Die Wiege der schwäbischen AWO stand in Stadtbergen

70 Jahre erfolgreicher AWO-Ortsverein Stadtbergen: Von links im Bild: August Bögle, Munda Mack, Landrat Martin Sailer, Marion Leichtle-Werner und Alois Strohmayr. Foto: Ingrid Strohmayr

JUBILÄUM/ Der Ortsverein Stadtbergen der Arbeiter Wohlfahrt feierte sein 70-jähriges Bestehen. Nach wie vor hat der rührige Ortsverein das „Herz am richtigen Fleck“. Jetzt wurde der runde Geburtstag mit vielen Gäste im Stadtberger Bürgersaal gefeiert.

Ingrid Strohmayr

„Wir können uns sehen lassen“, lacht die 92jährige Munda Mack, das Urgestein des Ortsvereins der Arbeiter Wohlfahrt (AWO), die zusammen mit AWO-Ortsvorsitzenden August Bögle im Bürgersaal sieben Jahrzehnte AWO in Stadtbergen Revue passieren ließ. Festlich umrahmt wurde der Abend durch das Streichquartett „Soravia“ und einem fröhlichen Auftritt der „Tanzmäuse“ der TSG Stadtbergen.
Die Angebote der AWO, die in Stadtbergen durch den ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Architekten Alois Strohmayr senior und Altbürgermeister Rupert Stocker im Herbst 1946 durch 15 Stadtberger Bürger im damaligen Cafe Weinberger in der Goethestraße gegründet wurde, haben sich im Laufe der vergangenen 70 Jahre grundlegend geändert. Als erste große und brennende Aufgabe des jungen Ortsvereins stand die Linderung der Nachkriegsnot mit Lebensmittelspenden für bedürftige Familien, Verteilung von Carepaketen, Haus- und Straßensammlungen und Kinder- und Erwachsenenerholung im Vordergrund. Junge Frauen aus dem Umland erhielten im Mädchenwohnheim die Möglichkeit, in Augsburg zu arbeiten, eine Schule oder Ausbildung zu absolvieren und vor allem „preiswert“ unter Gleichaltrigen zu leben. 1986 kam die Altenbegegnungsstätte hin, in dem sich die Stadtberger Senioren bei einem dreigängigen Mittagessen auch am geselligen Miteinander erfreuten. Heute bietet der Ortsverein Seniorengymnastik, Ausflüge, Fitnesstraining, informative Vorträge an und unterstützt weiter sozial schwache Familien in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Stadt Stadtbergen.
August Bögle, seit 22 Jahren Vorsitzender des 144 Mitglieder zählenden Ortsvereines, freut sich, dass die angebotenen Veranstaltungen, Feste und Fahrten nach wie vor auf großes Interesse stoßen und hofft, dass auch in Zukunft die Mitglieder ehrenamtlich mitwirken und sich beteiligen, was in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit ist. Er hob in seiner Laudatio auch die freundliche und gute Zusammenarbeit mit dem AWO-Kreis- und Bezirksverband hervor und dankte „seiner“ Vorstandschaft für das große ehrenamtliche Engagement. Marion Leichtle-Werner, Vorstand der AWO Schwaben e.V. zeigt sich erfreut, dass die AWO Stadtbergen ihrem Prinzip „für die Menschen vor Ort da zu sein“ treu geblieben ist. „In Stadtbergen haben wir die ideale Basis für unsere Arbeit mit dem Haus der Familie, dem AWO-Kindergarten in Deuringen und der Kinderkrippe“. Landrat Martin Sailer gratulierte im Namen des Landkreises und bezeichnete es als „Meisterleistung“ derer, die vor 70 Jahren denjenigen halfen, denen es schlechter ging. Er bezeichnete die AWO Stadtbergen als starke Stimme von Stadtbergen, die als „Leuchtturm“ für ganz Schwaben gilt. „Auch heute wächst die Zahl derer, die Unterstützung brauchen, die AWO ist gerade im sozialen Bereich unser starker Partner, beispielsweise in Seniorenfragen und der Schulsozialarbeit“, so Sailer. Stadtbergens Erster Bürgermeister Paul Metz hob in seinem Grußwort heraus, dass die AWO als überregionale Einrichtung wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Kommune zur Stadt erhoben wurde. Die AWO leiste vor allem nachhaltige Arbeit mit neuen Ideen. Alois Strohmayr, Kreisvorsitzender der AWO ist einer der Zeitzeugen, der die Entwicklung des Bezirks-, Kreisverbands und Ortsvereins der AWO in Stadtbergen hautnah verfolgt. Sein Vater gründete die AWO Stadtbergen, brachte 1951 bereits die Geschäftsstelle des Bezirksverbandes nach Stadtbergen. Nicht nur wegen der vielen Einrichtungen, die er unter schwierigen Umständen geschaffen hat, wird Stadtbergen „als Wiege der schwäbischen Arbeiterwohlfahrt“ bezeichnet. „Der Ortsverein hatte im Laufe seines Bestehens immer das Herz am richtigen Fleck und hat sich konstant für die existenziellen Nöte und Bedürfnisse der Menschen vor Ort eingesetzt. Im Lauf der Zeit hat er sich von der „sozialen Selbsthilfeorganisation der Arbeiter“ zu einem anerkannten Verband der freien Wohlfahrtspflege entwickelt und ist parteipolitisch neutral“, betont Alois Strohmayr. Sein ganz persönlicher Dank galt dem früheren Kulturreferenten Horst Brunner, der nach monatelanger Recherche eine umfangreiche Festschrift mit vielen Bildern samt Chronik des Ortsvereins zusammenstellte.
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