Stadtbergens Bürgermeister Paulus Metz im Gespräch - zehn Jahre Stadt und Festwoche

Seit Oktober 2011 ist Bürgermeister Paulus Metz im Amt. (Foto: Peter Stöbich)

Das Büro des Stadtoberhaupts im ersten Stock des Rathauses wirkt präsidial durch zwei große Fahnen, die den Schreibtisch des Amtszimmers einrahmen. Sie sind Symbol für die seit 30 Jahren bestehende Städtepartnerschaft mit Brie-Comte-Robert bei Paris sowie mit Olbernhau im Erzgebirge.

An der Wand hängt die Urkunde, mit der Innenminister Günther Beckstein dem Ort am 12. Mai 2007 die Bezeichnung Stadt verliehen hat. Dazu waren bereits fünf Jahre zuvor die ersten Schritte unternommen worden, im Herbst 2005 stellte der Marktgemeinderat dann einen offiziellen Antrag. Metz, der seit Oktober 2011 Bürgermeister sowie Vorsitzender des Kreisverbands Augsburg-Land für Gartenbau und Landespflege ist, erinnert sich zum Stadtjubiläum an viele Meilensteine des vergangenen Jahrzehnts: von der Gestaltung der Ortszentren in Stadtbergen, Deuringen und Leitershofen über den Ausbau der Kinderbetreuung und den Hochwasserschutz bis zur Einführung eines Skulpturen-Kunstpreises. Zum zehnjährigen Stadtjubiläum stellten wir Metz zehn Fragen.

StadtZeitung: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Stadt in Ihrer Amtszeit?
Paulus Metz: Wir haben viel in den vergangenen sechs Jahren erreicht und haben noch viele weitere Ideen für die Zukunft. Ich möchte nur einige markante Punkte aus den Bereichen Energie, Umwelt, Familie und Soziales sowie Regionales und Bauen erwähnen:
- Der Bau der neuen Dreifachturnhalle in Kooperation mit Vereinen und Schulen wurde erfolgreich abgeschlossen. Für unsere Sportler gibt es inzwischen drei neue Fitnessinseln.
- Die Flüchtlingsproblematik haben wir dank der großartigen Leistung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer gut im Griff.
- Stadtbergen hat inzwischen flächendeckend ein schnelles Internet: Unsere Bürger sind mit bis zu 100 Megabit unterwegs.
- Natürlich denken wir auch an unsere Umwelt und sind inzwischen eine "gentechnikfreie Stadt", heizen unsere öffentlichen Gebäude teilweise mit Hackschnitzeln und haben Straßenlaternen und Beleuchtungen in den städtischen Gebäuden auf energiesparende Systeme umgestellt - um nur einige Punkte darzustellen.
- Nah sind wir bei unseren Familien. Der neu geschaffene Kontaktpunkt und der Familienstützpunkt helfen und vernetzen unsere Bürger, neue Kinderkrippen und Spielplätze wurden geschaffen. Der bunte Kreis setzt sich mit dem Ziegelhof für kranke Kinder und ihre Familien ein und unsere Schulen werden zurzeit umgebaut und erweitert. Die Zukunft unserer Kinder ist uns das wert.
- Dran und in der Planung sind die Probleme rund um Lärmschutz und den Straßenverkehr. Die Schallentkopplung der Gleise der Linie 3 war aufwendig und teuer, die Erneuerung und der Ausbau des Straßen- und Fahrradnetzes ist erfolgt.



StadtZeitung:Was ist das derzeit dringendste Problem?
Metz: Nach wie vor vor allem Probleme mit dem Schleichverkehr in Stadtbergen. Der Schallschutz an der B 17 und B 300 ist mir ein großes Anliegen, ebenso die Probleme im Zusammenhang mit der geplanten neuen Straßenbahnlinie 5. Hier darf nichts passieren, was zu Lasten unserer Stadt geht. Wichtig ist mir auch, dass wir unser Angebot im Bereich der vielfältigen Kinderbetreuung noch erweitern können.



Stadtzeitung: Hat die Nähe zu Augsburg Vor- und Nachteile?
Metz: Stadtbergen hat die richtige Nähe zu Augsburg. Nah genug, um die Vorteile einer größeren Stadt zu nutzen, und mit genügend Abstand, um den Bürgern eine attraktive Lebens- und Wohnqualität bieten zu können. Wir sind froh, gute Verkehrsanbindungen zum Bahnhof und in die Augsburger Innenstadt zu haben.

