Kaum mehr wirtschaftlich

Der Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen (Bild) wird 2017 abgeschaltet, vier Jahre darauf Block C. Derzeit machen der Anlage die drastisch gesunkenen Großhandelspreise für Strom zu schaffen. Foto: KGG

Das Kernkraftwerk Gundremmingen ist kaum mehr wirtschaftlich zu betreiben. Zu diesem Fazit kam die kaufmännische Geschäftsführerin Gabriele Strehlau. Grund dafür seien die dramatisch gesunkenen Großhandelspreise, meinte sie beim Jahrespressegespräch des Kraftwerks.

Dabei ist im vergangenen Jahr die Stromproduktion in Block B und C um 700 Millionen Kilowattstunden gesteigert worden. Damit erreichte sie ein Gesamtvolumen von 21,2 Milliarden Kilowattstunden. Dieses gute Ergebnis wird jedoch von den niedrigen Marktpreisen nahezu ausgeglichen.
Das Kernkraftwerk fordert deshalb Marktbedingungen, die eine faire Partnerschaft von konventionellen Kraftwerken und erneuerbaren Energien ermöglichen. Dieses Regelwerk werde dringend gebraucht, so Strehlau. Die kaufmännische Geschäftsführerin hatte dazu ihre eigenen Vorstellungen: Das könne am besten in einem marktbasierten Kapazitätsmarkt erfolgen. Ihre Überlegung richtete sich also auf einen dezentralen Leistungsmarkt.

39 Millionen und Prüfung und Wartung

Obwohl im nächsten Jahr Block B und vier Jahre darauf Block C abgeschaltet wird, investiert das Kernkraftwerk nach eigenen Worten heuer noch rund 39 Millionen Euro in die Anlage. Der Betrag fließe in Wartung, Prüfung und Modernisierung, betonte der technische Geschäftsführer, Michael Trobitz. So werde die Anlage „in technisch einwandfreiem Zustand gehalten“.
Trobitz ging auch auf die Frage ein, ob das „Zusätzliche Nachwärmeabfuhr- und Einspeisesystem“, kurz ZUNA genannt, ausreichend gegen schwerste Erdbeben geschützt sei und dem Anspruch an ein vollwertiges Sicherheitssystem gerecht werde. Hier verwies er auf das Resultat einer gutachterlichen Stellungnahme: ZUNA sei „als einem Sicherheitssystem gleichwertig anzusehen“ und damit auch zur Beherrschung von Erdbeben geeignet. „Ich hoffe, dass damit die leidige und überflüssige Diskussion ein Ende hat“, bekräftigte Trobitz.

Kritiker bemängeln ZUNA-System

In der von ihm angesprochenen Diskussion wurde auf die drei Nachkühlsysteme der Reaktoren am Kernkraftwerk Gundremmingen verwiesen. Dabei hatten Kritiker aufmerksam gemacht, dass eines davon nur für eine niedrigere Erdbebenklasse ausgelegt sei. Zudem werteten sie das ZUNA-System gegenüber den normalen Nachkühlketten der Reaktoren als „qualitativ nicht gleichwertig" ein.
Ungeachtet der Diskussion geht der mit Abschaltung und Abbau eingeleitete Rückgang bei den Beschäftigten weiter. Kontinuierlich werden Mitarbeiter sowohl bei der Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (KGG) und beim Mutterkonzern RWE als auch bei den Partnerfirmen des Kraftwerks verringert. „Wir liegen im Plan“, hieß es dazu. (spr)
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