Fahrräder für Flüchtlinge nur mit Haftpflichtversicherung

In der Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe Stadtbergen werden gebrauchte Räder verkehrssicher gemacht und den Flüchtlingen übergeben. Von links im Bild: Abdul Rahman, Erster Bürgermeister Paul Metz, Johann Oberdorfer, Ernst Heintze, Masri Jallad Mahmud, Ernst Hehl, Ahmed Mohamed Abshir, Thomas Miehler und (kniend) Ibrahim Al Ahmad. Foto: Ingrid Strohmayr

ASYL/ Die Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe Stadtbergen gibt jetzt Räder an Flüchtlinge aus. Die künftigen Radler müssen an einer Verkehrsschulung teilnehmen und eine Haftpflichtversicherung abschließen.

Gut Ding will Weile haben besagt eine alte Weisheit. Dies musste auch das Team der Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe Stadtbergen erfahren, als es sich bereits im vergangenen Herbst auf die schwierige Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für eine Radwerkstatt machte. Dank Johann Oberdorfer, der auf seinem Grundstück in unmittelbarer Nähe der Flüchtlingsunterkunft in der Bismarckstraße eine offene Überdachung zur Verfügung stellte, konnte das Projekt in den vergangenen Monaten Schritt für Schritt realisiert werden. „An mehreren Wochenenden wurde in gemeinsamer Arbeit zusammen mit einigen Asylbewerbern eine Werkstatt, nahezu aus dem Nichts geschaffen“, zeigen sich die Initiatoren Ernst Hehl, Thomas Miehler, Michael Niederzoll und Ernst Heintze fast ein bisschen stolz. Die Aufgaben von der Fahrrad- und Ersatzteilbeschaffung und Ausstattung der Werkstatt wurden klar verteilt, ein Fahrradpass entwickelt, alle Räder entsprechend erfasst und in gemeinsamer Arbeit komplett verkehrssicher gemacht. „Prima ist auch, dass Fritz Popp (2 Rad Popp) sich spontan bereit erklärte, unsere drei syrischen „Mechaniker“ fachlich zu schulen“, freut sich Ernst Hehl, der zudem das Unternehmen PROPHETE, Hersteller von Fahrrädern als weiteren Sponsor gewinnen konnte. „Von Anfang an war klar, dass wir die Fahrräder nur abgeben können, wenn der Asylbewerber auch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat. Diese zu vernünftigen Konditionen zu bekommen erwies sich als kompliziert, aber schließlich wurde auch dieses Problem gelöst. Die etwa 35 Euro pro Jahr bezahlen die Flüchtlinge selbst“, sagt Thomas Miehler. Für 20 und 50 Euro, je nach Wertigkeit des Fahrrads, werden die Räder nach Vorlage des Versicherungsscheins den Bewerbern, die sich in eine Warteliste eintragen, schließlich ausgehändigt. Zum gekennzeichneten Fahrrad, das auch später wieder gegen Erstattung zurückgegeben werden kann, erhält der Asylbewerber ein Schloss und einen Helm. Auch das Thema „Richtiges Verhalten im Straßenverkehr“ war den Verantwortlichen der Flüchtlingshilfe ein großes Anliegen. „Ich freue mich riesig, dass wir mit der Fahrschule Keinath in Stadtbergen einen erfahrenen Partner gefunden haben, der kostenlos Verkehrserziehungsunterricht und Training unseren Flüchtlingen anbietet. Unsere ehrenamtlichen Dolmetscher übersetzen, damit es keine Verständigungsprobleme gibt. Die Fahrlehrer haben zudem einfache Fragebögen, die auch beispielsweise ins Arabische übersetzt wurden, entwickelt, um das Erlernte zu vertiefen“, freut sich die Integrationsbeauftragte der Stadt Stadtbergen Ingrid Strohmayr. In der Unterkunft selbst sollen nach Absprache mit der Tiefenbacher Stiftung zudem Fahrradständer aufgestellt werden. Auch dies geschieht in Eigenregie vor Ort, so werden Helfer und Flüchtlinge zusammen die Bausätze montieren und aufstellen. „Wir suchen noch weitere gebrauchte, gut erhaltene Fahrräder und auch Helfer mit technischem Verständnis für die Montage der Räder“, fügt Ernst Hehl hinzu. Interessierte Bürger können sich an Ernst Hehl per Email unter ernst.hehl@kabelmail.de oder Thomas Miehler thomas.miehler@online.de wenden. Auch finanzielle Zuwendungen sind auf das Spendenkonto der Stadt Stadtbergen „Flüchtlingshilfe Stadtbergen-Fahrradwerkstatt“ DE50 7205 0101 0000 1413 90, BIC: BYLADEM1AUG willkommen. (si)
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