Waldbegang des Stadtrates am 07. Oktober 2017

OB Schröppel begrüßt die Teilnehmer des Waldbegangs (Foto: pm)
Weißenburg in Bayern: Weißenburger Wald |

Oberbürgermeister Schröppel begrüßt die Teilnehmer im Weißenburger Walddistrikt „Hinterer Wald“ zum jährlich stattfindenden Waldbegang.

Diese Fachexkursion, bei der über Arbeitsschwerpunktthemen des Forstamtes sowie über die Bewirtschaftung und den aktuellen Gesundheitszustand des Weißenburger Stadt-waldes informiert wird, verläuft dieses Jahr durch die Waldabteilungen „Achtelthal“ im Revier 2 und „Störzenberg“ und „Obere Stöck“ im Revier 1.

Die Rahmenbedingungen für den Wald und seine Bewirtschafter haben sich geändert, stellt Forstamtsleiter Jürgen Fischer zu Beginn seiner Ausführungen fest. Berichte über den Wald betonen die Schönheit von Urwäldern und unberührter Natur. Erholung in einsamen Wäldern, fern vom Lärm der Zivilisation steht an erster Stelle, gefolgt von sauberem Wasser und Naturschutz auf ganzer Fläche. Wir leisten uns 10 % der Waldfläche auf der wir den Bäumen beim Vermodern zusehen, ohne uns zu fragen, wo der Balken auf dem Dach, der Schrank im Wohnzimmer oder das Briefpapier herkommen. Windkraftanlagen stören. Ein Bestsellerbuch stellt gleich die Berechtigung der Forst-wirtschaft und der Förster in Frage und die Jäger werden auch noch überflüssig, denn es kommt ja der Wolf. Ja, der Wald braucht uns nicht, aber wir brauchen den Wald. Und so sehen wir am städtischen Forstamt in einer multifunktionalen, nachhaltigen Forstwirtschaft unter Beachtung des Naturschutzes und wissenschaftlicher Erkenntnisse den richtigen Weg für die Bewirtschaftung unseres Waldes.
Der Holzeinschlag zum Ende des letzten Jahres konzentrierte sich auf anfallendes Käferholz, das mit 7.000 fm einen erheblichen Teil des Jahreseinschlages von 19.500 fm ausmachte. Aufgrund des damals aufnahmebereiten Holzmarktes konnte das frisch befallene Käferholz zu befriedigenden Konditionen verkauft werden. Der Frischholz-einschlag im Winter 2016/2017 blieb davon unberührt und so konnten die geplanten Hiebe durchgeführt und die Kunden versorgt werden. Bereits mit einsetzendem Schwärmflug 2017 wurden hohe Fangzahlen an Borkenkäfern in unseren Indikatorfallen gemessen, was uns berechtigte Sorgen bereitete.
Alleine in den letzten drei Monaten wurde ca. 8.000 fm Käferholz eingeschlagen, und die Saison läuft noch. Zwar ist die Menge im Vergleich zum Anfall in den Nachbarbetrieben der Bayerischen Staatsforsten überschaubar, doch der Preis ist erst einmal im Keller und die Nachfrage gleich null. Dies liegt selbstverständlich auch an den immensen Sturm-schäden im Südosten Bayerns. Auch das Laubholzgeschäft lief verhalten. Warme Winter und bauliche Maßnahmen zur Energieeinsparung ließen die Nachfrage zurückgehen. Deshalb mussten neue Absatzwege gefunden und geringere Erlöse verkraftet werden. So wurden Teile des Buchenholzes nicht mehr im heimischen Herd verbrannt, sondern nach Österreich transportiert, um zu Zellstoff und dessen Folgeprodukten verarbeitet zu werden. Wurde das einzuschlagende Holz 2016 noch mit eigenem Personal geschultert, musste dieses Jahr ein Harvester zur Unterstützung angefordert werden, um die Mengen schnell und sicher einzuschlagen und zu rücken. Bei allen Partnerfirmen bedanken wir uns sehr für die Unterstützung. Leider läuft die Holzabfuhr nicht so wie gewünscht, und so müssen zusätzlich Maßnahmen des Forstschutzes und der Borkenkäferprävention durchgeführt werden. Neben der Entrindung, der richtigen Wahl des Lagerplatzes und dem Hacken der Gipfel ist der Einsatz von spezifischen Spritzmitteln noch unumgänglich.
Die Mitarbeiter am Forstamt verdienen auch dieses Jahr ein großes Lob, denn die anfallenden Arbeiten wurden beherzt angegangen und kompetent erledigt. Das sofortige Eingreifen und vorausschauende Handeln minimiert Schäden am Wald und optimiert seine Funktion. Ab 2018 ist ein Tarifwechsel in den TVöD geplant. Nach unserer Auffassung ist der TVöD für alle Forstwirte gerechter, denn er erlaubt ein konstantes Arbeiten bis zum Renteneintritt und lässt ausreichend Raum zur Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Akkordarbeit ist für junge Forstwirte verlockend, führte aber oft zu Gesundheitsschäden und zu Einschränkungen im Alter.
Unsere Kulturen mit klimatoleranten, weniger schadensanfälligen Baumarten machen den Stadtwald fit für die Zukunft und sichern schon seit Jahren seine Multifunktionalität. Im Jahr 2016 wurden 39.450 gepflanzt, im Jahr 2017 sind 32.110 geplant. Im Einzelnen sind dies Bergahorn, Buche, Traubeneiche sowie Tanne, Lärche und Douglasie, die in Eigenregie und durch Unternehmer gepflanzt werden. Auch die in unserem Bereich noch seltenen Arten wie Baumhasel, Schwarznuss, Kirsche und Edelkastanie finden ihr Zuhause. Für förderfähige Kulturmaßnahmen nach dem waldbaulichen Förderprogramm des Freistaates Bayern werden Förderanträge gestellt. Die Zusammenarbeit mit dem AELF Weißenburg klappt seit Jahren reibungslos.
