Es geht um Menschen und nicht um Zinnsoldaten

Vor der Podiumsdiskussion zum Thema „Unbegleitete Flüchtlinge“ begrüßte Stadtbergens Erster Bürgermeister Paulus Metz (von links im Foto) die Teilnehmer Susanne Reif (Regierung von Schwaben), Alt-Abt. Dr. Notker Wolf, Felicitas Samtleben-Spleiß (Pfarreiengemeinschaft),, Dr. Markus Gruber Ministerialdirektor Sozialministerium), Christa Tako und Michael Krause (Kolping-Akademie) beim Stadtberger Bürgersaal. Foto: Ingrid Strohmayr

SOZIALES/ Zum Thema „Unbegleitete Flüchtlinge – das bittere Erwachen. Eine berufliche Aus- und Weiterbildung hier bedeutet zielgenaue Entwicklungshilfe für die Heimatländer“ fand im Foyer des Bürgersaal eine Podiumsdiskussion mit Alt-Abt Dr. Notker Wolf OSB, St. Ottilien, statt. Seit der Flüchtlingsstrom im Jahr 2015 eingesetzt hat, sind unzählige unbegleitete Jugendliche nach Deutschland gekommen.



Ingrid Strohmayr

Das Thema der Podiumsdiskussion „Unbegleitete Flüchtlinge – das bittere Erwachen“, veranstaltet von der Stadt Stadtbergen, der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Stadtbergen, der evangelischen Friedenskirche, dem KEB (Katholische Erwachsenenbildung) Augsburg Land und der VHS Augsburger-Land ist nach wie vor brisant. Über das große Interesse seitens der Flüchtlingshelfer, interessierten Bürgern im vollbesetzten Foyer des Bürgersaals Stadtbergen freute sich Organisatorin Felicitas Samtleben-Spleiß, die mit Erstem Bürgermeister Paulus Metz die Veranstaltung eröffnete. „Ein gutes Zeichen, dass die Frage berührt, schließlich haben die Kinder dieselben Menschenrechte wie Erwachsene“, sagt sie. „Es wäre darüber nachzudenken, dass junge Leute aus sicheren Herkunftsländern mi einsprechend fundierter Berufsausbildung in Deutschland erworben, zurück in ihren Heimatländern sich eine Zukunft aufbauen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft leisten können. Die Jugendlichen sind nicht vor Krieg und Verfolgung geflohen, sondern vor bitterer Armut und Perspektivlosigkeit. Wir müssen in den Jugendlichen die Hoffnung wecken, dass sie auch in ihren Ländern ein besseres Leben erwarten und einen erheblichen Anteil zum Nutzen des eigenen Landes leisten können“, so Samtleben-Spleiß.

Migration gab es schon immer

Der ehemalige Altprimas Notker Wolf von St. Ottilien hob er deutlich heraus, dass es sich bei allen Fragen der Flüchtlingspolitik um Menschen und nicht um Zinnsoldaten oder Schachfiguren handelt, die hin und her geschobenen werden können. Die Aussagen „Flüchtlinge seien kriminell, gefährden, nehmen den Deutschen die Jobs weg“ lässt Wolf nicht gelten: „Diese unglaubliche Schuldzuschreibung, da packt mich täglich die Wut!“ Er kritisiert die von der CSU geforderte Obergrenze, schließlich ist Migration ein Teil der Menschheitsgeschichte und hat es schon immer gegeben. Dazu veröffentliche der Altprimas kürzlich ein Buch mit dem Titel „Schluss mit der Angst – Deutschland schafft sich nicht ab“. Für ihn hat die duale Ausbildung der jungen Flüchtlinge mit dem „A und O einer menschlichen Begleitung“ oberste Priorität, egal ob sie hier bleiben oder mit Stolz in ihre Heimat zurückkehren. „Wir haben zwar viel bewirkt, aber wir stehen immer noch am Anfang der Integration“.

Perspektive für unbegleitete Jugendliche: Zukunft bieten

Michael Krause, verantwortlich für 30 unbegleitete Jugendliche und junge Erwachsene, die im ehemaligen Parkhotel in Stadtbergen, von der Kolping-Akademie betreut werden, sieht seine Hauptaufgabe in der Hilfestellung der beruflichen Orientierung und Arbeitsmarktintegration. Kopfzerbrechen bereite ihm, dass insbesondere die jungen Afghanen eine Ablehnungsquote von 99 Prozent haben. Krause selbst war als Bundeswehrsoldat in Afghanistan und kennt das Land. „Ich würde ihnen gerne Perspektiven in ihrem Herkunftsland geben, doch hier in Deutschland können wir besser helfen“.

Bayern hat viel getan: mehr Klassen für berufsschulpflichtige Jugendliche

Susanne Reif von der Regierung von Schwaben, Bereichsleitung Schulen hob hervor, dass in Bayern viel getan wird. „Bayern muss sich nicht schämen, es wird viel getan. So kann jedes Kind legal die Schule besuchen. Vor drei Jahren gab es in Schwaben lediglich sieben Klassen für die berufsschulpflichtigen Jugendlichen, heute sind es 180 Klassen. „Wir müssen dieser wertvollen Gruppe junger Menschen, die unterrichtet werden, ein vernünftiges Bildungsangebot und auch Perspektiven bieten!“

Markus Gruber lobt Ehrenamt und Engagement

Ministerialdirektor Dr. Markus Gruber vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration fügt an: „Die vielen Menschen, die vor allem im Jahr 2015 bei uns Asyl gesucht haben, unterzubringen und schnell mit dem Nötigsten zu versorgen, wäre nicht möglich gewesen ohne den großartigen Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer. Dieses Engagement verbunden mit dem gleichfalls großen Einsatz vieler hauptamtlich Tätiger war und ist beispielhaft. Und diesen Einsatz brauchen und haben wir dankenswerterweise auch bei der Bewältigung der vielen Herausforderungen im Integrationsbereich.“ „Wir haben in Deutschland und Bayern viele Menschen, deren Asylantrag positiv entschieden wurde, die länger oder dauerhaft bleiben werden. Sie suchen eine Wohnung und einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Sie wollen „ihren“ Platz bei uns finden. Je mehr wir sie dabei unterstützen, umso besser und schneller gelingt Integration.“

Es muss noch viel getan werden - Bayern hat zweijähriges Sonderprogramm

„Angesichts der vielen Menschen, die sich immer noch auf den Weg nach Europa machen und die sich dabei oft lebensgefährlichen Transportbedingungen aussetzen, müssen wir noch mehr tun für die Verbesserung der Situation in den Herkunftsländern. Die ist zunächst und vor allem eine Aufgabe des Bundes. Aber auch Bayern tut viel: Für ein zweijähriges Sonderprogramm zur Bekämpfung von Fluchtursachen in den Herkunftsländern von Flüchtlingen wollen wir konkrete Projekte vor Ort fördern. Damit eröffnen wir den Menschen in ihrer Heimat oder heimatnah Lebens- und Bleibeperspektiven. Gleichzeitig minimieren wir so den Migrationsdruck auf Europa und die damit verbundenen Risiken für die Sicherheit weiter. Bayern wendet hier für 2017 und 2018 rund 20 Millionen Euro auf.“
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