Unsere Bürger schätzen auch das vielfältige kulturelle Angebot - als eine Ergänzung zu unserem Bürgersaal - und die guten Einkaufsmöglichkeiten. Sehr günstig, besonders für unsere Pendler, sind die überregionalen Verkehrsanbindungen etwa nach München oder Richtung Stuttgart. Als großen Nachteil sehe ich die Belastung durch Lärm, Feinstaub und den Schleichverkehr, der sich besonders bei Arbeiten an der B 17 oder anderen Baustellen ergibt. Hieran arbeite ich.



StadtZeitung: Wie schätzen Sie die finanzielle Situation bis 2020 ein?
Metz: Sie ist jetzt schon durchweg positiv. Wir haben bereits seit 2011 einen soliden Haushalt und die Bilanzen werden jährlich besser. Bei den Haushaltsdebatten der vergangenen Jahre saßen stets alle Parteien mit am Tisch und wir konnten den Reformstau gemeinsam abarbeiten.

Ich weiß, dass nicht jeder Bürgermeister sich um Subventionen von Bund und Ländern bemüht - das ist anstrengend. Mir war es aber wichtig, alle Ressourcen für unsere Stadt auszuschöpfen und Rücklagen bilden zu können. So konnten wir die neue Dreifachturnhalle bauen - darauf darf Stadtbergen stolz sein.



StadtZeitung: Warum sind Sie in die Kommunalpolitik gegangen
Metz: Diese Frage wird mir öfters gestellt und ich beantworte sie genauso, wie Kurt Schumacher und Otto von Habsburg es getan haben: ich übernehme sehr gern Verantwortung für unsere Gesellschaft und will mich für die Gemeinschaft einsetzen, das Leben vor Ort aktiv gestalten. Das klingt vielleicht ein wenig hoch gestochen, aber es trifft den Kern der Sache genau. Stadtbergen ist meine Heimat, die mich von klein auf fasziniert und begeistert. Ich wollte nicht einfach nur reden, sondern anpacken, etwas für meinen Ort tun. Schon als Kind und Jugendlicher war ich bei der Feuerwehr aktiv, in verschiedenen Musikvereinen und bei der Aktionsgemeinschaft Westliche Wälder. Verantwortung zu übernehmen, zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Als Ältester von drei Brüdern war ich es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen.



StadtZeitung: Worüber haben Sie sich in Ihrer Amtszeit am meisten gefreut?
Metz: Über die Kindersprechstunde und darüber, wie engagiert und interessiert unsere Stadtberger Kinder und Jugendlichen sind. Unsere jungen Bürger überraschen mich immer wieder mit tollen, wirklich gut umsetzbaren Ideen und Anregungen. Sie können sich nicht vorstellen, wie gut es tut, wenn Sie auf der anderen Seite des Schreibtischs solche aufgeweckten Kinder sitzen sehen! Unserer Zukunft können wir so getrost entgegenblicken.



StadtZeitung:Worüber haben Sie sich geärgert?
Metz: Schade, dass ich beim Bau der neuen Turnhalle kein Eiscafé eingeplant habe, am besten mit einer sonnig gelegenen Südterrasse!



StadtZeitung: Im Rathaus erscheint eine gute Fee - welchen Wunsch sollte sie erfüllen?
Metz: Das wäre wirklich wunderbar, wenn ich eine solche Fee für Stadtbergen finden würde. Zuerst wünsche ich mir, drei Wünsche für Stadtbergen zu haben. Das wäre die Lösung der Verkehrsprobleme, außerdem eine Realschule nach Stadtbergen zu bekommen und der Bau eines Restaurants nach dem Modell der römischen "Villa suburbana" mit einem Badeweiher.



StadtZeitung: Was erwartet die Besucher des Stadtfestes im Mai?
Metz: Wir haben heuer das zehnjährige Jubiläum der Erhebung zur Stadt, und das wollen wir mit allen Besuchern ganz groß feiern. Unsere Städtepartnerschaften senden Delegationen, Sport- und Kulturvereine haben ein vielfältiges Programm organisiert, und auch kulinarisch werden unsere Gäste während der Festwoche nicht zu kurz kommen. Eingebettet in unsere traditionell bayerische Fest- und Feiertradition finden besondere Programmpunkte zum Stadtjubiläum statt.



StadtZeitung: Zuletzt ein Blick in die Zukunft: Wo wird Stadtbergen im Jahr 2027 stehen?
Metz: Ich sehe vor mir, wie es sich weiterentwickelt und die angefangenen Projekte realisiert worden sind - eine Kommune, die familien-, senioren- und umweltfreundlich ist, also für alle unsere Bürger ein lebenswerter Ort am Puls der Zeit. Kurz gesagt, wünsche ich mir in zehn Jahren eine prosperierende Stadt mit echtem Wohlfühl-Ambiente.
(Peter Stöbich)
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