Von Gleichberechtigung und Fischwilderei

Aufmerksam verfolgten rund zwanzig Asylbewerber den ersten Rechtsbildungsunterricht für Flüchtlinge in Schwabmünchen.

Justiz-Mitarbeiter bringen Asylbewerbern in Schwabmünchen deutsches Recht näher

Natürlich ging es um Demokratie, Rechtsstaat und Grundrechte. Neben den zentralen, verfassungsrechtlichen Themen blendete der erste Rechtsbildungsunterricht für Asylbewerber in Schwabmünchen aber auch ganz alltägliche juristische Fragen nicht aus: Frauen haben hierzulande die gleichen Rechte wie Männer, Schwarzfahren ist verboten und wildes Angeln an der Singold wird auch bestraft.
In Zusammenarbeit mit dem Schwabmünchner Netzwerk Integration vermittelten die beiden Rechtspfleger Christiane und Gerhard Schöpf aus Langerringen rund zwanzig Flüchtlingen vor Ort Grundzüge des deutschen Rechts. Eingebettet war die Veranstaltung im Pfarrzentrum St. Michael in ein Projekt des bayerischen Justizministeriums, das den Neubürgern aus anderen Kulturen „grundlegenden Prinzipien und Werte der deutschen Rechtsordnung näherbringen“ will. Dazu hatten sich landesweit zahlreiche Justiz-Mitarbeiter freiwillig gemeldet, darunter auch das Ehepaar Schöpf, das an den Amtsgerichten in Schwabmünchen beziehungsweise Landsberg tätig ist. In einer kompakten Schulung und ganz ohne „Juristendeutsch“ erklärte das die Referenten, unterstützt durch einen Arabisch-Dolmetscher, den Asylbewerbern, was freie Meinungsäußerung, Religionsfreiheit oder Gleichberechtigung bedeuten: „Frauen werden bei uns auch Polizistin, Richterin oder sogar Bundeskanzlerin.“ Auch Themen wie Zwangsheirat, Vergewaltigung oder sogenannte Friedensrichter wurden nicht ausgespart. Dabei ging es nicht nur um Strafrecht. Die beiden Rechtspfleger unterstrichen besonders, dass Polizei und Justiz den Bürgern in Deutschland zu ihrem Recht verhelfen. Einer der Teilnehmer aus Syrien drückte seinen Respekt vor deutschen Rechtskultur am Ende des Seminars so aus: „Das gibt es in meiner Heimat alles auch. Aber dort nur in der Theorie. Hier in der Praxis.“
Organisiert hatten den Nachmittag Karola Stenzel und Helmut Stapf, die als Ehrenamts-Koordinatoren beim Caritasverband Schwabmünchen die zahlreichen Freiwilligen im Netzwerk Integration, dem vormaligen Arbeitskreis Asyl, betreuen. Der Rechtsbildungsunterricht wird mit Asylbewerbern anderer Nationalitäten fortgesetzt.
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