelfall erteilt und die Grundstücke auf private Kosten erschlossen. Denn durch die gesetzlich vorgegebenen Lärmschutzzone des benachbarten Militärflughafens war ein Bebauungsplan rechtlich nicht möglich. Schon im Vorjahr entschloss sich die Gemeinde Untermeitingen mit einem Sanierungsplan Vorgaben für die weitere Bebauung der Flächen einen Rahmen zu schaffen. Damals sollten alle Anlieger mit ins Boot genommen werden. "Wir machen das mit allen zusammen", sagte Bürgermeister Simon Schropp seinerzeit zu. Bei der jüngst veranstalteten Anliegerversammlung revidierte Schropp genau diese Aussage.

Der erste Teil der Anliegerversammlung war noch von Einigkeit geprägt. Die Sudeten-, Schlesier- und Bayernstraße sollen neu ausgebaut werden. Die Tragschicht ist zu dünn, der Kanal marode. Etwa 12.500 Euro sollen dabei auf die Anwohner als Kostenanteil zukommen. Auch weil Untermeitingen die Hälfte - so viel wie keine andere Gemeinde im Umland - der Kosten selbst trägt.

Gemeinde und Anwohner über Bebauung und Erschließung uneinig


Als Simon Schropp jedoch dann die zwei Varianten des Bebauungsplan für das Gebiet vorlegte, gab es keine Zustimmung und kein Lob mehr von Seiten der Anlieger der Bayernstraße, die allesamt zu diesem Termin erschienen waren. Die Gemeinde kann den ursprünglich vorgesehenen Sanierungsplan über Bord werfen, denn eine Neuauslegung der Lärmschutzzone rund um den Flughafen wird dafür sorgen, dass die Siedlung nicht mehr in dieser liegt. "Die neue Zone ist zwar noch nicht rechtskräftig, aber ihr Kommen ist sicher", bestätigte Schropp. So kann der Gemeinderat den lange ersehnten Bebauungsplan für das Areal vorstellen. Doch was da zum Vorschein kam, sorgte nur für Misstöne. Zwischen den Grundstücken der jeweiligen Straßen plant die Gemeinde weitere Stichstraßen, um die zum großen Teil unbebauten Teile der Flächen zu erschließen.

Doch ein großer Teil der Anlieger hat bislang kein Interesse an dieser Art der Erschließung oder möchte keinen Grund dafür abgeben. Zumal für die betroffenen Anlieger immense Kosten entstehen. Die Verwaltung schätzt den Kostenanteil der Grundstückseigentümer auf 25.000 Euro. Eine Zahl, die Erich Schlehuber, ein Anwohner der Bayernstraße stark bezweifelt. Denn die Verwaltung hat bei der Vorberechnung noch keine Gelder für den Grunderwerb mit eingerechnet. "Da kommt deutlich mehr auf uns zu. Die Grundstücke und auch die Ersatzbepflanzung kosten viel Geld. Das kann am Ende 40000 Euro kosten", prophezeit er.

Bürger fühlen sich übergangen


Schlehuber wurde von Simon Schropp als "Härtefall" bezeichnet. Zum Einen hat sein Sohn erst vor fünf Jahren auf das Grundstück gebaut und für mehr als 20000 Euro die Erschließung über einen Privatweg geregelt, zum Andern hat Schlehuber lange vergebens dafür gekämpft, dass eine solche Stichstraße kommt, ist aber am Widerstand der Nachbarn gescheitert. Nun ist er gegen diese Form der Erschließung. Nicht, weil es ihm früher nicht gelungen ist. "Es will immer noch kaum ein Anlieger diese Straßen haben", ist er überzeugt. Bei einer Befragung lehnten mehr als 50 Grundstückseigentümer die Pläne ab, neun waren dafür. Doch die Gemeinde will die Pläne mit aller Macht umsetzten. "Wenn dieser Bebauungsplan nicht kommt, dann wird es auch keine weiteren Baugenehmigungen mehr geben", kündigt Schropp an. Zum Missfallen der Anlieger.

"Das ist Erpressung", ruft eine Anwohnerin nach dieser Feststellung. Doch das ist nicht alles. Sollte der Gemeinderat an seinen Plänen festhalten, "werden wir alle Mittel nutzen, um die Flächen zu bekommen", so Schropp. Auf vehemente Nachfrage von Erich Schlehuber stellt der Bürgermeister klar, dass dann auch eine Enteignung im Raum steht. Eine Aussage, die für weitere Empörung im Raum sorgt. Weitere Anwohner kritisieren die Pläne und das Vorgehen der Gemeinde. "Warum macht die Gemeinde einen Plan, den fast keiner will?" wird gefragt. Eine die Grundstückseigentümer befriedigende Antwort bleibt Schropp schuldig. "Wir wollen, dass die künftige Bebauung sauber geregelt ist", so der Bürgermeister. Nur dass die vorgeschlagenen Regeln wohl nicht dem Wunsch der Bürger entsprechen.

Straßensanierung in Gefahr?


Erich Schlehuber sieht auch die eigentlich unumstrittene Straßensanierung in Gefahr. Denn es sollen wegen des Bebauungsplanes keine weiteren vorsorglichen Kanalanschlüsse in den bestehenden Straßen erstellt werden, um künftige Häuser anzuschließen. Zudem will die Gemeinde nach der Sanierung über einen Zeitraum von fünf Jahren keine Arbeiten an der Straße zulassen. "Für mich steht auch die Sanierung, zumindest deren Zeitplan mit dem Beginn im Frühjahr, auf der Kippe", so Schlehuber. Denn wird diese umgesetzt und der Bebauungsplan kippt, dann kann "über mehrere Jahre nicht auf den Grundstücken gebaut werden, da man nicht an den Kanal anschließen darf".

Vorerst bleibt weiter unklar, wie es mit dem Bebauungsplan weitergeht. Am 10. März gibt es eine Versammlung mit den Anwohnern der Sudetenstraße. Ist dort die Ablehnung ähnlich groß wie bei den Anliegern der Bayernstraße steht die Verwaltung vor einem Problem. Erich Schlehuber ist sich sicher, dass sich der Gemeinderat der Tragweite seines Beschlusses nicht bewusst war. "Ich habe mich mit Räten unterhalten, von den Plänen einer Enteignung wusste keiner". Schlehuber wird bis dahin weiter gegen die Pläne mobil machen - unterstützt von vielen Nachbarn. In den nächsten Tag wird er jeden besuchen, um sich ein Bild von deren Meinung zu machen. "Bisher waren nur wenige für diese Pläne. Nun ist bekannt, welche Kosten auf uns zukommen und wie das alles ablaufen soll, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Zahl der Befürworter gestiegen ist". Eine Lösung hätte er auch parat. "Die Gemeinde soll weiterhin die Erschließung über das eigene Grundstück auf eigene Kosten zulassen. Dann zahlen nur die die, die bauen wollen. Und billiger ist es auch", schlägt er vor. Zudem trotzdem ein Bebauungsplan erstellt werden kann, um Regularien für die Form der Nachverdichtung schaffen. Ohne die ungeliebten weiteren Straßen.
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