Ein Blind Date mit Stadtberger Künstlerinnen in Friedberg

Im Rahmen des Friedberger Künstleraustauschs stellen bis 19. Mai die Stadtberger Künstlerinnen( von links im Bild) Beatrice Schmucker, Brigitte Heintze mit Stadtbergens Erstem Bürgermeister Paulus Metz, Friederike Klotz, Andrea Groß ihre Werke aus. 3. Bürgermeisterin der Stadt Friedberg Martha Reißner eröffnete die Ausstellung. Foto: Ingrid Strohmayr

Die Stadt Friedberg lud die Stadtberger Künstlerinnen Andrea Groß, Brigitte Heintze, Beatrice Schmucker und Friederike Klotz zu einem Künstleraustausch ein. Die Werke sind noch bis 19. Mai in der Archivgalerie in Friedberg zu sehen.

Es gibt viele kluge Sätze, die viele kluge Menschen über die Bedeutung der Kunst für unser menschliches Dasein und unsere Gesellschaft geäußert haben. Anlässlich der Ausstellungseröffnung „Blind Date“ in Friedberg zitierte Stadtbergens Erster Bürgermeister Paulus Metz, der zur Freude der Künstlerinnen die Rede zur Vernissage hielt, einen Ausspruch eines der größten Künstler des 20. Jahrhunderts. Von Pablo Picasso ist die ebenso schöne wie geradezu erfrischende Aussage überliefert: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“

Kunst versetzt in eine andere Welt

Bei Kunst geht es eben um Emotionen, Gefühle und ums Nachdenken. Das trifft genau die Zielsetzung des Künstleraustausches zwischen Friedberg und Stadtbergen, eben ein Blind-Date. „Wer die hier gezeigten Kunstwerke genau betrachtet, fühlt sich in eine andere Welt versetzt: in eine Welt der Phantasie, der geistigen Anregungen und der Auseinandersetzung mit einem breiten Spektrum an künstlerischen Äußerungen über unsere Gegenwart. „Gerade dieser Blick auf die Wirklichkeit scheint mir symptomatisch für die hier gezeigten Werke: Licht und Schatten in der Natur, ein Blick unter die Oberfläche menschlichen Seins, Fremd sein und Zeitläufe.

Menschen werden von diesem Wirken unmittelbar oder vielleicht auch nur mittelbar berührt. Stets hat die Auseinandersetzung des Künstlers, die in seinem Werk zum Ausdruck kommt, eine gesellschaftliche Dimension. Dazu gehören Anstöße, Nachdenken, Überprüfung eigener Überzeugungen und Standpunkte. Diese Standortbestimmung geht allerdings auch einher mit der Freude, die Kunst zu geben vermag, und zwar nicht nur dem schaffenden Künstler selbst, sondern auch – und nicht zuletzt – dem interessierten Betrachter seiner Werke“, so der Stadtberger Bürgermeister. Er wünschte dieser Ausstellung zahlreiche Besucher, die mit offenen Augen, Neugier und Entdeckungsfreude die hier gezeigten Kunstwerke betrachten und dabei etwas von dem Geheimnis erfahren, von dem auch das Jahrhundert-Genie Albert Einstein berührt war und mit den Worten ausdrückte: Das Schönste, was wir erfahren können, ist das Mysterium. Es ist die Quelle aller wahren Kunst und Wissenschaft.

Licht und Schatten in der Natur

Friederike Klotz beschäftigt sich aktuell mit Beobachtungen, die sie in der Natur macht. Sie interessiert sich für Motive, die im Zusammenhang mit Licht und Schattenbild entstehen, also nur vorübergehend existieren. Diese Momente werden fotografisch festgehalten, ebenso Bilder, die für kurze Zeit durch Lichtreflexe auf bewegtem Wasser entstehen und mit ihrer Spiegelung irritieren. Die Fotos werden bearbeitet, d. h. sie reduziert das Naturmotiv so lange, bis sie auf das Wesentliche einer grafischen Komposition der Linien kommt, auf die „Gefundene Linie“, wie der Titel der Arbeiten heißt. Dadurch entsteht etwas Neues, das Spielraum lässt für Interpretation durch den Betrachter.

„Kunst bedeutet für mich stetigen Aufbruch!“ Die hier gezeigten Figuren auf Leinwand von Beatrice Schmucker zeigen von einem intensiven Schaffensprozess, dessen Ziel es ist, einen Blick unter die Oberfläche menschlichen Seins zu ermöglichen.
Meist sind es einzelne Figuren, die den Dialog zum Betrachter suchen. Im Bild „Nachts im Seerosenteich“ ist eine Gruppe von Menschen, eine Familie, in einem Boot unterwegs, mit ungewissen Ziel – zwischen Bangen und Hoffen.

"Fremdes" dank Linolschnitten Dreidimensional erleben

Immer wieder verändert die Künstlerin die Motive, Farben und Formen ihrer Figuren, durch Übermalung, Kratzen, bis letztendlich die gewünschte, oft sehr grafische Figur im starken Kontrast zum Hintergrund, stehen bleibt.
Seit über dreißig Jahren ist Andrea Groß eine begeisterte Linolschneiderin.
In den letzten Jahren erweitert die Technik Collage aus Linolschnitten ihr Schaffen. Im Zyklus „fremd“ wurden bereits vorhandene Farblinolschnitte gezielt mit ausgewählten Plattenausschnitten an bestimmten Stellen nochmals überdruckt.
Die so entstandenen Fragmente wurden mit anderen Ausschnitten kombiniert und neu zusammengesetzt. Für jede Figur im Vordergrund wurde eine eigene Platte geschnitten und zweifarbig gedruckt. Diese extra angefertigten Linolschnitte wiederum wurden ausgeschnitten und als Protagonisten des Themas auf den Hintergründen platziert. Dadurch bekommen die Drucke etwas dreidimensionales.

Mit hintergründigem Tiefgang wendet sie sich in unverwechselbar poetischer Art Themen menschlicher Emotionen zu. Das Thema „fremdsein“, sich fremd fühlen wird in der Ausstellung dem heimeligen Thema „Schrebergärten“ gegenübergestellt.
Seit einigen Jahren schon hat sich Brigitte Heintze auf Zeichnung und Druckgrafik spezialisiert. Ihre Arbeiten sind in hohem Maße durch ihren Materialreiz bestimmt. Sie benutzt traditionelle Zeichenmaterialien wie Bleistift, Kohle und Oilsticks ebenso wie Collage-Elemente von eigenen Fotos und gesammelten Papieren.
Meist arbeitet sie dabei auf Blättern, die bereits eine eigene Geschichte haben. So überarbeitete sie alte Radierungen, wissenschaftliche Notizblätter ihres Mannes, eines Mathematikers, überzeichnete veraltete Lehrmittelkarten aus dem Schulunterricht, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Ausstellung BLIND DATE ist noch bis 19. Mai in der Archivgalerie Friedberg, Pfarrstraße 6 freitags von 14 bis 18 Uhr und Samstag, Sonntag und Feiertag von 11 bis 17 Uhr zu sehen. (si)
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