Multikultureller Kindergerarten in Wehringen

Kinder aus 35 Nationen betreuen Marlies Schaumlöffel-Roth und ihr Team. Foto: Stöbich
Wehringen: wehringen | Marlies Schaumlöffel-Roth hat es nie bereut, dass sie ihren ursprünglichen Berufswunsch nicht verwirklicht hat. Statt eines Musikstudiums ließ sich die 49-jährige aus Wehringen zur Erzieherin ausbilden und leitet heute einen multikulturellen Kindergarten: Die 80 Mädchen und Buben in ekita.net-Sankt Johannes in Augsburg-Oberhausen kommen aus 35 Nationen - die halbe Welt ist hier vertreten.
Ahmet und Azra, Gamze und Giuseppe, Malika und Morzal werden von einem internationalen zwölfköpfigen Team aus Deutschland, Griechenland, Rumänien und Russland betreut - eine bunte Mischung, die bestens funktioniert. "Von vielen Kindern war ich mein ganzes Leben umgeben", erzählt die Leiterin der evangelischen Einrichtung, "denn meine Eltern hatten auf Sylt ein Kindererholungsheim."
Von dort ging es in den Schwarzwald, wo sie zehn Jahre lang mit ihren beiden Brüdern und zahlreichen Tieren aufwuchs. Weitere Lebensstationen waren dann Augsburg und schließlich Wehringen. "Als ich von meiner Stelle im ländlich geprägten Kindergarten in Hörmannsberg in die Stadt wechselte, bedeutete das zunächst schon eine große Herausforderung", sagt sie.
Damals waren in Sankt Johannes ein Dutzend Nationen vertreten, heute sind es fast dreimal soviel. Die Sprachenvielfalt, zehn Religionen sowie die unterschiedlichen Temperamente unter einen Hut zu bringen, ist zwar keine ganz einfache Aufgabe, doch das Motto lautet "Gemeinsam geht`s besser".
Das heißt für Schaumlöffel-Roth und ihr Team vor allem: "Alle sind gleich viel wert und jede Meinung wird ohne Wertung respektiert!" Das gilt für die Kleinen gleichermaßen wie für die Großen, denn auch viele Eltern müssen in Integrationskursen erst Deutsch, Lesen und Schreiben lernen. Zur Kontaktpflege hat die hauseigene Sprachfachkraft aus dem Frühe Chancen-Projekt der Bundesinitiative "Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" ein Elterncafé eingerichtet; außerdem gibt es eine umfangreiche Kinderbücherei sowie einen schönen Spielplatz.
Weil die Hauptsprachen im Kindergarten Arabisch und Kurdisch sind, funktioniert die Verständigung häufig nicht verbal, sondern mit Händen und Füssen, Bildern und Übersetzern. Die Wehringerin sieht dies immer wieder als Bereicherung für alle: "Denn die Liebe zur Vielfalt ist der Schlüssel für unsere Arbeit!"
Man müsse den Mädchen und Buben, die oft einschneidende Erlebnisse hinter sich haben, Sicherheit und Strukturen im Alltag vermitteln. "Besonderen Wert legen wir auf die bildungsplan-übergreifende Sprachförderung!" Dabei lernen die Jüngsten auf spielerische Weise Deutsch im Alltag, schnappen jedoch hin und wieder hier ein paar Brocken Russisch oder dort einen schwäbischen Dialekt auf.
Neben ihrem Abschluss als Erzieherin hat Marlies Schaumlöffel-Roth mehrere Zusatzausbildungen absolviert, unter anderem als Elternberaterin in Bildungsprozessen sowie in der Seelsorge, damit sie sich gegenüber den vielfältigen Problemen auch abgrenzen kann. Das Christsein, sagt sie, finde ohne Ausgrenzung oder Dogmen im Alltag statt - sei es beim Martins-Umzug im November, beim geselligen Sommerfest oder anderen Veranstaltungen. Immer wieder kommen auch Jugendliche, die vor Jahren im Kindergarten waren, als Praktikanten gern zurück.
Man hört der Leiterin die Leidenschaft für ihre Arbeit an, wenn sie über das Philosophieren mit Kindern und Erwachsenen spricht oder das Projekt des Bundesministeriums "Sprache als Schlüssel zur Welt". Offensichtlich hat diese Begeisterung auch ihre Tochter Mira angesteckt: Die 23-jährige hat gerade ihren Abschluss als Erzieherin gemacht - "und das ist nicht nur ein Job, sondern eine Herzensaufgabe", meint ihre Mutter.
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