300 Seiten gegen das Vergessen: „Chronik der Wehringer Soldaten im I. und im II. Weltkrieg“ zeigt über 250 Wehringer Soldatenschicksale

Franz Xaver Leimer (Mitte) mit „seinem“ Werk, umrahmt von (von links nach rechts) Wolfgang Schuster, 1. Vorsitzender des Soldaten-, Veteranen- und Reservistenvereins Wehringen e.V., Bürgermeister Manfred Nerlinger, 2. Vorstand Artur Schiegg, Kassierer Anton Wagner. Foto: Gemeinde Wehringen
 
Ansicht der Chronik. Foto: Gemeinde Wehringen

„Diese Männer haben es nicht verdient, vergessen zu werden.“ Dieser Gedanke beim traditionellen Volkstrauertag der Gemeinde Wehringen ließ Franz Xaver Leimer, Ehrenvorsitzender des Soldaten-, Veteranen- und Reservistenvereins Wehringen e.V., beim Betrachten der vielen Namen auf dem Kriegerdenkmal am Friedhof nicht mehr los. Fortan machte er es sich zur Aufgabe, in jahrelanger akribischer und ehrenamtlicher Arbeit eine Dokumentation über die Wehringer Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg zu fertigen. Herausgekommen ist dabei nun ein stattlicher Band mit fast 300 Seiten, der über 250 Wehringer Soldatenschicksale beschreibt: Die „Chronik der Wehringer Soldaten im I. und im II. Weltkrieg“ wurde vom Soldaten-, Veteranen- und Reservistenverein Wehringen e.V. herausgegeben. Das Buch ist ab sofort im Rathaus der Gemeinde Wehringen, Zimmer 4, zum Preis von 40 Euro erhältlich. Auch in der Gemeindebücherei ist ein Exemplar entleihbar.

„Eine solche Aufarbeitung wäre nie mehr möglich gewesen, wenn dies nicht jetzt in Angriff genommen worden wäre. Der Band ist als Zeitdokument von unschätzbarem Wert und ergänzt die Wehringer Dorfchronik um ein bedeutendes Kapitel“, betont Erster Bürgermeister Manfred Nerlinger. „Mein ausgesprochener Dank gilt dem Soldatenverein und insbesondere seinem Ehrenvorsitzenden Franz Xaver Leimer für dieses herausragende Engagement“. Die Gemeinde Wehringen unterstützte den Druck der Chronik finanziell.
Über 250 Einzelschicksalen nachzugehen, bedeutete für Franz Xaver Leimer, fast drei Jahre mit Recherchearbeiten im Gemeindearchiv Wehringen, beim Standesamt Bobingen und bei zahlreichen Privatpersonen zu verbringen. Im Lauf der Zeit offenbarte sich ihm manche Schwierigkeit: So waren beispielsweise auf einer Bildtafel der Kriegsteilnehmer von 1939 bis 1945, die als Grundlage für die Dokumentation diente, etliche Namen falsch geschrieben oder bei den Vornamen nur die Anfangsbuchstaben vermerkt – bei mehreren gleichen Vor- und Familiennamen in Wehringen durchaus eine Herausforderung. „Es war sehr schwer, nach 70 Jahren noch Zeitzeugen zu finden, die mir helfen konnten. Ich erfuhr aber an allen Stellen, ob bei den Verwaltungen oder bei Privatpersonen, große Unterstützung. Dafür bin ich sehr dankbar“, erinnert sich Leimer. Auch seien ihm viele der Geschichten, die ihm bei Gesprächen mit Zeitzeugen erzählt wurden, unter die Haut gegangen.

Jedem einzelnen der Wehringer Soldaten ist in der Chronik eine Buchseite gewidmet. Unter einem Porträtbild sind jeweils Geburts- und Sterbedaten, die Eltern und Ehefrauen und, soweit bekannt, Informationen aus der Soldatenzeit wie Einberufung, Ausbildung, Einsatzorte, Verwundungen, Auszeichnungen, ob gefallen oder vermisst, Gefangenschaft und Heimkehr vermerkt.
Die im ersten Kapitel des Buchs aufgeführten 28 jungen Männer haben alle eines gemeinsam: Ihr aller Todesjahr liegt zwischen 1914 und 1918. Von den 227 Kriegsteilnehmern des Zweiten Weltkriegs sind 48 Männer gefallen, 28 gelten bis heute als vermisst, heimgekehrt sind 151 Soldaten. Auch die Namen der 15 Personen, die beim Fliegerangriff vom 16. März 1945 tragisch ums Leben gekommen waren, listet Leimers Chronik auf. Unterschiedliche Dokumente aus den Kriegsjahren, die er von Angehörigen der Soldaten erhalten hat, runden den Band ab: Ein Bericht von der Front, Feldpostbriefe, die die Familien nach dem Tod eines Soldaten mit den immer gleichen Phrasen erreichten, sowie verschiedene Urkunden und Verwundetenabzeichen am Ende der Chronik lassen die Grausamkeit der Kriegszeit erahnen.
„Mit seinem Buch ist es Franz Xaver Leimer eindrücklich gelungen, dass die vielen Männer nicht mehr auf Gedenktafeln oder im Vergessen „verschwinden“, sondern ihre Geschichte für spätere Generationen als Teil der Geschichte Wehringens und des Soldaten-, Veteranen- und Reservistenvereins bewahrt bleibt,“ so Bürgermeister Nerlinger.
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