Sie sind unersetzbar

Die Feldgeschworenen schützten die Grenzzeichen einst durch Unterlegen geheimer Zeichen (Bild) gegen willkürliche Versetzung. Foto: Bayerische Vermessungsverwaltung
Für viele sind sie ein Relikt der Vergangenheit und doch sind sie nicht wegzudenken. Die Rede ist von Feldgeschworenen. Sie übernehmen eine wichtige Mittlerfunktion zwischen Bürger und Vermessungsamt und tragen damit entscheidend zum nachbarschaftlichen Frieden bei. Jetzt würdigte der bayerische Finanzminister Markus Söder Feldgeschworene für ihr jahrzehntelanges Wirken.

Unter den Geehrten war auch eine Reihe von Grenzhütern aus dem Dillinger Land. Landrat Leo Schrell überreichte ihnen Ehrenurkunden im Rahmen einer Feierstunde im großen Sitzungssaal des Landratsamts in Dillingen.
Von den 13 Ausgezeichneten kamen allein acht Feldgeschworene aus Wertingen und den Stadtteilen: Franz Rauch und Xaver Zerrle (Wertingen), Andreas Deisenhofer und Bernhard Gaugler (Bliensbach) sowie Josef Hitzler, Anton Mayrhofer, Johann Schmid und Georg Spengler senior (Prettelshofen). Weiter wurden Xaver Hitzler (Dillingen-Steinheim), Anton Kaiser (Lauingen), Bruno Römer (Lauingen-Frauenriedhausen), Sebastian Speinle (Dillingen-Donaualtheim) und Karl Zacher (Ziertheim) geehrt.

Schutz mit geheimen Zeichen

Die Feldgeschworenen sind aus den alten Mark- und Feldgerichten, die in Grenzangelegenheiten Schiedssprüche fällten, hervorgegangen und wurden so zu Hütern der Grenzen und Abmarkungen. Je nach Region nannte man sie Siebener, Untergänger, Märker oder Feldscheider.

Die Grenzzeichen schützten sie durch Unterlegen geheimer Zeichen gegen willkürliche Versetzung durch Unbefugte. Diese sogenannte „Siebener-Zeichen“ waren meist besonders geformte und beschriftete Zeichen aus Ton, Glas, Porzellan oder Metall. Die Art des Unterlegens war Bestandteil des Siebener-Geheimnisses und wurde von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich gehandhabt.

In Bayern gibt es über 80 Millionen Grenzpunkte, davon über 30 Millionen Grenzsteine. Die Feldgeschworenen kümmern sich um Bestand und Erhalt dieser Grenzzeichen. Mehr als 250 000 Abmarkungen jährlich führen sie zusammen mit den Vermessungsämtern durch. Sie leisten einen Beitrag zur Bildung von mehr als 30 000 bebauungsfähigen Grundstücken für Wohnen und Gewerbe im Jahr. Heute sind rund 21 000 Feldgeschworene in Bayern tätig.
Mittlerweile hat selbstverständlich auch bei den Feldgeschworenen der technische Fortschritt Einzug gehalten. Nicht selten wird heute der Satellitenpositionierungsdienst GPS als Unterstützung bei der Suche nach Grenzpunkten eingesetzt. Dennoch verbindet die Tätigkeit – übrigens das älteste, noch erhaltene Ehrenamt der kommunalen Selbstverwaltung – nach wie vor Tradition und Moderne. (spr)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.