Landratsamt Dillingen schlägt Alarm: Hasenpest im Wertinger Stadtwald

In Wertingen wurde ein Fall von Hasenpest bekannt. (Foto: urospoteko/123rf.com / Symbolbild)

Einen Fall von Hasenpest in Wertingen hat nun das Landratsamt Dillingen gemeldet. Auch Menschen können sich mit dem hochinfektiösen Erreger anstecken.

 

Im Stadtwald Wertingen wurde bei einem verendeten Feldhasen Tularämie, umgangssprachlich auch „Hasenpest oder Nagerpest“ genannt, festgestellt.Das teilte nun das Landratsamt Dillingen in einer Presseerklärung mit.

Hierbei handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung, die durch den Erreger Francisella tularensis (F. tularensis) verursacht wird und die vor allem bei wildlebenden Tieren vorkommt. In erster Linie sind Feldhasen betroffen. Jedoch können Kaninchen und Nagetiere wie Mäuse, Wühlmäuse, Ratten oder Eichhörnchen genauso wie Wildwiederkäuer, Fleischfresser und sogar Vögel infiziert sein. Stechinsekten und insbesondere Zecken können bei der Übertragung eine wichtige Rolle spielen.

Das Krankheitsbild bei Tieren reicht von milden Formen mit lokaler Lymphknotenschwellung bis hin zu schwerwiegenden Allgemeininfektionen. Insbesondere bei Hasen, Kaninchen und Nagetieren sind seuchenhafte Verläufe mit hoher Sterblichkeit bekannt. Betroffene Tiere magern ab, zeigen struppiges Fell, schwankenden Gang und werden teilnahmslos. Aufgrund von Entkräftung können sie ihre natürliche Scheu verlieren.

Die Tularämie bei Hasen und Kaninchen ist gemäß der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten meldepflichtig, das heißt die Feststellung der Erkrankung ist durch die Untersuchungsstellen dem zuständigen Veterinäramt zu melden.

Bei der Erkrankung handelt es sich um eine Zoonose, das heißt der Mensch ist für den Erreger empfänglich und kann sich anstecken. Der Erreger F. tularensis gilt als hochinfektiös, sodass schon wenige Erreger ausreichen, um sich anzustecken. Anstecken kann sich der Mensch durch Kontakt mit infektiösem Tiermaterial über Haut oder Schleimhaut oder durch Verzehr von nicht ausreichend erhitztem, kontaminierten Fleisch. Kälte schadet den Erregern nicht, was bedeutet, dass gefrorenes Fleisch und kontaminierte Materialien in den Wintermonaten lange infektiös bleiben.

Das Erkrankungsbild der Tularämie beim Menschen kann abhängig von der Eintrittspforte sehr vielfältig sein: angefangen von grippeähnlichen Symptomen bis hin zu Hautgeschwüren, Entzündungen der Augen und anderer Organe sowie Lymphknotenschwellungen. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind nicht bekannt, aber auch nicht komplett ausgeschlossen. Zur Vermeidung eines schweren Krankheitsverlaufes und von Komplikationen ist der frühzeitige Therapiebeginn mit einem Antibiotikum wichtig. Eine Impfung ist in Deutschland nicht zugelassen.

Vor einer Erkrankung schützen kann man sich, wenn man Fleisch von Hasen und Kaninchen nur gut durchgegart verzehrt. Mit Tierkadavern verseuchtes Wasser sollte gemieden werden. Jäger und Revierinhaber sollten beim Abbalgen Handschuhe und bei Bedarf spezielle Atemschutzmasken tragen.

Jäger und Revierinhaber sollten in jedem Fall beim Auffinden von auffälligen oder verendeten Feldhasen, die Seuchen oder seuchenähnliche Merkmale der Tularämie aufweisen, die verendeten Wildkörper unter Berücksichtigung entsprechender Hygienemaßnahmen sicherstellen.

Tote Feldhasen können pathologisch-anatomisch, histologisch und bakteriologisch untersucht werden. Die Untersuchungen werden am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschleißheim durchgeführt.(pm)
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