Solnhofener Plattenkalke auf der Donau

Steinfloß vor der Ortschaft Stepperg an der Donau um 1820, Lithographie von Adolf Kunike, in: Donauansichten, Wien 1826. Die Steinbruchbesitzer des Altmühltals brachten ihre Produkte nach Stepperg, wo sie auf die Iller-, Donau- und Lechflöße geladen wurden. (Foto: pm)
Solnhofen: Alte Schule |

Der Augsburger Professor Karl Filser stellt am 28. September um 19.00 Uhr in einer digitalen Präsentation den Lechflößer Josef Schwaller - der in seinen Aufzeichnungen den Handel mit Solnhofener Steinen dokumentiert hat - im Abendvortrag der Freunde und Förderer des Bürgermeister-Müller-Museum in der „Alten Schule“ in Solnhofen vor.

Im 19. Jahrhundert blühte in den Steinbrüchen von Solnhofen und den Nachbargemeinden der Abbau der Kalkschieferplatten. 1832 konnte man in den Bayerischen Annalen lesen, dass ein guter Steinbruch dem Besitzer mehr einbringe als ein ansehnlicher Bauernhof, vor allem da die Steine auch zur Lithographie verwendet werden könnten. Dabei hätten die Besitzer den Vorteil eines leichten Transportes nach vielen Ländern, da die Donau nur fünf Stunden entfernt sei, auf der bei Stepperg die nach Österreich, Ungarn und der Türkei bestimmten Steine geladen würden.

In Zeiten, in denen es noch keine Eisenbahn gab, mussten die Platten mit dem Ochsen- und Pferdefuhrwerk zu den Kunden gebracht werden. Wurden Märkte der donauabwärts gelegenen Orte beliefert, konnten sie auf dem Wasser fortgeschafft werden. Dazu mussten sie nach Stepperg an der Donau gefahren werden, wo sie von den Iller-, Donau – und Lechflößern als Oblast aufgeladen wurden. Konkurrenz bekamen die Flößer, als der Ludwigs-Donau-Main-Kanal gebaut war, die Eisenbahn durch das Altmühltal fuhr und auch Donau-Dampfschiffe Solnhofer Steine mitnehmen konnten.

Über den Transport und den Handel von Solnhofer Steinen gibt es einmalige Dokumente, die der Lechflößer Josef Schwaller (1844‒1909) aus Apfeldorf hinterlassen hat. Er hatte enge Kontakte zu Steinbruchbesitzern im Altmühltal und lieferte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an 500 000 Kalkschieferplatten an Kunden in Linz, Wien und Budapest.
Schwallers Aufzeichnungen enthalten Listen, in denen er die Typen der transportierten Steine beschreibt, die Orte und Kunden benennt und Preise anführt. Als in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre die Konjunktur einbricht und Kunden zahlungsunfähig werden, stellte er die Steinfahrten nach Österreich und Ungarn ein. Sein Kommentar im Jahr 1892: „Das Holz hier war zu teuer, um in Österreich konkurrieren zu können. Die Steine nahmen an Wert ab, da ganz andere Plasterungen erfunden wurden. Die Welt ist eine andere geworden. Das Holz von hier ging alles nach Norddeutschland und so mußte man dieses schöne Geschäft aufhören, nach 25-jähriger Tätigkeit. Ich war mehr als 150-mal in Wien und bei 40-mal in Budapest auf Reisen. Nach vielen schönen Zeiten und auch Unglückstagen viel verdient, auch bei 16 000 Mark verloren. Wie schön war oft eine Reise im Monat Mai, alle Stunden ein anderes Bild, ein Dorf, alle Tage eine andere Stadt.“
(pm)
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