Um die kleinen Pflanzen zu sichern und die Entmischung von Naturverjüngungen zu verhindern, sind leider immer noch Forstschutzmaßnahmen gegen Wildschäden notwendig, die aufwendig und teuer sind. Langfristig hilft hier nur, den Rehwildbestand abzusenken. Daneben wird durch ausgrasen der Begleitflora und Mäusebekämpfung Starthilfe gewährt. Ausfälle durch Frostschäden werden nachgebessert.
In Jungbeständen musste die Waldpflege aus Kalamitätsgründen zurückgestellt werden. Um die Arbeiten auf den pflegedringlichsten Flächen dennoch durchführen zu können, musste auf Unternehmerleistungen zurückgegriffen werden. Diese Investition rechnet sich, denn sie sichert Qualität, Stabilität, Gesundheit und Wertleistung in den Jungbeständen. Hier kann Einfluss auf die standortgerechte Baumartenmischung der zukünftigen Wald-bestände genommen werden, wie Beispiele während der Exkursion zeigen. Die Pflege ist daher als wichtige Investition zur Realisierung der ökonomischen und ökologischen Ziele anzusehen.
Unser Naturschutzkonzept ist den Anforderungen der Gesellschaft gewachsen. Freiwillige Ruhezonen, ein hoher Anteil von Biotopbäumen und Totholz sowie ein artenreicher Mischwald sind neben einer bestandsschonenden Forstwirtschaft die Schwerpunkte. Ständige Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen sichern zahlreiche Biotope und Magerrasenflächen sowie Naturschutz-, Landschaftsschutz- und FFH-Flächen. Als Naturschutzbeauftragter der Stadt steht der Forstamtsleiter in Kontakt mit dem
Amtlichen- und Verbandsnaturschutz, um Lösungen für aktuelle Probleme zu finden.
Als stellvertretender Vorsitzender des Forstausschusses des Bayerischen Städtetag und Mitglied des Bayerischen Waldbesitzerverbandes vertritt der Leiter des Städtischen Forstamtes Weißenburg die Interessen der kommunalen Waldbesitzer über die Stadt-grenzen hinaus und wird damit der Verantwortung der Stadt, als einem der größten kommunalen Waldbesitzer Bayerns, gerecht.
Zahlreiche Bildungsangebote vor Ort runden unsere Arbeit ab. Jährlich werden drei Forstwirte ausgebildet, pro Lehrjahr ein Azubi. Die Praktikumsplätze für Schule und Hochschule sind begehrt und werden ausgeschöpft. Ein breites Spektrum an Waldpä-dagogischen Führungen und Freizeitangeboten werden vom städtischen Forstamt angeboten und sind dank der guten Zusammenarbeit mit dem Weißenburger Amt für Kultur und Touristik und der forcierten Werbung von der Bevölkerung gut angenommen. Die Nachfrage nach Schulführungen ist leider rückläufig.
Die „Grüne Halle“ auf der Messe Altmühlfranken 2017 wurde gerne besucht und von allen gelobt. Als Koordinator bedanke ich mich bei den Akteuren an dieser Stelle für die zielführende Zusammenarbeit.
Seit Juli 2017 ist der Weißenburger Wald „Zertifizierter Erholungswald“ nach PEFC und trägt somit ein Qualitätssiegel das uns verpflichtet, bestehende Erholungsein-richtungen zu erhalten und zu verbessern. Die unabhängigen Qualitätskontrollen, sogenannte „Audits“, schützen vor Betriebsblindheit und liefern Verbesserungsvorschläge. Unser Erholungskonzept beruht auf drei Säulen: Wanderwege, Lehr- und Erlebnispfade sowie Waldpädagogik und Umweltbildung. Wandern bleibt unser Schwerpunkt. Selbstver-ständlich bleibt Platz für weitere Aktivitäten. Fahrradfahrer, Spaziergänger, Hundeführer werden aufgrund des hohen Besucherdruckes um gegenseitige Rücksichtnahme gebeten.
Unser Naturraummanagement unterstützt die Gemeinwohlleistungen des Waldes und unsere Bildungsangebote machen sie für seine Besucher verständlich.
Entlang der gewählten Begangsroute durch den Distrikt „Hinterer Wald“ im Revier Weißenburg 2 werden in der Abteilung „Achtelthal“ Pflege- und Verjüngungsmaßnahmen gezeigt. Das Ergebnis einer Schneesaat, Verjüngung mit Edellaubholz und Douglasie sowie ein Tannenbestand und Auslesedurchforstung in einem Fichtenbestand mit Harvester werden vorgestellt. Die Probleme bei der Verjüngung von Freiflächen, die durch Windwurf und Borkenkäfer entstanden sind, werden hier ebenso Thema sein.
Nach einer Stärkung mit Blechkuchen und Kaffee geht es ins Revier 1.
Im Distrikt „Störzenberg“ wird die Förderung von Biotopbäumen und Totholz im FFH-Gebiet „Schambachtal mit Seitentälern“ nach dem Vertragsnaturschutzprogramm vorgestellt. Weiteres Thema sind die geplanten Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen im FFH-Gebiet.
Anhand der Pflanzungen und der natürlichen Verjüngung der Altbäume wird auf die weitreichenden Folgen zu hoher Rehwildbestände eingegangen.
Weiteres Thema sind die Schäden durch Borkenkäfer und die Probleme bei der Bekämpfung.

Im Anschluss an den fachlichen Teil gibt es zur Stärkung Wildbret aus dem Stadtwald und die Möglichkeit zum Gedankenaustausch.
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