Turbulenter Wettstreit

Eine Szene aus dem Film „Die Drei von der Tankstelle“ aus dem Jahr 1930. Nach der Pleite ihres Unternehmens versuchen die Freunde und Lebemänner Willy, Hans und Kurt sich als Tankstellenbesitzer über Wasser zu halten. Doch dann kommt die hübsche Kundin Lilian … Foto: Ufa
 
Regisseur des Stücks „Die Drei von der Tankstelle“ auf der Freilichtbühne Villenbach ist Bernhard Lernhard, hier bei der letzten Aufführung „Ich denke oft an Piroschka“. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Konfliktsituationen unterhaltungskompatibel zu gestalten und zu präsentieren, versteht die Freilichtbühne Villenbach vorzüglich. Das engagierte Team um Regisseur Bernhard Lernhard hat das bereits in den letzten beiden Aufführungen überzeugend unter Beweis gestellt. Im Kultstück „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ gelang dies mit viel Gefühl, Tempo und Situationskomik. Zuletzt, in „Ich denke oft an Piroschka“, zeigte die glänzend besetzte Darstellerriege dies mit Witz und einer kleinen Spur Wehmut. Nun steht ein weiterer Klassiker auf dem Programm. An zehn Tagen wird das Stück „Die Drei von der Tankstelle“ präsentiert.

Dabei war die Auswahl des Werks gar nicht so einfach. Es habe schon ein „langes Hin und Her“ gegeben, gesteht Regisseur Bernhard Lernhard. Doch schließlich entschied einmal mehr der Faktor Unterhaltung. „Schon bei den ersten Klängen des Ohrwurms ,Ein Freund, ein guter Freund‘ werden Erinnerungen an den Film wach“, meint Lernhard.
Im Mittelpunkt des Stücks stehen die reichen Freunde Willy, Kurt und Hans, die gut gelaunt von einer Spritztour nach Hause zurückkehren. Doch hier wartet auf sie eine unliebsame Überraschung. „Sie werden bereits vom Gerichtsvollzieher erwartet, der ihnen eröffnet, dass sie pleite sind“, erzählt Lernhard.

Harte Probe

Doch so leicht geben die Drei nicht auf. Kurzerhand eröffnen sie mit dem Verkaufserlös ihres schicken Autos eine aufgegebene Tankstelle. „Als eines Tages die schöne Lilian auftaucht, wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt“, so der Regisseur.
Die Liebe hat nämlich zugeschlagen. Alle Drei verlieben sich in die junge Dame. Und auch bei ihr hat es gewaltig gefunkt. Sie weiß anfangs nur nicht, für wen sie sich entscheiden soll. Für Kunstschaffende eine ideale Situation. Sie führt nämlich zwangsläufig zu Verwirrungen, Gags und Komplikationen. Von diesem turbulenten Wettstreit um die Gunst Lilians lebt natürlich auch die Aufführung auf der Freilichtbühne am Sportplatz.
„Die Drei von der Tankstelle" war einer der erfolgreichsten deutschen Filme der Vorkriegszeit, locker und unterhaltsam. Diesen Schwung greift das Team um Bernhard Lernhard auf. So gelingt ein virtuoser Umgang mit Erzählung, Tanz und Musik. Und gerade die Lieder sind es auch – wie „Lieber guter Herr Gerichtsvollzieh’r“ und „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ – die die Basis der Vielseitigkeit legen.

Vom Keller auf die Freilichtbühne

Was übrigens viele nicht wissen: Die Theatergruppe ist eine Abteilung des Sportvereins Villenbach ist. Sie wurde 1984 auf Initiative einiger schauspielbegeisterten Jugendlichen aus der Taufe gehoben. Als Spielort diente zunächst der Keller des Sportheims. Daher stammt auch der Name „Kellerbühne". Die Bretter, die die Welt bedeuten, hatten lediglich eine Größe von knapp 20 Quadratmetern.
Die Neuorientierung des Theaters wurde 1994 eingeläutet. Die Aktiven entschieden sich für das Theaterstück „Ritter Kunz“, ein Freilichtspiel mit ortsgeschichtlichem Hintergrund. Es wurde ein großer Erfolg und eine gelungene Inszenierung.
Die theaterbegeisterten Laienspieler wagten sich an Größeres. Die Herausforderungen wuchsen. Und: Sie wurden glanzvoll bewältigt. Beim Stück „Die Schwarze Pest" wirkten beispielsweise über 100 Personen und 17 Pferden mit. Im Sommer 1998 kam erstmals ein Theaterchor mit rund 30 Sängern zum Einsatz.
Fortan standen aufwendige Historienspiele und komödiantische Meisterstücke auf dem Programm, teilweise wie bei „Das Wirtshaus im Spessart“ mit immensem Bühnenaufbau. Einem „Kampf gegen die Windmühlen“ glich nach Bernhard Lernhards Worten das Theaterprojekt im Jahr 2004: „Don Quixote - Der Mann von La Mancha“. „Die Umsetzung des Drehbuchs forderte von den Helfern und Akteuren der Laien-Freilichtbühne Höchstleistungen“, erinnert sich der Regisseur. „Unzählige, freiwillig geleistete Stunden von Bühnenbauern waren nötig, um die Plattform für die imposante Inszenierung zu schaffen. Don Quixotes Leitspruch ,Nur wer das Unmögliche versucht wird das Unfassbare vollbringen’ hat uns immer wieder beflügelt und am Ende einen großen Erfolg feiern lassen.“

Pralle Spektakel

Auch heute hat das Theaterensemble nichts von seiner Spielfreude eingebüßt. Im Gegenteil: Im Zusammenspiel mit flotten Choreografien und einem stimmgewaltigen Chor – machen sie die Aufführungen zu einem prallen, vielschichtigen und farbenfrohen Spektakel. Hinzu kommt das prachtvolle Ambiente der Freilichtbühne.
„Die Drei von der Tankstelle“ werden am Freitag und Samstag, 8. und 9. Juli, von Donnerstag bis Samstag, 14. bis 16. Juli und 21. bis 23. Juli, sowie am Donnerstag und Freitag, 28. und 29. Juli, aufgeführt. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Kartenreservierungen sind im Internet unter www.freilichtbbuehne-villenbach.de möglich.

Von Siegfried P. Rupprecht
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