„Was die Hausfrau wissen soll!“ Linolschnitte und Collagen von Andrea Groß

„Was die Hausfrau wissen soll“ Linolschnitte und Collagen zeigt die Stadtberger Künstlerin Andrea Groß (zweite von rechts im Bild) im Cafe Dichtl. Die Stadtberger Bürgermeister Paul Metz, Michael Smischek und Bärbel Schubert zählten zu den Vernissagen-Gästen. Foto: Ingrid Strohmayr
Bis zum 25. April ist die Ausstellung „Was die Hausfrau wissen soll“ - Linolschnitte und Collagen - der Stadtberger Künstlerin Andrea Groß im Cafe Dichtl in der Maximilianstraße in Augsburg zu sehen. Ein Kochbuch anno 1931 war die Inspiration zum neuen Zyklus, eine Kombination aus speziell dafür hergestellten Druckplatten und Linolschnitten. Besonders freute sich die Künstlerin mit der Augsburger Kunstkuratorin Anette Urban, dass aus Stadtbergen Erster Bürgermeister Paulus Metz, 2. Bürgermeister Michael Smischek und 3. Bürgermeisterin Bärbel Schubert mit den Stadträten Ingrid Strohmayr und Paul Reisbacher (beide Mitglieder des Kulturausschusses) mit der Stadtberger Kunstkuratorin Brigitte Heintze zur Ausstellungseröffnung „in die Stadt“ kamen.

Andrea Groß, in Altdorf bei Nürnberg 1960 geboren, hat ihr Studium, Grafikdesign, Umweltgestaltung und Denkmalpflege in Augsburg 1983 als Diplomdesignerin abgeschlossen. Sie ist Mitglied beim Berufsverband Bildender Künstler Schwaben Nord und Augsburg e.V. und bereichert nicht nur die hiesige Kunstszene insbesondere mit ihren Linoldrucken, die etwas ganz besonderes sind: „Den Kreis ihrer Anhänger, Fans und Bewunderer hat sie mit Ausstellungen, sowohl als Teilnehmerin als auch in Einzelausstellungen im In-Ausland stetig erweitert: Stuttgart, Bonn, Augsburg, München, Berlin aber auch in der VR-China, in Frankreich, Österreich und im Kosovo sind ihre Werke gezeigt worden“, betont Silke Haarmann in ihrer Laudatio.

Was ist so besonders am Linoldruck: Bei dem Wort Linoldruck haben viele als erste Assoziation das Wort „Autsch“ und „Einziehn der Luft durch die Zähne“, denken sie doch an die Schule und die dort geholten Schnittverletzungen zurück. Andrea Groß beschreibt es selbst als ein „sinnliches Handwerk“, der Geruch der frischen Platte, das Schneiden einer sehr langen Linie, ohne hierbei abzusetzen, kann atemberaubend sein.
Das Besondere am Linoldruck, einer Hochdrucktechnik, sind die klaren Flächen, glatten Umrisse und reduzierte Linien. Bei Beginn der Arbeit muss eine genaue Vorstellung davon vorhanden sein, welche Fläche, welche Linie und welche Umrisse in welcher Farbe gedruckt werden sollen, welche „Flächen“ verschwinden müssen. Denn das was weggeschnitten ist, ist unwiderbringlich verloren. „was weg ist, ist weg“. Diese Kunst der verlorenen Platten beherrscht Andrea Groß vortrefflich.

Seit einigen Jahren neu dazugekommen ist die Technik der Collage. Ursprünglich entstanden aus Schätzen der Makulaturenkiste in der die Künstlerin Probedrucke, Experimente, Ausschnitte einzelner Blätter aufbewahrt und mit gezielt angefertigten neuen Motiven zusammenführt, ein neues Werk, getragen von der Inspiration der Vielfalt und dem Streben nach Einzigartigkeit entsteht. Die wahre Sammlerin kommt hier zum Zuge.
Ein Kochbuch aus dem Jahr 1931 war die Inspiration zu der neuen Reihe „Was die Hausfrau wissen soll“. Andrea Groß hat hier in witzigen, hintersinningen und überraschenden Collagen eine Kombination aus speziell hergestellten Druckplatten, Linolschnitten und Illustrationen sowie Anweisungen des Buches vorgenommen.

Die Trilogie „Süßspeisen sind nahrhaft und bekömmlich“ –mit fast „comic-hafter“ Illustration und Reduktion auf das Wesentliche zeigt die hohe handwerkliche Kunst im Linoldruck, verbunden mit der Kombination von Farbe und Schriften mit den Originalgrafiken des Kochbuches. Sie hebt den Humor im Umgang mit dem Thema hervor: Frau am Herd – was koche ich heute? Es ist die edle – hier auch gesichtslose – Köchin, die ihre Pflichten erfüllt und wir fragen uns, wer oder was landet noch alles im Kochtopf und wird gebraten?“, so Silke Haarmann bei der Einführung in die Ausstellung.

„Vom Verlieren und Verschwinden“ – auch aus diesem Zyklus hat Andrea Groß noch einige Werke mitgebracht: Das Ziel – der Hund auf der Suche – die Ratlosigkeit und Bestürzung eines Hundes ob des Verlustes des Balls in einem Linolschnitt zu verewigen – das nötigt größten Respekt und Bewunderung ab. Die Technik und die Besonderheiten des Mehrfarbdruckes kommt voll zum Tragen: viele einzelne Druckvorgänge müssen hier zusammenwirken, bis das Gesamtwerk erstellt ist. Die einzelnen Linien, Formen und Flächen müssen für jeden einzelnen Arbeitsschritt klar bestimmt und abgegrenzt werden. Weitere Arbeiten aus dem Zyklus „Reisezeichen“ „von Rosenheim nach Venedig mit dem Zug“ sind auch in der Ausstellung zu finden. Am Ende der Aneinanderreihung der Bruchstücke hat der Betrachter das Gefühl in Venedig angekommen zu sein. „Man hat den Eindruck, als ob der besondere Duft dieser Stadt, die Geräusche des Bahnhofs mit den Skizzen lebendig wird“, zeigt sich Silke Haarmann begeistert. Sie dankte abschließend der Stadtberger Künstlerin für eine weitere Belebung der Sinne mit dieser wunderschön ausgewogenen, witzigen, aber auch nachdenklich stimmenden Ausstellung. (si)
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