Begegnungsort Michelsgarten – ein neuer Name für die Asylothek

 

Ein bisschen Aufregung, ein bisschen Unsicherheit – und sehr viel gespannte Erwartung. So könnte man die Atmosphäre beschreiben, in der das erste offizielle Treffen des Helferkreises und der Asylothek-Gruppe von „Weißenburg hilft“ mit den Familien aus der Flüchtlingsunterkunft in der Nürnberger Straße in Weißenburg begonnen hat.

Was erwartet uns hier? Was erwartet man von uns? Und mit wem haben wir es zu tun?
Man ist ein bisschen vorsichtig zu Anfang – so, wie man es immer ist, wenn man auf unbekannte Menschen trifft. Aber das legt sich bald und das Eis ist schnell gebrochen.
Schon nach wenigen Minunten wird gespannt nach den Möglichkeiten einer Hausaufgabenbetreuung gefragt, ob und wann Sprachkurse stattfinden können und ob die Kinder wohl mit den Eltern und einer Begleitung aus dem Helferkreis zur Kinderbelustigung auf die Kirchweih gehen möchten. Kirchweih – wie soll man das erklären? Awin, meine Sitznachbarin, die nach den Ferien die 8. Klasse besuchen wird und schon sehr gut Deutsch spricht, weiß, was gemeint ist: „Die große Party neben dem Freibad!“ Die Kinder sind Feuer und Flamme. Natürlich ist man dabei!

Und die Gegeneinladung lässt nicht lange auf sich warten: Wenn die Mama etwas Leckeres kocht – würden dann alle kommen und mitessen? Natürlich würde man! Gerne!

Ein neuer Name für das Willkommenscafé

Integration, das große Wort, wird hier nicht nur propagiert, sondern vorgelebt. Von beiden Seiten mit gleichem Enthusiasmus und mit gleicher Überzeugung. Man möchte ankommen, dabei sein und mitmachen.

Und so macht auch der neue Name Sinn, den Helferkreis und Asylothek-Team zusammen für die ungeliebte Bezeichnung „Asylothek“ gewählt haben: Begegnungsort MICHELSGARTEN wird das Willkommenscafé künftig heißen, eine Hommage an einen der früheren Lieblings-Biergärten der Weißenburger, der genau an dieser Stelle stand.
Eine Wandmalerei in den Räumen des künftigen Cafés soll später an die ursprüngliche Gaststätte mit Biergarten und Karrussell erinnern.

Ansprechpartner für alle Belange

Die Asylsozialberatung des Diakonischen Werkes stellt in der Nürnberger Straße zwei Ansprechpartner zur Verfügung: Asylsozialberater Ralph Uhlig berät als Fachkraft in Vollzeit zum Asylverfahren, bietet Unterstützung bei sozialen, medizinischen oder psychischen Problemen und beim Kontakt zu Ämtern, Schulen und anderen Stellen. Ehrenamtskoordinatorin Eva Heuer, die ebenfalls beim Diakonischen Werk mit 10 Wochenstunden angestellt ist und über die Evangelische Landeskirche finanziert wird, ist Bindeglied zwischen den Bewohnern, den vielen ehrenamtlichen Helfern und öffentlichen Stellen. „Ich werde vorläufig etwa zwei Stunden pro Woche in der Nürnberger Straße sein“ erklärt Eva Heuer. „So ist zu festen Zeiten ein Ansprechpartner da, wenn jemand gebraucht wird“.


Besonders wichtig war Diakonie-Geschäftsführer Martin Ruffertshöfer, dass eine Frau und ein Mann als hauptamtliche Ansprechpartner vor Ort sind. So ist sichergestellt, dass auch für geschlechtsspezifische Belange eine Bezugsperson da ist. Darüber hinaus ergänzen die Diakonie-Beratungsfachkräfte der Asylsozialberatung und Migrationsberatung in den Räumen der ehemaligen Post (Westliche Ringstr. 2) die Beratung und Begleitung der Weißenburger Flüchtlinge.

Andere Länder – andere Sitten – gleiche Kinder

Wie eine exotische Aufzählung aus Tausendundeiner Nacht klingen die Länder, aus der die sechs Familien in der Nürnberger Straße stammen, in unseren Ohren. Irak, Äthiopien, Aserbaidschan und Tschetschenien. Und doch gleichen sich die Kinder aus aller Herren Länder. Sie spielen mit Begeisterung mit den mitgebrachten Spielsachen, blättern in Bilderbüchern und blasen Luftballons auf. Sie gehen ohne Vorbehalte, Vorurteile und fertige Meinungen an neue Situationen und neue Menschen heran. Nehmen wir uns ein Beispiel daran und empfangen auch diese Kinder vorurteilslos und offen.
(Fotos/Text: pm)
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