Künstlerische "Zwiegespräche" in der Kunstschranne

Skulptur von Roswitha Madlon Hölle. Fotos/Text: pm


Am Donnerstag, 10. August, wird um 19 Uhr die Ausstellung "Zwiegespräche" mit der Malerin Renate Rüd (Oberhembach) und der Keramikerin Roswitha Madlon Hölle (Eckersmühlen) in der KunstSchranne Weißenburg eröffnet. Ein Titel, der nicht passender hätte gewählt werden können. Die Künstlerinnen begegnen sich auf Augenhöhe. Ihre Arbeiten sind sich gegenseitig Spiegel. Sie erlauben uns in dieser Ausstellung, ihre Anschauungen, Absichten und Arbeitstechniken zu erforschen. Als wechselseitige Monologe stehen sie sich gegenüber und legen mühelos erkennbar ihre Gemeinsamkeiten offen. Farbton, Oberflächengestaltung und - ja, auch das Material.

Während Frau Hölle Tonerde plastisch formt, veredelt, bearbeitet und brennt, wählt Renate Rüd Erdpigmente als ihr Malmittel. Mit Naturpigmenten begonnen, bevorzugt sie seit mehr als zehn Jahren ganz besonderen Eisenocker. Nichts anderes als pulverisierten Wasserrost bringt sie auf die Leinwand auf. Mit jahrzehntelanger Erfahrung und verschiedensten Bindemitteln verarbeitet sie ihn zu Farbe. Dabei lässt sie Spannungsrisse in der Oberfläche zu und Farbverläufe, lasierende und pastose Qualitäten nebeneinander bestehen. Ruhige, in sich ruhende Farben und Formen verbinden sich zu einer meditativen Kraft. Haptische, sandige Oberflächen rufen längst vergangene Erinnerungen in uns hervor.

Kaum davon zu unterscheiden ziehen sich Risse und Krakelee über die Tonoberfläche von Roswitha Hölles Rauchkeramik. Auch hier verbinden sich natürliche Farben, die prozesshaft beim Brennen entstehen. Dabei wird im Brennverfahren dem Zufall auf die Sprünge geholfen. Denn die Farbigkeit oder auch der Farbverlauf sind von den Brennmaterialien, der Temperatur oder Brenndauer abhängig. Nicht in Elektroöfen wird, wie heute üblich, gebrannt. Frau Hölle bedient sich hauptsächlich uralten überlieferten Methoden und baut sich wie schon alte Hochkulturen ihre Öfen selbst. Arbeiten, die als Gruben-, Kapsel- oder Tonnenbrand entstanden sind, kleinformatige und große, gegenstandslose Formfindungen und abstrahierte Figürlichkeit sind in der Ausstellung zu sehen.

Auf raffinierte Weise gehen die Arbeiten eine Symbiose ein. Grundverschieden und doch artverwandt ist die Nähe nicht nur ästhetisch und im Material festgeschrieben. Die Bedeutung, die den vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft im Arbeitsprozess zukommt, schlägt eine unauflösliche Brücke zwischen den beiden Künstlerinnen. Die verblüffende Kraft ihrer Exponate lässt unseren Blick über erstaunliche Oberflächen gleiten. Lassen auch Sie sich bis zum 3. September von dieser faszinierenden Ausstellung anstecken!
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