Zwei Schwabmünchner pilgern nach Rom

Tobias Baiter (links) und Gerd Probst wollen in mehreren Etappen nach Rom pilgern.
 
Mit je zwei Paar Schuhen, Funktionskleidung und einem Rucksack, der nur das Notwendigste enthält, sind Tobias Baiter (links) und Gerd Probst Richtung Rom unterwegs.

Von Füssen aus geht’s in Richtung Heilige Stadt

Tobias Baiter und sein Freund Gerd Probst, beide aus Schwabmünchen, haben sich viel vorgenommen: Seit Montag, den 4. September sind sie sich auf den Weg nach Rom, Stück für Stück. In 2016 haben sie bereits begonnen. Tobias lief die erste Etappe von zuhause bis Landsberg, im Oktober dann drei Tage lang mit Gerd weiter bis Füssen. Jetzt Anfang September wandern die beiden bis St. Valentin auf der Heide (hinter dem Reschen-Pass). Wie es weiter geht, sind sich die beiden noch nicht klar, wahrscheinlich werden sie 2018 mit den Fahrrädern ihre Wallfahrt nach Rom fortsetzen.

Für Tobias ist Rom nicht das erste Wallfahrtsziel: Über einen Zeitraum von sechs Jahren wanderte er zusammen mit seiner Frau Petra, aber auch alleine, bis Santiago de Campostella. Auf die Frage „Warum gerade Rom?“ meinte er, es gäbe vier berühmte Wallfahrtsorte (Santiago, Rom, Jerusalem und Guadeloupe), die er nacheinander vorhat zu gehen. Gerd weiß, dass es in unserer Nähe den Creszentia-Pilgerweg gibt - gut ausgeschildert, mit Herbergsverzeichnis. In drei Tagen läuft man von Kaufbeuren über Ottobeuren und Mindelheim wieder zurück (im Internet auf der Seite von Kaufbeuren beschrieben).

Die Wallfahrt nach Rom unterscheidet sich vom Camino

Die beiden erzählen, dass nach Rom zu pilgern nicht mit dem Camino vergleichbar sei. Es gäbe kein Herbergswesen und es wären lange nicht so viele Menschen unterwegs. Von uns aus sei kein Weg beschrieben, mehrere Routen müssten zusammengesetzt werden. Zunächst folgen die Freunde der „Via Claudia“, die bis Trient geht. Danach wollen sie bei Parma südlich von Mailand auf den „Canterbury-Weg“ stoßen, den der Bischof von Canterbury von Schottland über Lausanne vor seiner Weihe zum Bischof in Rom gegangen sein soll. Auf diesem Teilstück gäbe es dann auch einen Pilgerpass, auf dem bestätigt wird, verschiedene Orte auf dem Weg besucht zu haben - zu Fuß, mit Fahrrad oder mit Pferd, wie Tobias berichtet.
Auf die Frage, warum sie die Wallfahrt unternehmen, antworten sie, sie wollten den Alltagstrott durchbrechen. Dazu eigne sich besonders Langstrecken-Wandern. Man brauche kein Flugzeug oder Auto, um auszubrechen. Das Ziel werde erst nach langer Zeit erreicht. „Wege dienen zur Reinigung und Inspiration“, meint Tobias. „Die Seele weitet sich, ähnlich wie bei Exerzitien.“ Gerd bringt den Spruch von Karl Valentin: „Ich besuch mich selber, mal schauen, ob ich zuhause bin.“ So empfinde er Pilgern. Gerd ist gerne in der Natur unterwegs. „Ihm begegnen, der uns trägt - in der Natur, allein oder mit Partner und über mehrere Tage.“ Dazu komme, dass ein Wallfahrer an einer Kirche oder Kapelle nicht einfach vorbeigeht, sondern „einkehrt“.

Ich ehre das Land, durch das ich pilgere

Das Pilgern würde Tobias jetzt nicht als eine Sucht bezeichnen, eher als liebe Gewohnheit. Er habe gelernt, große Strecken flott zu laufen. Wo ihn 2011 neun Kilometer noch „geschafft“ hätten, machen ihm jetzt 33 bis 42 Kilometer keine Mühe mehr - wenn alles passt. Fremd sein unter Fremden, zu merken, dass Menschen anderer Nationen uns sehr ähnlich sind – nur der Lebns-Rhythmus unterscheide sich. Was ihm noch aufgefallen ist: „Durch aufmerksames Wandern ehrt man das Land, durch das man kommt.“
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